man desgleichen . Sie nahm den Becher und erhub ihre Stimme : » Heil der Burg und denen , die sie bauen ! Heil dem Reiche , das wir gründen ! Heil dem Herrn der Berge , unserm König ! « - » Vivat unser König ! « erscholl es unter Hüteschwenken . » Heiloh ! Hoch , hoch ! « Nun trat Berthulde mir entgegen , blickte in mein Auge und tat den Becher an ihre Lippen . Wie sie ihn kredenzt hatte , und ich ihn leerte , rief ein Soldat : » Vivat auch die Königin ! « Und aber schrie man : » Vivat ! « Berthulde warf mir einen Blick voll zärtlichen Feuers zu und schlug die Augen nieder , ihr Busen wogte . Mich indessen überkam Verwirrung , mir war , als solle ich in ihre Arme geführt werden , und widerstrebte doch . Zwar nicht immer hatte ich so widerstrebt ; ich dachte an den Kuß , den ich ihr vor wenigen Tagen gegeben ; hatte der ihr den Kopf verdreht ? Ich schämte mich und beschloß , ohne Verzug die rechte Antwort zu geben auf Berthuldens stummes Bekenntnis , nämlich offen zu verkünden , daß ich meine Eheliebste wiedergefunden . Auf dem Baumstumpf , von wo Berthulde geredet hatte , stund ich , von frohlockenden Menschen umringt , und sprach , die Arme erhoben in Heller Freude : » Vivat auch die Königin ! So hat einer gerufen , und das ist ein Prophet . Erfüllt hat sich sein Spruch ; eure Königin ist da ; die ich verloren glaubte , lebt . Hier ist ein Brief , von ihrer Hand geschrieben , und dorten schmauset der Mann , so vor wenig Tagen sie gesehen hat . Meine liebe Frau ist es , meine Thekla ... « Ich sah , wie Berthulde erblich . Leid tat sie mir . Doch wie unter den verfinsterten Hexenbrauen ein dräuender Blick herfürschoß , zuckte ich die Achsel und sprach weiter , ohne nach ihr zu sehen : » Thekla ist eine Tochter des Grafen Schlick , jenes böhmischen Helden , den die Jesuiter aufs Blutgerüst gebracht haben . Nachdem ich mit ihr aus Böheim gen Magdeburg geflohen , ward sie die Meine in jenen Schreckensstunden , die meine Vaterstadt in Blut und Asche legten . Am zweiten Tage drauf ward mir mein Weib entrissen , und wie ich auch seitdem geforscht , ganz ausgelöscht blieb jede Spur , bis nun auf einmal der Brief .... der Brief .... « Und wie ich ihn ob meinem Haupte schwenkte , schrien die Leute : » Hoch ! « Um zu danken , erhub ich aufs neue die Stimme : » Ihr sollet meine Freude teilen . Morgen reise ich , mir unsre Königin zu holen , und in wenigen Tagen führ ich sie heim . Sintemalen nun nächste Woche Johannis , der Sonne längster Tag , an dem sie triumphieret , so wollen wir alsdann ein ganz groß Festin feiern ; unserm Lichtreich soll es gelten und zugleich unsrer Königin , meinem trauten Weibe . Zum Hochzeitsmahl , zu Spiel und Tanz seid alle geladen . Des Lichtreiches Sonne sei meine Liebste ! « - » Vivat ! Heil dem Goldmacher ! Heil dem Herrn der Berge und seiner Königin ! « Und in der Jauchzenden Arme sank ich , man riß sich um mich mit Lachen , indessen Pfeife und Fiedel gellten . Wie trunken traf ich nun meine Anordnungen . Eine Handvoll Gold gab ich dem Boten und verhieß ihm eine zweite , so er mein Führer nach Altenhof sein wolle . » Auf , Segebodo ! « sprach ich , » laß die Pferde holen , die Maiwald bei der Kirche hat . Wir beide reisen , wenn der Tag graut und nehmen funf gute Reitersleute mit . « Noch eine Weile blieb ich beim Feste . Saß beim Oheim und der alten Beate . Meine Hände hatte ich diesen Getreuen dargereicht , und stumm vor Glück streichelten sie die Hände , wie man einem Kindlein schön tut . Dann trieb es mich vom Getümmel hinweg ; ich sehnte mich nach der Abendburg , nach meiner stillen Klause und dem Gott im Herzen , von dem der Friede kommt . Wie ich einsam mit meinen Hunden heimwärts schritt , war die Nacht hereingebrochen . Doch der ziemlich volle Mond lugte über die Waldberge und streute bläulich Licht auf den Felsenpfad und das Beerenkraut . Der Nadelzweige sachtes Sausen war meinem Herzen frommer Jubelsang , des Mondes Strahlen klangen dazu als heimliche Harfensaiten . Da schlugen die Hunde an , und hinter einem Felsen , wo es zur Linken steil hinuntergeht , trat herfür eine schimmernde Gestalt . Berthulde war ' s im weißen Gewand , und nahe gekommen , sah ich unter dem Fichtenkranz vom Monde beglänzt ein höchst trauervoll Angesicht . Unter den niedergeschlagenen Augen hingen Zähren , die sonst schwellenden Lippen waren zusammengepreßt , matt neigte sich das Haupt , schlaff hingen die Arme . » Was ist mit dir , Berthulde ? « sprach ich bestürzt . Da kam ein Wimmern : » Mir ist so weh ! « Erbarmen trieb mich zu ihr , ich legte die Hand an ihre Schläfe : » Still , mein Kind , gräme dich nicht ! « Sie lehnte die Wange mir an die Brust und weinte leis . Ich enthielt mich nicht , ihr Haupt zu streicheln : » So sprich dich aus . Warum denn ist dir wehe ? Hab ich dich gekränkt ? « Da hing sie schluchzend an meinem Halse , ich fühlte die weichen geschmeidigen Mädchenglieder in meinem Arm , sie zitterte , durchschauert von der Minne Feuer . Oder zitterte sie vor Sorge , ich könne verschmähen , was schmachtend sich mir bot ? Ich spürte wohl , wie Zärtlichkeit mich lockte , doch warnend erhub sich eine Stimme in meines Herzens Kammer : » Was willst du