versprach mir in liebenswürdigster Weise , gleich neben der seinigen auch für mich eine bauen zu lassen und sie mir zu schenken . Hierauf trennten wir uns , und ich ging mit Schakara und Kara Ben Halef heim . Der Letztere hatte seinen täglichen Uebungsritt zu machen , und die Erstere bat ich , von jetzt an ein Auge auf Pekala zu haben und sie zu verhindern , etwa nach den Ruinen zu gehen . Oben angekommen , besuchte ich meinen Halef und seine Hanneh . Sie hatten sich da oben auf dem ebenen Dache der Halle vortrefflich eingerichtet und freuten sich über diese meine erste Visite hier in ihrem » Duar « , wie sie es nannten . Ich sage » sie « , denn Halef schlief nicht , sondern war wach . Als ich mich zu ihm gesetzt hatte und ihm zärtlich über die abgemagerten Hände strich , sagte er : » Mein lieber , lieber Sihdi ! Ich habe gehört , daß jetzt du der Herr des hohen Hauses bist . Wie kannst du das Alles nur versorgen , ohne daß ich imstande bin , dir mit zu helfen ! « Seine Stimme klang verhältnismäßig kräftig ; sein Atem versagte nicht mehr , und seine Augen hatten wieder Leben . » Sorge dich nicht ! « antwortete ich . » Ich brauche keine Hilfe . « » Aber du bist ja selbst noch krank und schwach ! « » Krank nicht mehr , sondern gesund , vollständig gesund . Und was die Schwäche betrifft , so fühle ich , daß sie mit jeder Stunde geringer wird . Ich erhole mich mit einer Schnelligkeit , die zum Erstaunen ist , und hoffe , daß dies nun auch bei dir der Fall sein werde . « Als ich hierauf von der Pferdeschau erzählte , war es , als ob das zugleich heilende Medizin und stärkende Nahrung sei . Und das wirkte augenblicklich . Seine Wangen bekamen Farbe und seine Züge fast lebhafte Beweglichkeit . Das Wettrennen war der Punkt , an welchem für ihn die Spannkraft neu geboren zu werden schien . Darum blieb ich mit ihm bei diesem Gegenstande , bis er ermüdete und schließlich die Augen schloß , um mitten im Gespräche einzuschlafen . Inzwischen war es Mittag geworden , und ich aß mit Hanneh und Schakara in der Halle . Dann , als ich hinauf in meine Wohnung kam und das Tal überschaute , sah ich zahlreiche Reiter ihre Pferde auf der Rennbahn tummeln , was von jetzt an jeden Tag und zwar von früh bis abends geschah . Ich blieb den ganzen Nachmittag oben , auch zum Abendessen , welches ich mir heraufbringen ließ . Kara wußte Bescheid . Ich hatte ihm denselben während unserer Heimkehr von der Pferdeschau erteilt . Er stand , als alle Andern , Schakara ausgenommen , schliefen , mit neuen Fackeln unten im Hofe bereit . Wir gingen erst hinab nach dem Landeplatze , um die Fackeln in das Boot zu legen . Es war der zweite Tag des neuen Mondes , die Sichel am Himmel schon breiter und heller als gestern . Sie leuchtete uns . Nun benutzten wir den schon früh erwähnten , breiten Steinbruchweg , von welchem aus die hier ebene Fläche bis zu dem Quaderturm hinüberführte . Da dieser eingestürzt war und also oben offenstand , war es auch in ihm mondeshell . Für den Nebenbau , durch welchen wir mußten , hatte Kara ein Talglicht mitgenommen , welches angebrannt wurde . Der » Aschyk « lag noch genau so , wie wir ihn verlassen hatten . Es war ihm unmöglich gewesen , sich zu bewegen . Man sollte denken , daß diese Qual , verzehnfacht durch den Schmerz , den die scharfen Fesseln verursachten , ihn veranlaßt hätte , sich gefügig zu zeigen . Das war aber keinesweges der Fall . Am Morgen hatte er seine Zuflucht schließlich doch zur Bitte genommen ; nun aber schien er sich das wieder anders überlegt zu haben . Er empfing uns mit Vorwürfen , sprach von seiner » Botschaft des Friedens « , nannte sich wiederholt den » Auserwählten « , den » Missionar « , ohne dessen Hilfe wir verloren seien , und erdreistete sich endlich gar , zu sagen , daß er uns verzeihen und bei dem Schah-in-Schah für uns bitten wolle , wenn wir unsere Fehler einsehen und sofort verbessern würden . Ich machte durch dieses blöde , prahlerische Geschwätz einen Strich , indem ich ihn summarisch fragte : » Kennst du den Scheik ul Islam persönlich ? « » Nein , nein , nein ! « behauptete er zornig . » Hast nichts , gar nichts mit ihm zu tun ? « » Nichts , nichts und dreimal nichts ! « » Bist nicht in seinem Auftrag hier bei uns ? « » Nein , nein und tausendmal nein ! « » Gut ! Jetzt bin ich überzeugt ; aber wovon , das wirst du sehen . Wir geben dir jetzt die Füße frei , doch weiter nichts . Du hast mit uns zu gehen , gehorsam , still , wenn du den Tod vermeiden willst . Wir wissen mit entsprungenen Verbrechern umzugehen und kehren uns nicht daran , daß sie im Schutz des Scheik ul Islam stehen ! Merkst du etwas ? ! « Da sagte er nichts mehr ! Kara nahm ihm die Riemen von den Beinen und ließ ihn aufstehen . Er wankte infolge der Blutstockung so , daß er gehalten werden mußte . Doch als wir ihn erst einmal draußen im Freien hatten , bekam er nach und nach immer festern Schritt . So kamen wir den Berg hinab und an die Landestelle . Als er aufgefordert wurde , in den Kahn zu steigen , weigerte er sich und begann , wieder laut zu werden . Da warf ihn Kara einfach nieder , zwang ihm ein Stück mitgebrachtes Zeug als Knebel in den Mund , fesselte ihm die Beine wieder