Wecel sprang schnell auf , und rief : » Ich spreche mit Bozebor . « » Ich auch « , rief eine Stimme . » Ich auch « , eine andere , und eine dritte . Und es entstand nun ein Rufen der Männer durcheinander und eine Unruhe . Da streckte Bolemil die Hand über den Tisch , und gab ein Zeichen . Als sich nach und nach die Ruhe herstellte , und er sich erheben wollte , sagte der Herzog : » Bolemil , rede auf deinem Stuhle sitzend . « Bolemil aber antwortete : » Ich bin noch nicht so hinfällig , hoher Herr , daß ich die Gebühr vergesse . « Darauf erhob er sich langsam , und da er mit den weißen Haaren und dem langen weißen Barte vor dem Tische stand , sprach er : » Wenn Wsebor von einem Manne geredet hat , der älter ist als er , und der sich in diesem Saale befindet , so bin ich es ; denn sonst ist niemand hier älter als er . Wenn er aber von weisen Gaben gesagt hat , die in dem Haupte dieses Mannes sind , so bin ich es nicht ; denn in meinem Haupte sind viele Torheiten gewesen , und ich bin nur bestrebt , sie abzulegen . Aber das ist wahr , was er gesagt hat , daß ich viele Dinge erlebt habe . Ich habe viele Dinge erlebt , und habe mir manches gemerkt . Ich habe es erfahren : wenn üble Körner in die Erde gelegt worden sind , so ist eine üble Saat aufgegangen , sie ist uns in unsere Häuser hinein gewachsen , sie ist uns in unsere Kirchen hinein gewachsen , sie ist uns in unsere Kammer und in unsere Schlafstätte hinein gewachsen , und wir haben die bittere Frucht davon weg zehren müssen . Ich habe auch erkennen gelernt , wann es eine böse Saat war , die gelegt worden ist . Und auf dem Herzogschlosse des Wysehrad ist eine solche Saat gesäet worden . Ich habe damals unsern Herzog Wladislaw nicht wählen geholfen , weil es gegen das Recht war , und weil jedes Wählen der Herzoge übel ist ; aber da er dann der Herzog war , und da Wladislaw , der Sohn Sobeslaws , sein Recht weg gegeben hat , so bin ich ihm nach meiner Pflicht gefolgt . Ich habe in der Versammlung gesagt , daß aus dem Wählen die Kämpfe folgen werden , wie sie in den früheren Jahren gefolgt sind . Die Kämpfe sind da , und ich bin wieder in ihnen , wie ich früher in ihnen gewesen bin . Ich habe auch gesagt , daß in Nachfolgekämpfen der Fremde gerufen wird , es ist so gewesen , und muß so sein , entweder ruft ihn der eine Teil oder es ruft ihn der andere , oder er kömmt , wenn die Teile sich bis zum Niedersinken zerfleischt haben , selber . Die Fahne des heiligen Wenzel hilft euch in solchen Streiten nichts , weil er der Heilige beider Teile ist , und jeder auf ihn hofft , und ihn ruft . Aber er hört ihn nicht , und Gott und alle Heiligen wenden sich von solchen Streiten mit Verdammnis ab , weil sie Bruderstreite sind , und wenn Gott in solchen Streiten dem Rechte hilft , so geschieht es durch Bitterkeit und Not , daß wir das Recht in Zukunft vor Leichtfertigkeit sichern . Weil es nun nicht zu vermeiden ist , daß der Fremde komme , so komme er zu uns , nicht zu den Feinden ; damit aber unser Übel kurz daure , komme er bald , und damit er sich nicht an das Land gewöhne , ende er schnell . Dann , hoher Herzog , sage ich in meinem Alter , herrsche fort , und herrsche , wie du begonnen hast . Aber versammle deine Räte , und errichtet mit Langsamkeit und Weisheit ein Gesetz der Fürstenfolge , das mit großer Macht wirkt , die keiner anzutasten wagt , und das die Leiden endet , die ich sonst für alle Zeiten sehe , und denen ich nicht mit diesen weißen Haaren , und nicht mit diesen Worten meines Mundes wehren kann . « Als er dieses geredet hatte , ließ er sich wieder so langsam , wie er aufgestanden war , auf seinen Sitz nieder . Nach ihm meldete sich niemand sogleich , zu sprechen , sondern die Männer redeten wieder mit einander . Da gab Diwis das Zeichen , daß er sprechen wolle , und da es stille geworden war , sprach er : » Ich habe in der Versammlung auf dem Wysehrad für Wladislaw , den Sohn Sobeslaws , gesprochen . Aber Wladislaw hat sein Recht aufgegeben , und Konrad hat gar kein Recht . Wladislaw , der Sohn unsers vorletzten milden Herzoges , ist jetzt der Fürst und im Rechte , und wir kämpfen für das Recht . Und wenn wir auch unser und unserer Angehörigen Blut , und unsere Habe , wie Bozebor gesagt hat , dafür hingeben , so dürfen wir doch nicht das Blut von tausend andern hingeben , die nicht wissen , weshalb gekämpft wird , und es fließet dieses Blut der tausend andern wie von Unschuldigen , ihre Habe wird vertilgt , wie die von Verfolgten , daß sie dem Jammer verfallen , davon sie zeitlebens nicht genesen . Damit das Übel nicht größer werde , und länger daure , gehe der erhabene Herzog zu Konrad , und dieser helfe . Dann aber sage ich wie Bolemil , es werde Vorsicht getroffen , daß die Streite der Söhne Premysls nicht mehr entstehen . « Als er gesprochen hatte , setzte er sich wieder nieder . Nach ihm redete Lubomir , und sprach : » Weil der hohe Herzog durch zwei Meinungen gewählt worden ist , durch die eine Meinung , die das Wohl des Landes zum Ziele hatte , und durch die andere Meinung