aus der Blut floß . Diese Wunde speiste das umliegende Wasser mit einem trüben Rot . Dann kam eine kleine Verwirrung , ein Rudel von Bewegungen , das ich nicht zergliedern konnte , weil es zu schnell aufeinander folgte . An diesem Punkte war meine Phantasie etwas weniger exakt . Ich hatte immerhin Zeit genug , zu bemerken , daß von irgendwoher aus der Luft der Schaft eines Ruders sich löste und mit Vehemenz auf die linke Schädelseite des Mannes herabsenkte . Der Getroffene hatte einen Seufzer ausgestoßen , einen unbedeutenden melodischen Schrei , der alle Töne einer Brust umfaßte . Diesen Ton kannte ich , hihi . Es ist das Liebesflöten des Kakaduweibchens , wenn der leidenschaftliche Herr und Gebieter von ihm Besitz nimmt , wenn sein scharfer Schnabel die Geliebte am Halse , an den Augen , an der großen Schlagader kitzelt . Diesen tiefen Brunstschrei stieß der Mann aus , dann sah ich ihn ruhig im Boote sitzen . Dort saß ich selbst . Das Boot glitt über zwei Welten dahin . In der einen konnte ich nur vorwärts und nicht hinter mich sehen . Die untere Welt aber eröffnete mir ungeheure Möglichkeiten von Teilnahme . Ich war bei verschiedenen Dingen , zum Beispiel bei mir selbst , gegenwärtig , ich konnte eine ganz eigenartige reichhaltige Kontrolle über das Leben ausüben . Dort saß ich und hielt einen großen berühmten Monolog über Spiegelungen und Phantoplasmen . Inzwischen kamen die Sterne zu mir herab , sie dufteten warm und waren rot und grün und bläulich , sie bewirkten eine sanfte Harmonie , während sie flogen . Manche aber hatten einen giftigen Atem , sie stießen mich an und bissen mich ins Blut . Ich schlug sie mit der flachen Hand tot . Dann gab es einen lauten Klatsch , sie erhoben sich jedoch und verließen mich in meiner Undankbarkeit . Wenn ich munter und für Augenblicke kühler wurde , wischte ich mir die blutigen Leichen zerschmetterter Moskitos von Kinn und Händen . Ich hatte sie unglückseligerweise mitgetroffen , während ich nach bösen Sternen jagte . Das war der Zauberer Hunger . Er machte mich zur Vergrößerungslinie für Ereignisse des Lebens unbedeutender und brutaler Art. Er stürzte mich ins tiefste Elend und in die schmutzigste Schmach . Zugleich aber gaukelte er Trug vor mich hin , und als ich am tiefsten in mich und meinen Niedergang getaucht war , da riß er mich empor in die Ekstase und gab mir verzweifelte Kräfte . Eine große , schwarze Sammethummel brummte , und da war es wieder wie vor Jahren , als ich ein Bub war und lag daheim zwischen hohen Gräsern in der Wiese . Das Hummelchen in dem schönen , schwarzen Pelze mit den goldenen Tressen brachte seinen kleinen , kräftigen Körper vor einer Blüte zum Stillstand und summte eine Honigweise . Der Bub lauschte ; es war wie die Stimme einer alten Frau hinterm Walde . Da wußte er , daß er allein sei und ein zärtliches Gefühl zog ihm über den Magen herauf Alle die Heimlichkeiten seines Körpers kamen da über ihn , seine Intelligenz wurde scharf und findig , und er erkannte , wer er war . Er erkannte sich als einen Körper . Wenn man die vielen seltsamen Dinge , die man an seinem Körper erlebt , erzählen könnte , welches Märchen , welche wunderbare , unglaubliche Geschichte würde das werden , welches wichtige Werk für die Menschheit ! Gibt es Abenteuer ? Alle Abenteuer sind nur Abenteuer der Nerven . Hier lag ich unter dem glühenden Himmel , dessen ich mich damals in meinen Träumereien gleichsam entsonnen hatte . Nun war da wirklich jenes Blühen und Gedeihen , das mir der heimische Wald nur ahnungsvoll versprochen hatte . Ein summendes Insekt , ein mystischer Mechanismus , wie eine kleine fellige Hand , die durch die Luft fliegen und Blüten ergreifen konnte , hatte die Stimmung der Hummel wieder . Hier war das Original knabenhafter Wollust der Ahnung . Und nun kamen alle die himmlischen Gefühle wieder und rumorten in meinen Eingeweiden . O , mein nüchterner Magen war schwer von Liebe ! Ich war mager wie ein Asket , aber meine Nerven waren so fein , daß ich an der Art , wie das Leinen meines Anzuges sich an ihnen scheuerte , mich über meine dünnen Sehnen unterrichten konnte , die gute Kraft beherbergten . Ich war biegsam wie ein Fakir und ekstatisch wie nur ein Hungernder . In diesem Zustande hatte ich dann mit mir und meinen Nerven ein Abenteuer , das mir bis heute nicht genügend aufgeklärt erscheint , um Schlüsse für die Wirklichkeit daran zu knüpfen . Mir ist , als hätte ich Zana doch bekommen . Ich fühle mich frei und bereue nichts . Ich habe nicht die Empfindung , als wäre diese Reise in irgendeiner Art ein Minderwertigkeitsbeweis für mich geworden . Wäre ich unbefriedigt , so dürfte ich daraus wohl schließen , daß ich Zana niemals bekam . Ich fühle mich aber wohl , und es geht mir gut . Ich möchte es hier gleichwohl nicht als Tatsache hinschreiben , daß ich Zana bekam . Denn ich weiß über diese letzten Ereignisse so wenig , wie über die wichtigsten äußeren Ereignisse während dieser Fahrt überhaupt . Sie sind für mich in einen undurchdringlichen Schleier gehüllt , den ich noch heute oft genug zu lüften mich bemühe . Aber ich habe nichts behalten als die Erinnerung an Gedanken und unerklärliche Vorgänge , die mich seelisch beeinflußten . Man muß in Rechnung ziehen , daß ich wahrscheinlich von allem Anfange an bereits unter dem Fieber litt , ohne es in bestimmender Weise zu merken . Ich erzähle , was ich erfuhr und dachte . Die einzelnen Vorgänge durch ein sachliches und detektivartiges Schließen zu verbinden , liegt nicht in meinem Interesse . Ich kann und darf nicht die letzten Konsequenzen aus den Vorgängen ziehen , so wie sie sich mir eingeprägt haben . Ich gelangte sonst zu Ergebnissen , die