, weil er es mit der Vergangenheit in keinen deutlichen Zusammenhang zu bringen wußte . Das Eine stand fest , er hatte eine schwere Beleidigung empfangen , eine Beleidigung , für welche er Rechenschaft zu fordern hatte ; indeß die Art der Genugthuung , nach welcher er verlangte , konnte er , der bürgerliche Baumeister , von dem Freiherrn von Arten nicht begehren , weil er wußte , daß man sie ihm mit Lachen verweigern würde . Herbert war von seinem Vater , der eine ansehnliche Kundschaft unter dem Adel besaß und manchen Gönner unter ihm zählte , in der Achtung vor dem Adel auferzogen worden . Aber er hatte in seiner bürgerlich gesicherten Stellung und bei seiner freien Kunstbestrebung sich eben nicht viel um die Vorrechte des Adels gekümmert oder , wenn dies doch geschehen war , bisher nicht Ursache gehabt , sie ihm zu neiden . Jetzt stand er zum ersten Male vor den Schranken , welche den Bürgerlichen in seinem öffentlichen und in seinem privaten Leben von dem Edelmanne trennen , und er fand sie hoch genug , obschon man sie ihn bis auf diesen Tag nicht fühlen lassen . Er erinnerte sich , mit welcher verehrenden , von seinem Vater ererbten Voreingenommenheit für das freiherrlich von Arten ' sche Haus er nach Richten gekommen und wie gütig man ihm von Anfang begegnet war . Man hatte ihn als einen Gast des Hauses , als den Sohn eines Freundes behandelt , man hatte ihn zu fesseln gesucht , hatte seine Neigung gewonnen - und was hatte er denn gethan , jetzt plötzlich eine so schnöde Behandlung zu erleiden ? Wie war es möglich geworden , daß die Baronin sich derselben nicht nur nicht widersetzt , sondern recht eigentlich die Veranlassung dazu geboten hatte ? Er hatte Angelika bewundert , ja , er hatte sie zu lieben geglaubt . Aber war das ein Verbrechen , da er auf solche Neigung und Bewunderung keinen Anspruch gründete ? Nur ihr eigenes Betragen , nur ihre eigene Hingebung hatten ihn ermuthigt , ihr sein verehrendes Gefühl kund zu geben . Nur eines Wortes , nur eines Winkes von ihr hätte es bedurft , ihn schweigen zu machen und den Ausdruck der reinen , liebevollen Theilnahme zurückzuhalten , mit der er ihr an jenem Abende genaht war . Wodurch also verdiente er ihren Zorn ? Wodurch hatte er die Verhöhnung verdient , die sie , sie allein ihm bereitet ? Je länger er darüber nachdachte , desto zorniger wurde er , und doch fühlte er dabei immer , wie werth diese Menschen ihm geworden waren , die ihn so absichtlich zurückgestoßen hatten , und wie schwer es ihm fiel , Böses von ihnen zu denken , von denen er sich bisher nur des Besten versehen . Er hegte ein widerwilliges Bestreben , sie zu rechtfertigen , weil es ihm zu schmerzlich war , von ihnen beleidigt zu sein . Er stellte sich vor , daß irgend ein Zufall , irgend ein unbemerkter Zeuge dem Freiherrn verrathen habe , was zwischen Herbert und der Baronin vorgefallen sei , und er fand eine Genugthuung darin , sich selbst eine Schuld anzudichten , an welche er im Innern seines Herzens doch wieder nicht glaubte , nur um das Verhalten des Freiherrn und Angelika ' s weniger hart und ungerecht nennen zu dürfen . Er hielt sich vor , daß er die Eifersucht des Freiherrn erregt , daß ein Zerwürfniß und eine Versöhnung zwischen den Eheleuten Statt gefunden haben müsse , weil er sich daraus die Zärtlichkeit Angelika ' s für ihren Gatten herzuleiten wünschte . Aber wie sollte er diese wieder zusammenreimen mit der scherzend herausfordernden Weise , mit welcher sie ihm entgegengetreten war ? Keine seiner Voraussetzungen bot eine völlig genügende Erklärung dar , keine seiner Empfindungen war rein , alle waren sie gebrochen , und , empört gegen den Freiherrn , gegen Angelika und gegen sich selber , rief er endlich aus : Sie haben mir sogar den Zorn genommen und den Haß ! Bald wollte er der Baronin schreiben , bald dem Baron , um von ihnen eine Aufklärung zu heischen und sich über die Herzens- und Ehrenkränkung zu beschweren , die man ihm zugefügt hatte ; aber wo man sich mit den Personen , mit denen man zu thun hat , nicht auf gleichem gesellschaftlichem Boden befindet , wird selbst das Zugeständniß einer begehrten Gerechtigkeit zu einer freiwilligen Gunstbezeigung , und eine solche von dem Freiherrn anzunehmen , war ihm das Widerstrebendste . Dazu band ihn sein Contract , den er nicht ohne Wortbruch lösen konnte , an den zeitweiligen Dienst des Freiherrn ; der Bau stieg edel und schön empor , und Herbert war Künstler genug , ein begonnenes und so bedeutendes Werk nur mit höchstem Widerstreben zu verlassen ; indeß die Aussicht , eben um dieses Baues willen mit der freiherrlichen Familie nach den heutigen Vorgängen doch in fortgesetzter Berührung bleiben zu sollen , war ihm so quälend , daß sich von dieser Abhängigkeit zu befreien ihm für den Augenblick als das Nothwendigste erschien . In dieser Stimmung ergriff er die Feder auf das Neue . » Hochgeborener Herr Baron ! « - schrieb er - » Eure Gnaden haben mich heute mit Recht und sehr zur Zeit daran erinnert , daß ich nur um einer Arbeit willen und als Künstler nach Richten gekommen bin . Diese Arbeit zu vollenden , mit ihr den gerechten Ansprüchen und Erwartungen Eurer Gnaden nach besten Kräften zu entsprechen , ist mir eine Ehren- und Gewissenssache gewesen , und die huldvolle Güte wie die Zufriedenheit Eurer Gnaden haben mir bisher guten Muth und Aufmunterung gegeben . Zu meinem großen Bedauern habe ich aber die Bemerkung machen müssen , daß Sie mir Ihre Zufriedenheit entzogen haben , und ich möchte Ihnen weder mit meinen Diensten noch mit meiner Person beschwerlich fallen , wenn beide aufgehört haben , Ihnen genehm zu sein . Erlauben Eure Gnaden mir also die Versicherung , daß ich bereit bin