hatte aufgehört . » Was soll sie denn davon denken ? Sie wird gekränkt sein . Und einmal mehr oder weniger macht doch keinen Unterschied . Und heut ' hat sie mir ja versprochen , das Trauerspiel von Schiller zu erzählen , wo eine Königin die andere köpft . Das liest sie am liebsten , sagt sie , ich glaub ' s. Malke heißt sie , eine Königin ist sie , eine Regina , wie die Christen sagen .... O , wie schön sie ist , o , wie schön ! « Die Tür wurde aufgerissen , Dovidl stürzte herein . » Die Eingab ' - bist du fertig ? Noch nicht ? Ich fahr ' aus der Haut . Was hast du in den zwei Stunden getan ? « Er riß das gefaltete Blatt vom Tische . » Was ! ... Was ? « Seine Augen wurden immer größer . » Regina - hahaha ! Nach Lemberg - morgen , heute , in diesem Augenblick . Eine Zwangsjacke und nach Lemberg ! « Schreckensbleich starrte Sender auf seine neue Missetat . Wahrhaftig , da stand der Name in so schönen lateinischen Buchstaben , wie er sie irgend leisten konnte . » Verzeiht ... « stammelte er , » ich - ich hab ' nur die Feder probieren wollen . « » Probieren ! « lachte Dovidl krampfhaft . » Seit zwei Stunden hat er die Feder probieren wollen und nichts ist ihm dabei eingefallen , als wie Malke auf christlich heißt .... Hahaha ! Aber was lach ' ich noch .... Blutige Tränen sollt ' ich weinen . Das ist die Arbeit für sechs Gulden monatlich ! Du machst mich arm , du reißt mir den Kaftan vom Leibe , die Hosen reißt du mir von den Beinen , die Unterhosen ... « Der erregte Mann hätte sein Elend wohl bis auf die Haut enthüllt , wenn nicht seine Frau in diesem Moment die Tür der » Prifat-Agentschaft « geöffnet und ihm mit den Augen gewinkt hätte . » Wer ist denn da ? « rief er , stürzte aber , als sie ihn bedeutungsvoll anblickte , eilig hinaus . Sender machte sich wieder an die Arbeit . Er nahm seine ganze Kraft zusammen und der Teil , den er bis zur Mittagsstunde fertig brachte , enthielt keine Fehler . Dann lief er eilig zum Essen heim , er wollte raschestens zurück sein , sein Gewissen drückte ihn . Er mußte allein essen . Frau Rosel war nicht daheim . Sie war es gewesen , um derentwillen Dovidl abberufen worden . Rabbi Manasse hatte sie zu sich entbieten lassen und ihr ein gestern an ihn gelangtes Schreiben des Rabbi von Marmaros-Szigeth in Oberungarn vorgelesen . Sein Amtsbruder teilte ihm mit , Froim Kurländer lebe seit einigen Monaten dort . Da er als morscher und verlotterter Mensch der Gemeinde zur Last falle , habe diese mit großem Vergnügen zur Kenntnis genommen , daß jemand nach ihm suche , und dies dem Bettler mitgeteilt . Froim sei auch gern bereit , nach Barnow zu kommen , jedoch nur gegen Erhalt der Reisekosten . Ob die Barnower Gemeinde sie senden wolle ? Wo nicht , so wollte die Szigether den alten Lumpen jedenfalls los sein und ihn gleich nach den Feiertagen entfernen , aber ob er dann nach Barnow komme , könnte sie nicht verbürgen . » Er lebt also wirklich « , schloß Frau Rosel ihren Bericht an den Winkelschreiber verzweiflungsvoll , » und kommt her , obwohl unsere Gemeinde ihm natürlich kein Geld schickt . Aber wenn die Szigether ihn fortjagen , bettelt er sich doch wohl nach Barnow durch , da er ja hier gesucht wird . Rabbi Manasse sagt , er muß Luiser den Brief geben . « » Dem Schurken ! « rief Dovidl wütend . » Seht Ihr nun ein , welcher Stümper er ist ? « Sie blickte ihn befremdet an . » Ich denke « , erwiderte sie , » diesmal hat er seine Sache nur allzu gut gemacht . « » Ein Stümper « , wiederholte Dovidl nur umso heftiger . » Er wird den Brief beim Bezirksamt einreichen und den Antrag stellen , dem Froim Eure Klage durch das Szigether Amt zuzustellen . Natürlich ist es nun mit der Todeserklärung nichts , und wir haben einen Prozeß , der jahrelang dauert und weiß Gott wie endet . Aber deshalb ist er doch nur ein elender Stümper . Warum ? Weil er sich auf den Zufall verläßt ! Wenn dieser Froim nicht zufällig noch leben würde , wie stünde Luiser jetzt da ? Ein Prifat-Advokat , der sich auf den Zufall verläßt - hahaha ! Ich tu ' das nie . « Aber das war kein genügender Trost für Frau Rosel , und auch ihre größte Sorge vermochte er nicht zu beseitigen . » Er wird nicht herkommen ! « rief er . » Ganz gewiß nicht ! Oder doch wahrscheinlich nicht ! Oder es ist doch wenigstens möglich , daß er nicht kommt . Übrigens , wenn er kommt , - ich hab ' s Euch ja immer gesagt , daß er kommen wird ! Nicht ? Da irrt Ihr Euch ! Ich hab ' s gesagt , oder ich hab ' s doch wenigstens immer geglaubt - also , wenn er kommt , so ist ' s für uns umso besser . Dann will er entweder nicht zu Euch ziehen , und Ihr werdet geschieden , oder er will , dann ist alles in Ordnung , in schönster Ordnung . Und ich hoff ' , Frau Rosel , daß wir das erreichen . Er ist ja ein alter Bettler , warum sollt ' er sich nicht von Euch versorgen lassen ? « » Aber das wär ' ja mein größtes Unglück « , schrie sie entsetzt auf . » Und was soll ich dann meinem Sender sagen ? « » Verzeiht « , sagte Dovidl , » das gehört nicht mehr