! « Halb erschrocken , halb gierig starrte Lieserl das funkelnde Kleinod an . Und als ihr Willy den Rubin in die Hand drückte , schloß sie über dem Stein die Finger zu einer Faust und guckte zweifelnd zu Willy auf , als könnte sie noch immer nicht an die Wahrheit dieses Geschenkes glauben . » Na also ? Bekomm ich keinen Dank ? Der Stein ist mehr wert , als dein Vater in einem ganzen Jahr verdient . « Mit dem Rubin in der krampfhaft geschlossenen Faust warf Lieserl die Arme um Willys Hals und küßte ihn , daß ihm der Atem verging . Linde Klänge gaukelten durch den Wald - im Dorfe läutete man den Abendsegen . » Mar ' und Joseph ! « stotterte das Mädel . » Betläuten ! Jetzt hab ich mich schön versäumt ! « Sie streifte Willy mit einem Funkelblick ihrer schwarzen Augen , und die Faust mit dem Rubin in die Tasche ihres Röckleins grabend , raffte sie mit der anderen Hand die Blechkanne von der Erde und wollte Reißaus nehmen . Willy haschte die Fliehende , riß sie wie ein Berauschter an seine Brust , bedeckte ihr Gesicht mit Küssen und flüsterte : » Ich komm an dein Fenster ! « Mit Wangen so rot wie blühender Mohn duckte Lieserl das Gesicht . » Aber ! Warten S ' , Sie Schlimmer Sie ! « Kichernd wand sie sich aus seinen Armen und huschte davon . Mit dem Hochgefühl eines Siegers nach heißer Entscheidungsschlacht sah Willy dem Mädel nach . Doch als das flatternde Röckl hinter den Buchenstauden verschwand , schien ein Gefühl in ihm zu erwachen , das mit einem moralischen Katzenjammer eine unleugbare Ähnlichkeit besaß . » Natürlich , « murrte er vor sich hin und schob die Mütze in den Nacken , » da wäre mein heißer Schimmel glücklich wieder mit meinen guten Vorsätzen durchgegangen ! « Eine Weile überlegte er . » Na also ! Den letzten Unsinn noch , und dann Schluß ! « Wie sehr sich auf dem Wege bis zum Seehof seine Stimmung noch zum Besseren wandelte , verriet das Wort , mit dem er auf der laut belebten Terrasse die Kellnerin begrüßte : » Flink , Mädel ! Eine Flasche Monopol ins Eis ! Dann reden wir weiter ! « In rosiger Laune nahm er das ausgiebige Souper - Seelachs , Paprikahuhn und Omelette mit Pilzen - , steckte die Zigarre in Brand und vertiefte sich in die Sektpulle . Träumend blies er die Rauchringe vor sich hin , schmachtete die funkelnden Sterne an oder blickte unter lyrischen Regungen auf den stillen See hinaus . In immer kürzeren Zwischenräumen leerte er den schlanken Kelch , füllte ihn wieder und stieß die Flasche zurück in den rasselnden Eiskübel . Dieses Geräusch weckte die Aufmerksamkeit der Gäste , und wenn sie nach dem stillvergnügten Zecher blickten , redete das Wohlgefallen aus ihren Augen . Die schmucke , schlanke Jünglingsgestalt in der knappen Uniform , das hübsche , liebenswürdige , von Wein und Träumen erwärmte Gesicht , diese lächelnde Verlorenheit und dieses glückselige , um keine Umgebung sich bekümmernde Behagen - das sah sich an wie ein Urbild gesunder und froher Lebenskraft , die sich sorglos einem Stündlein irdischen Genusses ergibt und ein leuchtendes Luftschloß in die Wolken baut . » Glückliche Jugend ! « flüsterte ein bejahrter Herr , der den Heimweg antrat und trotz des lauen Abends den Überrock bis zum Hals zuknöpfte . Die Terrasse leerte sich immer mehr ; immer stiller und träumerischer wurde die schöne Nacht . In der Schifferschwemme waren die Klänge der Ziehharmonika verstummt . Als vorletzter Gast verließ der alte Mooshofer das Wirtshaus . Er hatte schwer geladen . So breit die Straße war , sie wäre ihm fast zu schmal geworden . Häufig geriet er bis an den Rand der Schlucht , in deren Tiefe der Seebach rauschte ; doch es erwies sich an ihm die Wahrheit des Sprichwortes , daß Kinder und Betrunkene einen starken Schutzengel haben ; oft galt es nur einen letzten Schritt , und der Mooshofer wäre nie wieder aus seinem Rausch erwacht ; aber immer im rechten Augenblick schwankte das Gesicht seines taumelnden Körpers wieder einwärts gegen die Straße . Vor Meister Zauners Garten tat er einen Plumps in den ungefährlichen Straßengraben , richtete sich brummend auf und torkelte weiter . An dem einsamen Haus waren zwei Fenster noch erleuchtet : in Lieserls Kämmerchen brannte eine Kerze vor dem Spiegel und in der ebenerdigen Wohnstube die Hängelampe über dem Tisch . Hier saß die Zaunerin auf der Ofenbank , während der Meister beim Fenster stand , mit den Fäusten hinter dem Rücken . Den roten Gesichtern der beiden war es anzumerken , daß sie einen heißen Kampf miteinander ausgefochten hatten . Nun schwiegen sie . Der Waffenstillstand währte nicht lange . Energisch wandte sich der Meister zu seinem Weib und drohte mit dem Finger . » Von heut an steck ich andere Kerzen auf . Und wenn ich dahinterkomm , daß du als Mutter dei ' Pflicht und Schuldigkeit net tust - da kracht ' s aber ordentlich ! « » Jetzt laß mir endlich mei ' Ruh ! So an Spitakl machen ! Wegen nix und wieder nix ! « » So ? Meinst , ich kenn unser Lieserl net ? Den ganzen Abend hab ich ' s gmerkt , daß mit dem Madl was los is . Sie hat was im Sinn . Und nix Guts net ! Aber ich tu mei ' Pflicht als Vater , ich halt meine Augen offen . « » Meintwegen ! « murrte die Zaunerin , trat auf den Tisch zu und blies die Lampe aus ; ein Gewaltstreich , der den Meister Zauner sprachlos machte . Auf einem Umweg tastete sich die Zaunerin in den Flur und stieg über die finstere Treppe hinauf . Sie wollte noch zu einem kleinen Plausch in die Kammer ihrer Tochter treten . Die Tür war von innen