üben , Du aber , Regina , solltest Dich nicht anstrengen ; Du siehst leidend aus - und zwar so sehr und so lange schon , daß wir denn doch einen Doktor konsultieren wollen . « » Du bist so gut , lieber Vater ; aber weshalb der Doktor ? « sagte Regina und küßte zärtlich des Vaters Hand . » Weshalb ? wunderliche Frage ! weil ich nicht will , daß Du dahinsiechen und sterben sollst . « » O mein lieber Vater , sei ganz ruhig ! ich glaube nicht , daß mich jetzt schon der liebe Gott in die Ewigkeit ruft , « sagte Regina mit sanfter Wehmut . » Du wärst im Stande , das zu bedauern ! « rief der Graf fast zornig , weil er sich von ihrer Sanftmut gerührt fühlte . » Aber daraus wird nichts - das sage ich Dir ! lieber lasse ich Dich in ' s Kloster gehen . Gestehe mir aufrichtig : bist Du krank vor Sehnsucht nach Deinen Karmelitessen ? « Regina legte die Hand flüchtig über ihre Augen ; dann sah sie ihren Vater mit zärtlichster Dankbarkeit an und sagte fest : » Nein , mein lieber Vater . « » Nein ? - Du sagst Nein , Regina ! Hättest Du Ja gesagt , so würde ich Dir antworten : Geh in ' s Kloster . « » Ich kann keine Unwahrheit sagen , lieber Vater . « » Aber Du bist doch leidend , Regina ? « » Ich leide wohl etwas ; nur kann kein Arzt mir helfen . « » Das wollen wir erst erleben ! « sagte der Graf . Der Arzt kam , fragte , fühlte den Puls , tat , was seines Amtes ist , sprach von Aufregung der Nerven und erklärte endlich , er müsse die Gräfin mindestens acht Tage beobachten , bevor er sich aussprechen könne . Man fand das ganz in der Ordnung . Er kam täglich , bald zu der einen Stunde , bald zu der anderen . Er beobachtete Regina und unterhielt sich mit ihr . Er ließ sich von der Baronin und von Corona deren Bemerkungen unter vier Augen mitteilen . Endlich erschien er bei dem Grafen und sagte nicht ohne Verlegenheit , er sei etwas betroffen über seine Entdeckung und der Graf möge es nicht übel nehmen , wenn eine unangenehme Sache zur Sprache komme ; aber nach Pflicht und Gewissen könne er nicht anders . Der Graf starrte verblüfft den Doktor an und rief endlich ungeduldig : » Nur heraus mit der Sprache ! ist sie hektisch ? « » Nicht im geringsten ! « erwiderte mitleidig lächelnd der Doktor . » Es ist allerdings eine gewisse Spannung des Nerven- und Erregung des Blutsystems bei Ihrer Gräfin Tochter wahrzunehmen , allein dies ist nicht mit anderen Krankheitssymptomen verbunden , sondern steht vereinzelt da . Deshalb muß ich schließen , daß es Folgen von Gemütsleiden sind , und ich glaube mit allem Recht behaupten zu dürfen , daß die Gräfin eine unglückliche Liebe im Herzen trägt - vielleicht für jemand , der unter ihrem Stande ist . Ich bin noch nicht ganz darüber im Klaren . Auch Sie scheinen es nicht zu sein - fuhr er fort , als ihn der Graf sprachlos vor Erstaunen ansah - und es tut mir wahrhaftig herzlich leid , eine wunde Stelle zu berühren . Aber ich habe allen Grund , bei der Diagnose stehen zu bleiben und die heißt - unglückliche Liebe . « » Welchen Grund haben Sie denn aber eigentlich dafür ? « fragte der Graf , der sich von diesem Ausgang nichts hatte träumen lassen . » Einen solchen , der Ihnen einleuchten wird , Herr Graf ! denn er ist schwarz auf weiß , « erwiderte der Arzt und zog triumphierend ein Billet hervor . Sehen Sie hier .... einen poetischen Liebesbrief . « » Einen Liebesbrief von Regina ! Herr Doktor , Sie faseln ! « rief der Graf lachend , indem er das Blatt ergriff . Überdas ist das nicht Reginas , sondern Coronas Handschrift . Was ? Verse ! « » Nun , das versteht sich , Herr Graf ! eine so zarte und noble Dame , wie Gräfin Regina , drückt ihre Herzensempfindung auch zart aus . « Kopfschüttelnd las der Graf : Mein Erbteil . O wohl sind sie dunkel die Nächte , Die schwarz um den Pfad sich geballt , Wenn Irrwisch und trügende Mächte Verlocken in Gauckelgestalt ; Wenn immer ein Stern zu erspähen , Wenn strauchelt der Fuß - ach , wie oft ! Doch Du wachst auf seligen Höhen : Ich weiß , in Wen ich gehofft . O wohl sind sie dunkel die Nächte , So Innen die Seele umziehen , So schwarz , daß das Wahre , das Rechte , Nicht kräftig und frisch kann erblüh ' n. Doch sind auch die spärlichen Saaten Der segnenden Sonne beraubt , Du wachst und sie können geraten : Ich weiß , an Wem ich geglaubt . O wohl sind sie dunkel die Nächte , Worinnen das Herz versinkt , Wenn dürstend nach Liebe , die ächte , Ach fern , ach verloren ihm dünkt , Wenn zitternd im schmachtenden Bangen Nicht Labsal noch Tröstung ihm gibt ; Doch Du wachst und stillst sein Verlangen : Ich weiß , Wer mich ewig geliebt . O wohl sind sie dunkel die Nächte , Die Erde , durch Leid und durch Lust ! Das Leben , ein Dornengeflechte , Zerreißt und verödet die Brust , Es birgt auch in Rosen nur Herbe , Weil Dauer überall fehlt , Doch Du bist mein ewiges Erbe : Ich weiß , Wen ich mir mir erwählt . Der Graf hatte laut gelesen und der Doktor , ganz versunken in seine vorgefaßte Meinung , hatte aufmerksam zugehört . » Was sagen Sie nun , Herr Graf ? « rief er selbstzufrieden ; » ist das nicht klar genug ? Dies