um gleich eines der schweren Bretter zu heben , welche , lose nebeneinander gelegt , den Boden des Stadels bildeten . Er glaubte jemand reden zu hören , und nun dachte er mit Schrecken an seine Vorsichtslosigkeit beim Hereingehen . Es war nichts Gewisses zu erhorchen , denn der Sturm , obwohl er jetzt bedeutend nachgelassen hatte , pfiff , brummte und klapperte noch überall . Aber das nun - was war das ? Sturmläuten in der Pfarrkirche ! Der Krämer fuhr zuerst erschrocken auf , dann aber zog etwas wie ein Lächeln über sein Gesicht . » Gott , nun bin ich sicher da , gewiß ganz sicher . Jetzt haben sie zu tun ohne mich . Wie doch alles auch wieder zu etwas gut ist ! Es soll nur brennen meinetwegen , wenn nur - « Er eilte vor den Stadel , um zu sehen , wo Feuer ausgebrochen sei . Aber er sah nichts und hörte , da es wieder windstill geworden war , die Glocke ganz regelmäßig anschlagen , während die Wellen des Sturmes nur einzelne Klänge da hereingetragen hatten . Ha , nur Feierabend läutete es , zur Ruhe und zum Gebet . Alle konnten daheim bleiben und sich wohl sein lassen , nur er nicht . Und da kamen auch noch zwei schnellen Schrittes die Gasse herauf ? ! Der eine just so groß wie der Grenzjäger - und auch der lange Rock und die Bewaffnung ? ! Herrgott ! Und der andere redete und war wie der ganze , leibhaftige Hansjörg . Oh , jetzt hätte es brennen sollen , fürchterlich , daß alles zu tun gehabt hätte . Fliehen ? Ein Alter zwei Jungen entrinnen ? Unmöglich ! Und zudem hatte er sich vorhin schon mit der Laterne verraten . Die beiden kamen näher , näher - Brennen mußte es , oder er war verloren , gefangen neben den Beweisen wie ein Dieb ! Und dann das Lächeln Hansjörgs - und Dorotheens , wenn gar auch aus Zusels Heirat nichts mehr werden sollte . Das konnte man um keinen Preis erleben ! Wäre der Krämer noch wenige Sekunden auf seinem Platze geblieben , so hätte er die beiden hinter dem stattlichen Hause seines Töchtermannes wieder verschwinden sehen . Aber es litt ihn nicht mehr auf seinem Platze . Schon in der nächsten Minute mußten sie im Stadel sein , daran hätte er seine Seligkeit setzen dürfen . Nun , sie sollten schon Arbeit bekommen , daß er auf eine Weile vergessen wurde . Als ob es das Leben gelte , sprang er in den Stadel zurück , riß das Licht aus der Laterne , zündete mit zitternder Hand in einen Haufen Hobelspäne , und schon im nächsten Augenblick wälzte sich die Flamme , größer und größer werdend , über den Boden hin gegen die ordentlich aufgebeigten Heuwagen , deren Schatten jetzt der Krämer mit furchtbarer Schnelle kleiner und kleiner werden sah . Schon knisterte und prasselte es , daß nichts mehr zu hören war vom Tosen des Sturmes , der jetzt das Tor aufwarf und die schon überall emporleckenden Flammen gegen den Holzvorrat hintrieb , welcher in der dem Hause zugekehrten Ecke des Stadels aufgehäuft war . Die Hitze wurde schon fast unerträglich . Der Krämer hatte gleich fliehen und das Löschen und Lärmschlagen seinen Verfolgern überlassen wollen , jetzt aber stand er zitternd und innerlich verzweifelnd vor seinem Werke , bis es ihm zu heiß wurde . Sollte noch gar das Haus in Gefahr kommen und die Nachbarschaft ? Himmel , das hatte er nicht wollen ! Ohne noch an die Folgen zu denken , die es für ihn haben mußte , wenn er hier von denen angetroffen wurde , die zuerst zur Hilfe herbeieilten , trug er einen Arm voll Schnee nach dem anderen herein , um vielleicht die wachsende und wachsende Flamme doch noch ein wenig zu zähmen . Erst als er gelbliche Streifen an der Decke herumziehen sah , wie vorher die Schatten der jetzt in vollem Brande stehenden Heuwagen , und als draußen die Dachtraufe zu plätschern begann , nicht nur wie wenn der heißeste Frühlingstag den Schnee zu schmelzen beginnt , sondern gerade wie ein Brunnen , sank er vernichtet nieder und starrte gleich einem Wahnsinnigen in die immer wilder um sich schlagende Flamme , bis hart neben ihm ein Dachbalken herunterstürzte und zwei Bretter des Bodens brach , daß er nun auch sehen konnte , wie seine Warenballen Feuer fingen . Mit einem lauten Schrei dachte er an das Schießpulver und stürzte hinaus . Ohne zu wissen , wohin er ging , eilte er wieder ob das Dorf hinauf . Er hatte keinen anderen Gedanken mehr als den , dem Schießpulver und dem furchtbaren Geprassel zu entrinnen . Ohne Furcht , sich zu verraten , würde er um Hilfe gerufen haben , wenn er nicht durch den Schreck und die Angst um Besinnung und Stimme gekommen wäre . Aber die Nachbarn in ihren wohlverschlossenen Häusern hörten jetzt das Geprassel und eilten hinaus . Die ersten kamen mit leeren Händen auf den erhellten Platz , als eben das letzte Wasser des auf dem Dache geschmolzenen Schnees in das leise zischende Flammenmeer tropfte . Schon begann auch die Dachtraufe des Hauses zu rinnen , und lawinenartig stürzte der Schnee vom hohen Dachstuhl nieder . Ein gewaltiger Windstoß trieb die weit über den Stadel hinwallende Flamme gegen das Haus , an dessen oberer Ecke sie schon im nächsten Augenblick mit der Schnelligkeit des Sturmes rechts und links emporklomm . Das Feuer schwoll und schwoll , die einzelnen Flammenstränge liefen wie Bäche zusammen , der Sturm trug den ersten schrillen Klang der Sturmglocke wie einen Wehruf übers Dorf , dessen hintere Hälfte verloren war , wenn der Wind nicht ruhiger wurde . Die zum Löschen Herbeigekommenen jammerten , beteten und riefen den Bewohnern des weiter und weiter nach vorn in Brand stehenden Hauses . Viele Nachbarn eilten , um die eigene Habe noch zu retten , und dem mit