in das Haus gehören ; aber einseitig oder gar mit Leidenschaft betrieben , untergraben sie eher das Haus , als sie es bauen helfen . Klotilde aber sei schon so alt , daß sie sich ihrem künftigen Berufe zuwenden müsse . Wir begriffen das alles und versprachen , nichts ins Übermaß gehen lassen zu wollen . Es wurden alle Erfordernisse angeschafft , und wir begannen in gegönnten Zeiten die Arbeit . Auch Spanisch wollte die Schwester von mir lernen . Ich betrieb es fort , und da ich ihr voraus war , wurde ich auch hierin ihr Lehrer , was die Mutter mit derselben Einschränkung wie das Landschaftsmalen gelten ließ . Es waren also in unserem Hause für dieses Jahr mehr Beschäftigungen für mich vorhanden als in anderen Zeiten . Es war mir in jenem Herbste besonders wunderbar , daß weder Vater noch Mutter genauer nach meinem Gastfreunde fragten . Sie mußten entweder nach meinen Erzählungen ein entschiedenes Vertrauen in ihn setzen , oder sie wollten durch zu vieles Einmischen die Unbefangenheit meiner Handlungen nicht stören . Bei allen häuslichen Bestrebungen fing ich bei dem herannahenden Winter doch ein etwas anderes Leben an , als ich es bisher geführt hatte , und zwar ein etwas mannigfaltigeres . Ich hatte in vergangener Zeit nur solche Stadtkreise besucht , in welche meine Eltern geladen worden waren , oder in welche ich durch Freunde , die ich gewann , gezogen wurde . Diese Kreise bestanden größtenteils aus Leuten von ähnlichem Stande mit dem meines Vaters . Ich spürte Neigung in mir , nun auch Sitten und Gebräuche so wie Ansichten und Meinungen solcher Menschen kennen zu lernen , die sich auf glänzenderen Lebenswegen befanden . Der Zufall gab bald hier bald da Gelegenheit dazu , und teils suchte ich auch Gelegenheiten . Es geschah , daß ich Bekanntschaften machte , und mitunter auch fortsetzen konnte . Ich lernte Leute von höherem Adel kennen , lernte sehen , wie sie sich bewegen , wie sie sich gegenseitig behandeln , und wie sie sich gegen solche , die nicht ihres Standes sind , benehmen . Es lebte eine alte , edle verwitwete Fürstin in unserer Stadt , deren zu früh verstorbener Gemahl den Oberbefehl in den letzten großen Kriegen geführt hatte . Sie war häufig mit ihm im Felde gewesen und hatte da die Verhältnisse von Kriegsheeren und ihren Bewegungen kennen gelernt , sie war in den größten Städten Europas gewesen und hatte die Bekanntschaft von Menschen gemacht , in deren Händen die ganzen Zustände des Weltteiles lagen , sie hatte das gelesen , was die hervorragendsten Männer und Frauen in Dichtungen , in betrachtenden Werken und zum Teile in Wissenschaften , die ihr zugänglich waren , geschrieben haben , und sie hatte alles Schöne genossen , was die Künste hervorbringen . Einstens war sie in den höheren Kreisen eine der außerordentlichsten Schönheiten gewesen , und noch jetzt konnte man sich kaum etwas Lieblicheres denken als die freundlichen , klugen und innigen Züge dieses Angesichtes . Ein Mann , der sich viel mit Gemälden und ihrer Beurteilung abgab und oft in die Nähe der Fürstin kam , sagte einmal , daß nur Rembrandt im Stande gewesen wäre , die feinen Töne und die kunstgemäßen Obergänge ihres Angesichtes zu malen . Sie hatte jetzt eine Wohnung an der Ostgrenze der innern Stadt , damit die Morgensonne ihre Zimmer füllte , und damit sie den freien Blick über das frische Grün und auf die entfernten Vorstädte hätte . Blühende Söhne in hohen kriegerischen Würden besuchten die alte , ehrwürdige Mutter hier , so oft ihr Dienst ihre Anwesenheit in der Stadt gestattete , und so oft während dieser Anwesenheit ein Augenblick es erlaubte . Schöne Enkel und Enkelinnen gingen bei ihr aus und ein , und eine zahlreiche Verwandtschaft wurde bald in diesen , bald in jenen Mitgliedern in ihren Zimmern gesehen . Aber geistige Erholung oder Anstrengung - wie man den Ausdruck nehmen will - war ihr ein Bedürfnis geblieben . Sie wollte nicht bloß das wissen , was jetzt noch auf den geistigen Gebieten hervor gebracht wurde , und in dieser Beziehung , wenn irgend ein Werk Ruhm erlangte und Aufsehen machte , suchte sie auch an dessen Pforte zu klopfen und zu sehen , ob sie eintreten könnte ; sondern sie nahm oft auch ein Buch von solchen Personen in die Hand , die in ihre Jugendzeit gefallen und dort bedeutsam gewesen waren , sie ging das Werk durch und erforschte , ob sie auch jetzt noch die zahlreichen mit Rotstift gemachten Zeichen und Anmerkungen wieder in derselben Art machen , oder ob sie andere an ihre Stelle setzen würde ; ja sie nahm Werke der ältesten Vergangenheit vor , die jetzt die Leute , außer sie wären Gelehrte , nur in dem Munde führen , nicht lesen ; sie wollte doch sehen , was sie enthielten , und wenn sie ihr gefielen , wurden sie nach manchen Zwischenzeiten wieder hervorgeholt . Von dem , was in den Verhältnissen der Staaten und Völker vorging , wollte sie beständig unterrichtet sein . Sie empfing daher von manchen ihrer Verwandten und Bekannten Briefe , und die vorzüglichsten Zeitungsblätter mußten auf ihren Tisch kommen . Weil aber , obwohl ihre Augen noch nicht so schwach waren , das viele Lesen , das sie sich hatte auflegen müssen , bei ihrem Alter doch hätte beschwerlich werden können , hatte sie eine Vorleserin , welche einen Teil , und zwar den größten , des Lesestoffes auf sich nahm und ihr vortrug . Diese Vorleserin war aber keine bloße Vorleserin , sondern vielmehr eine Gesellschafterin der Fürstin , die mit ihr über das Gelesene sprach , und die eine solche Bildung besaß , daß sie dem Geiste der alten Frau Nahrung zu geben vermochte , so wie sie von diesem Geiste auch Nahrung empfing . Nach dem Urteile von Männern , die über solche Dinge sprechen können , war die Gesellschafterin von außerordentlicher Begabung , sie war im Stande ,