dem entblößten Busen . Er zog sich unwillkürlich vor dem zurück , was er angerichtet hatte . Ihm ward schwül ; die Beine versagten ihm plötzlich den Dienst . Er schlug auf das Bett hin . In wenigen Minuten schnarchte er , die Glieder weit von sich streckend . Nach einer Weile fing Therese an , sich zu regen . Sie öffnete die Augen , bewegte die Arme , richtete sich mühsam auf . Nach dem Kopfe tastend , entdeckte sie das Blut . Sie wischte es ab , so gut sie konnte . Dann erhob sie sich ganz , befühlte ihre Gliedmaßen . Sie konnte noch stehen und gehen , wenn auch mit argen Schmerzen . Nebenan heulten die Kinder . Therese öffnete die Tür zur Hälfte und rief ihnen zu : Sie sollten stille sein , gleich würde sie kommen . Dann fiel ihr Blick auf den schlafenden Karl . Der Kopf war ihm über die Bettlehne gesunken . Sein Gesicht war bereits blaurot . Er röchelte . Sie betrachtete ihn einen Augenblick , dann griff sie unwillkürlich zu , um ihn aus der gefährlichen Lage zu befreien . Sie hob seinen schweren Kopf und schob ihm ein Kissen unter . Nicht gerade mit zarter Hand , aber doch in sorgender Frauenweise tat sie das . Dann untersuchte sie ihren Leib und ihre Kleidung . Beschunden war sie und zerfetzt , ein ganzes Büschel Haare hatte er ihr ausgerauft , aber totgeschlagen hatte er sie doch nicht . Und das Geld hatte er auch nicht und sollte es auch nicht bekommen ; nun erst recht nicht ! Ein Lächeln des Triumphes flog über das Gesicht des tapferen Weibes . VII. Die Herbstarbeiten hatten für die Sachsengänger angefangen : Kartoffelhacken und Rübenroden . Der Oktober war feucht gewesen . Der schwere Boden hatte sich vollgesogen mit Nässe , die Ackerscholle war zäh und klebrig . Rübenroden ist schwere Arbeit . Sie hatten sich dazu in Gruppen geteilt . Ein Mann ging an der Spitze , um die Erde mit dem Spaten zu lockern . Das ihm zunächst folgende Mädchen zog mit jeder Hand eine Rübe und klopfte sie gegeneinander , bis sie von Erde befreit waren . Die nachfolgenden Mädchen schlugen dann den Rüben mit dem Hackmesser die Blätter ab . Diese Arbeit mußte äußerst sauber geliefert werden . Der Inspektor kam häufig und kontrollierte . Gustav hatte seine liebe Not mit den Mädchen , die oft genug Erdreste an den Runkeln sitzen ließen und zu viel oder auch zu wenig von dem grünen Kopfe der Rübe abschlugen . Im Hintergründe drohte die Fabrik , die nur allzu schnell mit der Klage über mangelhafte Lieferung da war . Der Besitzer machte dann dem Inspektor Vorwürfe , der nahm den Aufseher vor , der Aufseher schließlich schalt die Arbeiter . Und so kam das Ungewitter im Instanzenwege endlich bis zu den armen Runkelmädchen , über deren Häuptern es sich grollend entlud . Abends kehrte man todmüde von der anstrengenden Arbeit in die Kasernen zurück , durchnäßt , mit beschmutzten Kleidern . An den Stiefeln und Röcken klebte das Erdreich . Selbst die ordentlichsten Mädchen konnten jetzt nicht mehr reinlich zur Arbeit antreten . Es hatte sich der geplagten Menschenkinder eine große Sehnsucht nach der Heimat bemächtigt . Man setzte dem Aufseher zu , daß er um baldige Entlassung aus dem Dienst einkommen solle . Im Kontrakte war ein Termin nicht genannt ; es stand darin nur , daß die Wanderarbeiter bis zur Beendigung der Rübenernte zu bleiben hätten . Die Ausbeute war in diesem Jahre reichlich gewesen : die Köpfe groß und schwer ; die Pflanzen hatten nur wenig durch Auswachsen und Faulwerden gelitten . Das Gut mußte laut Kontrakt ein bestimmtes Quantum Rüben an die Fabrik liefern . Diese Bedingung , war erfüllt . Der Rest der Rübenernte sollte eingemietet werden . Hierzu waren die Weiber nicht nötig ; das Bewerfen der Rübenmieten mit Erde besorgten besser starke Männerhände . Der Inspektor erklärte auf Gustavs Ansuchen , sie zu entlassen : Herr Hallstädt gestatte den Mädchen heimzukehren , die Männer jedoch müßten bleiben , bis die letzte Rübe eingemietet sei . Gleichzeitig wurde von seiten der Gutsverwaltung der Versuch gemacht , Gustav mit seinen Leuten für den nächsten Sommer anzuwerben . Der Inspektor ließ sich zu leutseligem Wesen herab , als er mit diesem Ansinnen kam . Statt des hochfahrenden Vorgesetztentones , den er bisher den Wanderarbeitern gegenüber gehabt , schlug er auf einmal mildere Weisen an , suchte sich dem Aufseher gegenüber als Kamerad aufzuspielen . Aber bei Gustav verfingen diese Künste nicht . Er hatte das zweideutige Verhalten des Mannes , der sich jetzt als Arbeiterfreund gab , von der Ausstandszeit her noch zu gut im Gedächtnis ; auch wünschte er sich keinen zweiten Sommer wie diesen . Er lehnte daher das Anerbieten rundweg ab . So reisten denn die Mädchen in ihre Heimat zurück . Gustav ließ seine Frau und den Jungen mit ihnen fahren . Pauline hatte sich in der letzten Zeit todunglücklich gefühlt . Die Häuslichkeit fehlte ihrem Ordnung und Ruhe bedürftigen Sinn . Sie sehnte sich nach der Mutter und ihrem kleinen Häuschen in Halbenau zurück . Manche Träne hatte sie heimlich verschluckt , um Gustav nicht durch ihr Leid noch trüber zu stimmen . Ernestine war leichten Herzens . Unter allen Mädchen hatte sie am meisten zurückgelegt vom Verdienst . Was sie mit Häschke verabredet habe , erfuhr niemand ; aber es war anzunehmen , daß sie einig seien . Er hatte ihr seine Ersparnisse übergeben als eine Art von Unterpfand , daß er sie nicht sitzen lassen werde . Man munkelte , er wolle zunächst in seine Heimat zurückkehren , um sich dort nach festem Erwerb umzusehen , dann würde er Ernestinen nachholen und Hochzeit mit ihr machen . Das andere Liebespaar machte es ähnlich . Fumfack wollte nach beendeter Rübenarbeit wieder zu seinem Schmiedegewerbe zurückkehren . Mit dem von ihm und seiner Braut verdienten Gelde hatte er vor , sich