Das werden Sie noch bereuen ! “ Ernestlne hielt ihren Blick ruhig aus : „ Das glaube ich kaum , Frau Gräfin , ich stehe , Dank meiner Richtung , außerhalb der Sphäre , in welcher Sie mir zu schaden vermöchten . “ „ Ich könnte Sie töten ! “ keuchte die Gräfin , nach Atem ringend , und das Blut stieg ihr zu Kopf , daß ihr dunkel vor den Augen wurde . „ O nein , das könnten und würden Sie nicht “ , sagte Ernestine mit schneidendem Hohn . „ Sie würden der Welt nicht das Schauspiel bereiten , eine so kühne Vertreterin unserer Freiheit in einer Strafanstalt enden zu sehen . “ „ Sie haben Recht , es wäre eine Albernheit , ein Verbrechen zu begehen , wo leichtere Mittel genügen . Ich werde Ihnen einen Todesstoß geben , an dem Sie langsam verbluten und den keines unserer vortrefflichen Gesetze bestraft : Ich werde Ihnen den Mann entreißen , den Sie lieben ! Ich will es — und mein Wort darauf , was ich will — das kann ich auch ! “ Ernestine verstummte . Dies Wort hatte sie getroffen wie ein betäubender Schlag . Sie sah nicht , wie die Gräfin schweren Schrittes aus dem Zimmer rauschte , sie sah nur bei dem Scheine der Brandfackel , die das furchtbare Weib in ihre Brust geworfen , ihr eigenes Herz ! Liebte sie denn ? Und wen liebte sie ? Ende des zweiten Bandes Dritter Teil Erstes Kapitel . „ Wenn Frauen die Zügel führen ! “ Atemlos vor Wut schritt die Worronska die Treppen hinab und trat ins Freie . Vor der Tür führte ein Groom mit großer Kraftanstrengung ihr stattliches Viergespann auf und nieder . Sie winkte ihm , er fuhr vor und sprang herab , um der Gebieterin hinauf zu helfen , die sogleich Zügel und Peitsche ergriff und froh , ihren Zorn an etwas Lebendem auslassen zu können , auf die ungeduldigen Rosse einhieb . Mit Mühe und äußerster Gewandtheit schwang sich der Bursche noch auf den Bedientensitz hinter ihr , denn schon bekam der Wagen von den anziehenden Pferden einen jähen Ruck und dahin brauste die moderne Viktoria auf ihrem Siegeswagen , so zornesmutig und sturmesschnell , als gälte es , einem kämpfenden Heer auf dem Schlachtfelde die Rache zu bringen . „ Ist es möglich , diese hektische , boshafte Hexe kann mir einen Mann wie Möllner streitig machen ? “ sprach sie zu sich selbst . „ Schäme Dich , Feodorowna , “ schalt sie sich jedoch sogleich , „ verleumde nicht in Deinem Zorn ! Sie ist schön und edel und tausendmal klüger als Du , — aber der Satan hole sie , ich könnte sie mit eigener Hand erwürgen ! “ Die leidenschaftliche Frau fühlte brennende Tränen über ihre Wangen rinnen , sie rang nach Fassung , wie ihre hochgewölbte Brust nach Atem . Immer heftiger trieb sie die Pferde an , daß der Wagen jäh hin und her geschleudert ward . Sie war herrlich anzusehen in ihrem Grimme , wie sie die starken Tiere gleich Symbolen ihrer eigenen Leidenschaften dahin stürmen ließ , sie entfesselnd und zügelnd zugleich . „ Aber ich werde ihr zeigen , wer sie ist und wer ich bin , “ murmelte sie . „ Von solch einer deutschen Tugendheldin mich insultieren lassen zu müssen ! “ Und sie gab dem Handpferde einen Hieb , daß es sich bäumte und die andern in seiner Flucht fortriß . In wenigen Minuten war das Dorf durchflogen und die nachgelaufenen Bauernköter gaben ihre kläffende Verfolgung auf und kehrten mit gesträubten Haaren knurrend nach Hause zurück . Nun senkte sich die Anhöhe , auf der das Dorf lag , steil ab . „ Gnädige Gräfin , “ sagte der Groom auf Russisch , „ sehen Sie dort ! “ Er zeigte nach einer Warnungstafel mit einem gemalten Hemmschuh . Doch es war zu spät , die Gräfin konnte die Hemmschrauben nicht mehr fassen , sie bedurfte ihrer beiden Hände , denn schwer lagen die herabjagenden Tiere in den Zügeln , denen bereits der rollende Wagen auf das Kreuz drückte . „ Wir kommen schon hinunter , “ rief sie , die vier schönen Pferdeköpfe straff zusammenhaltend . Da gewahrte sie , als die Straße eine Biegung machte , auf dem nahen Fußpfade eine bekannte Gestalt . Ein flammendes Rot ergoß sich über ihr Gesicht — es war Möllner . Jetzt sah sie nicht mehr , daß sie bergab fuhr , nicht mehr , daß die Kirche am Wege lag , in der soeben Gottesdienst gehalten wurde , wo man nach der Polizeiverordnung „ im Schritt “ fahren mußte , jetzt sah sie nur noch Johannes , den sie einholen wollte um jeden Preis . Sie lüftete den Pferden die Zügel , daß sie dahin sausten , als gelte es eine Flucht um das Leben . Da wendete Johannes den Kopf nach ihr um , er winkte ihr , doch sie verstand nicht , was er meinte . Er blieb stehen , — donnernd ging es an der Kirche vorbei , daß einige in ihrer Andacht gestörte Bauern herausliefen und ihr drohend nachschauten . Johannes winkte wieder und noch heftiger als zuvor , jetzt erst verstand sie den Wink , daß sie vor sich hin blicken solle und sie sah zu ihrem Schrecken dicht vor ihr , mitten auf der Straße , einen Knäuel spielender Kinder . Sie wollte seitwärts biegen , wollte anhalten , doch vergebens , — Pferde und Wagen , einmal auf dem steilen Wege im Schuß , waren nicht mehr zu lenken und stürmten gerade auf die dichtgedrängte kleine Schar ein — Johannes sprang in höchster Angst von dem Fußpfad über den Rain nach der Straße herüber . Die Kinder stoben erschrocken auseinander . Da erscholl ein Schrei ! Die Gräfin schaute um , kein Kind war mehr in der Nähe , wo kam der Schrei her ? Er kam unter den Rädern