Über diese Produzierung sei noch ein Wort gesagt . Man hat es eine Zeitlang mit Maschinen versucht , ist aber längst zur Handarbeit , als zu dem rascheren und einträglicheren zurückgekommen . Das Verfahren ist außerordentlich einfach . Drei Personen und drei verschiedene Instrumente sind nötig : ein Schneideeisen , ein Grabscheit und eine Gabel . Das Schneideeisen ist die Hauptsache . Es gleicht einem Grabscheit , das aber zwei rechtwinklig stehende Flügel hat , so daß man beim Eindrücken desselben drei Schnitte a tempo macht . Die Arbeiter stehen nun an einem langen , glatt und steil abfallenden Torfgraben , und zwar zwei in ihm , der Dritte auf ihm . Dieser Dritte drückt von oben her das Schneideeisen oder Torfmesser in den Grabenrand ein und schneidet dadurch ein fix und fertiges Torfstück heraus , das nur noch nach unten zu festhaftet . In demselben Augenblick , wo er das Eisen wieder hebt , um es dicht daneben in den Boden zu drücken , sticht einer der im Graben stehenden Leute mit dem Grabscheit das Stück Torf los und präsentiert es , wie ein vom Teller gelöstes Stück Kuchen , dem dritten . Dieser spießt es sofort mit einer großen Gabel auf und legt es beiseite , so daß sich binnen kurzem die bekannte Torfpyramide aufbaut . Wir schritten nun zu dem eigentlichen Faktoreigebäude zurück . Dasselbe teilt sich in zwei Hälften , in ein Bureau und eine Art Bauernwirtschaft . An der Spitze des Kontors steht ein Geschäftsführer , ein Vertrauensmann der » Torflords « , der die Wochenlöhne zu zahlen und das Kaufmännische des Betriebes zu leiten hat . Er ist nur ein Sommergast hier , ebenso wie der Arbeiter , und kehrt , wenn der Herbst kommt , für die Wintermonate nach Linum oder Fehrbellin zurück . Nicht so der Obermann , der Torfmeier , dem das Gehöft gehört . Er ist hier zu Haus , jahraus , jahrein , und nimmt seine Chancen , je nachdem sie fallen , gut oder schlecht . Der Novembersturm deckt ihm vielleicht das Dach ab , der Winter schneit ihn ein , der Frühling bringt ihm Wasser statt Blumen und macht die » Faktorei « zu einer Insel im See , aber was auch kommen mag , der Obermann trägt es in Geduld und freut sich auf den Sommer , wie sich die Kinder auf Weihnachten freuen . Dabei liebt er das Luch . Er spricht von Weizenfeldern , wie wir von Italien sprechen , und bewundert sie pflichtschuldigst als etwas Hohes und Großes , aber sein Herz hängt nur am Luch und an der weiten , grünen Ebene , auf der , wie ein Lagerplatz , den die Unterirdischen verlassen haben , der Torf in schwarzen Kegeln steht . Der Obermann hieß uns zum zweiten Male willkommen und rief jetzt seine Frau , die uns freundlich-verlegen die Hand schüttelte . Beide zeigten jene lederfarbene Magerkeit , die mir schon früher in Sumpfgegenden , namentlich auch bei den Bewohnern des Spreewaldes , aufgefallen war . Die blanke , straffe Haut sah aus , als wäre sie über das Gesicht gespannt . Die Frau ging wieder , um in der Küche nach dem Rechten zu sehen , und ließ uns Zeit , das Zimmer zu mustern , in dem wir uns befanden . Es war , wie märkische Bauernstube zu sein pflegen : zwei Silhouetten von Mann und Frau unter gemeinschaftlichem Glas und Rahmen zwei preußische Prinzen daneben und ein roter Husar darunter . Die Katze , mit krummem Rücken , strich an allen vier Tischbeinen vorbei , der flachsköpfige Sohn verbarg seine Verlegenheit hinter dem Kachelofen , und die Wanduhr , auf deren großem Zifferblatt Amor und Psyche vertraulich nebeneinander lehnten , unterbrach einzig und allein die langen Pausen der Unterhaltung . Denn der Obermann war kein Sprecher . Endlich trat die Magd ein , um den Tisch zu decken . Sie öffnete die kleinen Fenster und zugleich mit der Sonne drangen Hahnenschrei und Gegacker ins Zimmer : war doch der Hühnerhof draußen seit lange daran gewöhnt , ein dankbares Hoch auszubringen , sobald das rote Halstuch der Köchin an Tür oder Fenster sichtbar wurde . Nun kam auch der Flachskopf aus seinem Versteck hervor und stellte Stühle , während eine Flasche Wein aus unserem Reisesack die Vorbereitungen vollendete . Das Mahl selbst war ganz im Charakter des Luchs : erst Perlhuhneier , dann wilde Enten und schließlich ein Kuchen aus Heidemehl , dessen Buchweizen auf einer Sandstelle des Luches gewachsen war . Wir ließen den Obermann leben und wünschten ihm guten Torf und gute Kinder . Aber kein Glück ist vollkommen : als wir um ein Glas Wasser baten , brachte man uns ein Glas Milch ; das Luch steckt zu tief im Wasser , um Trinkwasser haben zu können . Bald nach Tisch nahmen wir Abschied und stiegen in ein bereitliegendes Boot , um nunmehr unsere Wasserreise durch das Herz des Luches hin anzutreten . Der Himmel , der bis dahin zwischen schwarz und blau gekämpft hatte , wie einer der schwankt , ob er lachen oder weinen soll , hatte sich mittlerweile völlig umdunkelt und versprach unserer Wasserfahrt einen allgemeineren und strikteren Charakter zu geben , als uns lieb sein konnte . Dennoch verbot sich ein Abwarten , und unter Hut- und Mützenschwenken ging es hinaus . Es war eine Vorspannreise , kein Ruderschlag fiel ins Wasser , keine Bootsmannskunst wurde geübt , Ruderer und Steuermann waren durch einen graukitteligen , hochstiefeligen Torfarbeiter vertreten , der ein Riemenzeug um den Leib trug und mittelst eines am Mast befestigten Strickes uns rasch und sicher die Wasserstraße hinaufzog . Gemeinhin war er links vor uns und trabte den grasbewachsenen , niedrigen Damm entlang , immer aber , wenn wir in einen nach rechts hin abzweigenden Graben einbiegen mußten , ließ er das Boot links auflaufen , sprang hinein , setzte sich als sein eigener Fährmann über und trat dann am anderen Ufer die Weiterreise an . Eine andere