, als er die Geliebte nicht mehr fand , wo er sie zurückgelassen , suchte sie zum zweiten Male überall vergebens - endlich leitete ihn ihre Spur zu mir . Ich verhehlte ihm die Wahrheit nicht und daß Ulrike eine Braut des Himmels geworden . Ich rechtete nicht mit ihm , ich sprach nicht strafende Worte , ich suchte ihn nur zur Rückkehr zu seiner Gattin zu bewegen , und selbst wenn er das nur als Buße für seine Leidenschaft betrachten sollte . Aber er wollte nichts davon wissen - nur das sagte ich ihm nicht , in welches Kloster Ulrike gegangen . Er schied von mir wie ein Wahnsinniger . Im Walde hatte er einen Versuch gemacht , sich das Leben zu nehmen . Benediktinermönche fanden ihn dort - und das Uebrige weißt Du . « Ulrich weinte an der Brust des theilnehmenden Mannes , der das beste Herz und weichste Gemüth besaß , wenn auch manche Schwachheit sich daran knüpfte . » Halte Du Dich frei von der Leidenschaft , « sagte der Propst theilnehmend , » hüte Dein Herz und Deine Sinne ! Alle , die das nicht thun , die richten nur Unglück an für sich selbst und für Andere . « Und weiter fuhr er fort : » Sage Niemanden ein Geheimniß , das treu bewahrt bleiben soll - auch nicht Deinem besten Freund - Du hast es dann nicht mehr in Deiner Gewalt - verrathe Dich auch Deinem Kameraden Hieronymus nicht . « Ulrich schüttelte das Haupt und sammelte sich endlich so weit , um zu erzählen , daß er eben darum auch nicht dessen Wohnung mehr theilen möge . Der Propst billigte dies und hieß Ulrich diese Nacht mit in der Propstei bleiben , da er noch keine andere Wohnung hatte . So sprachen sie noch lange mit einander von der Vergangenheit und von der möglichen Zukunft . War Amadeus glücklich entkommen ? wer konnte es wissen ? Er war so schwach und hinfällig gewesen von dem martervollen Kerker - wohin konnte er geflohen sein ? War er umgekommen im Walde und fand man ihn lebend oder todt , so konnte eine Untersuchung seiner Flucht vielleicht die verrathen , die ihm dazu geholfen , und dann hatten sie die härteste Strafe zu fürchten . Und war er glücklich weiter entkommen : was würde er nun beginnen ? Mußten sie nicht jeden Tag denken , die Sehnsucht nach dem Sohn und der Wunsch von Ulrike zu hören , werde ihn eines Tages wieder zurückführen nach Nürnberg zu dem Propst oder Ulrich , und er sich selbst und diesen der schrecklichsten Gefahr aussetzen und vielleicht auch Andern in seiner zuweilen doch halbwahnsinnigen Art Alles verrathen ? Aber was halfen diese bangen Fragen , auf die Keiner eine Antwort geben konnte ! - An demselben Tage hatte der Jude Ezechiel bei der Frau von Scheurl , wie sie jetzt hieß , noch einmal Eintritt verlangt , der ihm schon mehrmals verweigert worden . Die Dienerschaft hatte auch jetzt wieder gedroht , ihn hinauszuwerfen . Da entschloß er sich zum Aeußersten . Er gab den Ring einem Diener und ließ sagen : er ließe nur fragen , ob die Herrin den Ring behalten wolle , oder ob er ihn dem Eigenthümer wieder zurückgeben solle . Das wirkte . Sogleich ward er vorgelassen . Elisabeth war ohnehin in schmerzlicher Aufregung . Mit kurzem Abschied war König Max geschieden , und nur Kunz von der Rosen hatte ihr zugeflüstert , daß , wenn es sich einmal treffen solle , daß ein Kaiser oder König einer stolzen Nürnberger Patrizierin doch einen Dienst erweisen könnte , so möge sie sich gleich lieber an den Narren wenden , der habe ein besseres Gedächtniß und wisse närrisch genug , oft sicherer das Ziel zu erreichen . Konrad Celtes war mit dem König gegangen , um wieder ein unstetes Reiseleben zu führen und im Wirken für die humanistischen Studien und dem Streben im deutschen Volke den Sinn für das Vaterland und seine Geschichte zu beleben , sein unruhiges Herz zum Schweigen zu bringen . Er hatte Elisabeth ' s Gebot geehrt und war ihr nicht wieder allein genaht . Aber was half es ihr , daß sie so als tugendhaftes Weib weder dem König noch dem Poeten eine Freiheit verstattet , die sich nicht mit den Pflichten gegen ihren Gemahl vertragen hätte : Ursula selbst , die einzig durch sie Hochbeglückte , fühlte sich verpflichtet ihr zu hinterbringen , wie viel Angriffe auf Elisabeth ' s guten Ruf sie zurückweisen müsse , wie man sie beschuldige , den Poeten , ihren frühern Geliebten wieder rücksichtslos bei sich empfangen zu haben und dem königlichen Gast in jeder Beziehung eine gefällige Wirthin gewesen zu sein . Sie ahnte , daß Streitberg und die Hallerin dies Gift gegen sie verstreut - und sie hatte keine Waffe dagegen , als ihr reines Gewissen und das Zeugniß ihres Gemahls . Das fiel freilich bei den Nürnbergern leicht genug in die Wagschaale ; der hoffärtige Rathsherr war geadelt worden - und damit hieß es , sei er schadlos gehalten , wenn ihm auch ein Schimpf durch sein Weib geschehen . Elisabeth konnte diesen Gerüchten nur erneuten Stolz entgegensetzen , aber sie hätte kein zartfühlendes Weib sein müssen , wäre sie nicht doch davon verwundet worden . Und nun , wo sie hoffte , daß Streitberg , um dessentwillen sie fast nie ihr Haus verlassen , sich wieder aus der Stadt entfernt , sah sie den Ring vor sich , durch den sie sich ihm einst verlobt hatte . Sandte er ihr ihn , oder wie kam er in die Hände des Juden ? Wie auch Vorurtheil und Stolz sich dagegen sträubten , sie mußte selbst und allein mit diesem sprechen . Ezechiel erzählte , daß Ritter Streitberg den Ring bei ihm versetzt , um ihn später wieder einzulösen , daß aber der Steinmetz Ulrich von Straßburg , der den Ring bei ihm gesehen , gesagt habe , er müsse der