als die Arme auf dem Streckbett liegen und den fürchterlichen vollen Feuerstrahl fühlen mußte , der von der Person über sie ausging ! Und das alles muß man nun ruhig hinnehmen , blos weil sie , hör ' ich , eine Convertitin ist , ein goldenes Kreuz auf der Brust trägt und wahrscheinlich zu irgendeiner Erzschwesterschaft gehört ! Wozu sich unsere Kirche nicht alles hergeben muß ! Wenn sie nicht in der Lage wäre , schlaffe Gemüthlichkeit , die alles geduldig hinnimmt und geschehen läßt , aufrühren zu müssen durch solche Weckhähne ... Hedemann , daß wir morgen früh nur die Zeit nicht verschlafen ! Hedemann nahm , da sie inzwischen oben angekommen waren , die Uniform , die Benno ausgezogen hatte , legte Brieftasche und Geld heraus und versicherte dem sich Entkleidenden , mit dem Aufwachen zur rechten Zeit wäre keine Gefahr ; ihm rauschten die Räder seiner neuen Mühle und die Sorgen , die er sich aufbürdete , genug im Kopfe ... Und dabei verwechseln Sie wirklich schon unsere Stiefel und stellen zwei Paare zusammen , wie wenn jeder von uns immer halb mit den Beinen des andern liefe ! Hedemann , der in der Nebenkammer schlief , hatte die Stiefel und Kleider vor die Thür gestellt , damit die Magd in der Frühe alles fand und reinigte . Benno , schon auf den Strümpfen , stellte die Paare in Ordnung , nahm noch einen von Hedemann vergessenen Brief aus der Tasche seiner Uniform , schloß die Thür , legte den Brief auf den Nachttisch neben sich zu Uhr , Geld und Portefeuille und sagte mit herzlichem Tone : Freilich , so ist ' s ja auch immer gewesen ! Was wär ' ich ohne Ihre Arme und Beine , Hedemann ! Ich glaube , ich hätte alle schon gebrochen und auf mein kühles Grab setzten Sie ein Denkmal , das ich mir in Gestalt eines Fragezeichens ausbitte , Hedemann , wenn Sie mich überleben sollten , hören Sie ? Der Friedhof hat mich ganz melancholisch gemacht ! Warum ein Fragezeichen ? fragte Hedemann , löschte das Licht und wollte die Thür anlehnen . Lassen Sie doch auf , Hedemann ! Es ist so dumpf und stickig in der kleinen Stube ! Warum ein Fragezeichen ? Bin ich nicht ein verkörpertes Fragezeichen ? Was sagt das Kirchenbuch von Borkenhagen über mich ? Haben Sie denn nachgeschlagen , wie ich Sie gebeten ? Ich sagte gleich , daß da nichts zu finden ist ! Sie waren schon fast ein Jahr alt , als Sie Ihr Vater aus Spanien mitbrachte ! Aus Sevilla ! Aus Sevilla ! Wo die letzten Häuser stehen ... sang Benno mit elegischem Humor . Dann fuhr er fort : Ich wundere mich nur , wie ein Zigeunerkind sich so acclimatisiren konnte ! Sprach ich heute nicht von Buchweizen , Haarrauch und dem Landesvater , wie wenn ich wirklich ein Asselyn wäre , kein Pseudo-Asselyn , kein unberufener Eindringling in die Wallhecken und Moore und Kampe eurer Ahnen ! Sie sind der rechtmäßige Sohn des weiland Erb-und Gerichtsherrn zu Borkenhagen ! Und sein Erbe ! Hedemann , daß ich doch nur den kleinen Tümpel geerbt hätte , der um unsere Hundehütte ging , Burg genannt , jene majestätische See , wo Sie mir die kleinen bewimpelten Schiffchen schnitzten , die ich durch die grünen Wasserlinsen fahren ließ ! Ich ahnte damals meine Reise nach Amerika ! Und den Finkenfang , Hedemann , im Schlehdornbusch , wo Sie die prächtigen Schlagnetze legten ! Ach , ich habe als Student später nie mehr aus einem Weichselrohr rauchen können , ohne nicht daran zu reiben und zu reiben und aus dem köstlichen Geruch des Rohrs mir unsern Finkenfang wieder zu vergegenwärtigen ! Graf Münnich hat ihn niederhauen lassen ... Und hätten uns die Gläubiger nur den einen großen Ebereschenbaum gelassen , auf der Wolfshöhe ! Wenn wir sonst dahin wallfahrteten , war ' s mir immer nur um die rothen Beeren zu thun und die Bank darunter war mir nur eine bloße Hülfe , um die schönsten Büschel herunterzukriegen und an die Mütze zu stecken ! Später als Student , kam ich einmal wieder in die Gegend und wollte Freunde und sogenannte Verwandte begrüßen . Da merkt ' ich fast , daß die Wolfshöhe mir nur eigentlich deshalb gefallen haben mußte , weil der künftige Herr von Asselyn-Borkenhagen sein ganzes kleines Königreich dort am schönsten hätte übersehen können . Die herrliche Aussiht ! In weiter Ferne die Wälder ! Aus ihnen herausblickend Schloß Neuhof , golden wie die Landeskrone , Kloster Himmelpfort , Witoborn mit seinem ewigen Armensündergeläut ... Werden Sie das denn aushalten , Hedemann ? Meine Mühle überrauscht es ... Und rechts hinüber Westerhof mit Paula und Armgart , die damals Kinder waren und mich Vetter nannten , den armen , abgeblitzten Herrn von Borkenhagen ... Es war gerade Kirchweih im Ort ... Eine Spielbande zog von den Bergen herunter ; ein buckeliger Geiger voran ... Stammer ! Der lebt noch ! Bänder und Fahnen flatterten ... alles war lustig ... im Wittekind ' schen hatt ' es ein großes Erntebier gegeben ... es war damals kaum ein paar Wochen über die grauenvolle Geschichte mit dem erschlagenen Theilungscommissar hinaus ... Der Alte vom Berge , der Kronsyndikus , läßt noch jetzt draufgehen , hör ' ich ... früher war er geizig genug ... Gerade des Weges ritt der Landrath ! Ich fragt ' ihn nach dem Vorfall . Der wies mich schön zurecht ! Wie ich den Herrn auf dem hellen Schloß da oben zu nennen wagen könnte ... Das wollt ' ich meinen , der » schöne Enckefuß « ! ... Nun aber ging ich in den vielgrünen Wald , an meinen Vogelherd - damals , Hedemann , standen noch all die lieben hellen Buchen - am Ende der Wildschonung lag der kleine Hof Ihrer Aeltern ... Sie erzählten mir ja noch nichts von denen ... Sie leben doch noch ? ... Hedemann antwortete nicht .