Blumenbeeten , die buntfarbig auf dem Rasen liegen . Da drüben liegt der Zwischenbau . Die Luft bestreicht jetzt seine vier Wände , die ein sauberes , helles Kleid angelegt haben , aber seine Fronte ist stattlicher geworden . An jeder Seite blitzen neue Fenster ; Ferber hat das Haus um vier Zimmer erweitern lassen , denn der Oberförster will , wenn er sich ins Privatleben zurückzieht , mit Sabine da droben wohnen . Im Ferberschen Wohnzimmer , dessen zwei hohe Fenster jetzt dieselbe Aussicht gewähren , wie früher nur das Bogenfenster in Elisabeths ehemaligem Stübchen - Herr von Walde hat die Bäume lichten lassen , damit die Eltern das Heim ihres Kindes immer vor Augen haben - , also im Wohnzimmer steht die junge Frau von Walde . Sie ist mehrere Wochen an das Haus gebannt gewesen , und ihr erster Ausgang führt sie auf den Berg , um ihren Erstgeborenen im großelterlichen Hause vorzustellen ... Da liegt er auf ihrem Arme . Miß Mertens , oder vielmehr die längst glücklich verheiratete Frau Reinhard , hat den Kleinen heraufgetragen und schiebt vorsichtig den schützenden Schleier zurück . Das frische , rote Gesichtchen trägt die Züge derer von Walde , und aus dem Spitzenhäubchen fällt ein feiner , dunkler Haarstreifen auf die Stirn . Ernst will sich totlachen über die täppischen Bewegungen der drallen , roten Fäustchen , die sich nach allen Richtungen hin recken und strecken . Der Oberförster aber hat in eigentümlich ängstlicher Haltung seine eigenen gewaltigen Hände auf den Rücken gelegt , als fürchte er , durch irgend eine seiner kräftigen Bewegungen dem winzigen Geschöpfchen einen Schaden zuzufügen . Er ist nicht minder entzückt von seinem Großneffen , wie die Großeltern von ihrem Enkelchen . Er hat die schlimme Erfahrung bezüglich Berthas verschmerzt und sonnt sich in Elisabeths Glück , das ihm anfangs wunderbar genug vorkam , und von welchem er behauptete , er müsse jeden Morgen von neuem lernen , daran zu glauben . Nicht etwa , daß er gemeint hätte , es sei zu außerordentlich für seinen kleinen Liebling - er hätte wohl die höchste Krone der Erde auf Elisabeths reiner Stirn als ganz an ihrem Platze gefunden - , es war ihm nur sehr verwunderlich , das junge Wesen » mit den quecksilbernen Füßen und dem sonnigen Gesichte « so hingebend an der Seite des ernsten , gereiften Mannes zu sehen . Elisabeth ist glücklich in des Wortes höchster Bedeutung . Ihr Mann betet sie an , und sein Ausspruch ist wahr geworden ; jener Ausdruck von Melancholie und Strenge scheint für immer von seiner Stirn gewichen zu sein . Sie blickt in diesem Augenblicke glückselig auf das zarte Wesen in ihrem Arme und dann hinunter ins Thal , wo er bald über den Kiesplatz schreiten und heraufeilen wird , um sie und das Kleine abzuholen ... Einen Moment verdunkelt sich ihr Blick und wird feucht ; er fällt auf ein hohes , vergoldetes Kreuz , das aus dem Wäldchen am See aufblitzt ; dort , unter den rauschenden Wipfeln , in einem prächtigen Mausoleum , schlummert Helene seit einem Jahre . Sie ist in Elisabeths Armen gestorben , mit dem Gebete auf den Lippen , daß Gott die segnen möge , die des Grames Last treulich mit ihr getragen und sie gestützt hat , bis die gebrochene Seele sich losringen durfte von der hinfälligen Hülle . Hollfeld hat Odenberg verkaufen lassen , und niemand weiß , in welchem Winkel der Erde er über das Scheitern aller seiner Anschläge und Pläne grollt .