zu viel zu sagen . » Man ist nachher heilig froh , wenn ' s nichts getan hat . « Der Amtmann protokollierte fleißig drauflos , während dem Gefangenen eine dunkle Ahnung verraten mochte , seine Vorsicht komme zu spät und er habe wohl schon viel zuviel gesagt . Auch reichte seine Vernehmlassung vollkommen hin , um die Anklage wegen eines Attentats zu begründen , bei welchem er eine Tötung , wo nicht beabsichtigt , so doch auch nicht geflissentlich vermieden , jedenfalls aber eine mehr oder minder lebensgefährliche Verwundung vorausgesehen habe . Zufrieden mit dem bisherigen Erfolge der Untersuchung , legte der Amtmann die Feder nieder und nahm das Verhör wieder auf . » Jetzt kommen wir an den Fruchthandel « , sagte er . » Er wird nicht in Abrede zu ziehen gemeint sein , daß es ein etwas einseitiger Handel ist , wenn man Frucht einsackt , ohne Bezahlung dafür zu leisten . Pro primo aber , um die Aussagen unter sich in Einklang zu bringen , muß ich fragen : wieviel ist ' s denn eigentlich gewesen ? « » Herr Amtmann « , antwortete Friedrich , » ich hab meinem Vater gleich im ersten Augenblick erklärt , daß er durch den Handel um keinen Kreuzer kommen solle , und wenn ' s jetzt an dem ist , daß er aus meinem Mütterlichen schadlos gehalten werden soll , so will ich kein Körnle verschweigen . Natürlich hab ich ' s in der Nacht und in der Eil nicht so akkurat abzählen können , auch ist in einem Sack mehr gewesen und im anderen weniger , aber ich tu meinem Vater gewiß nicht unrecht , wenn ich ' s im ganzen auf ein Scheffel sechs oder sieben schätz , Dinkel und Haber , ungefähr zu gleichen Teilen - ganz genau kann ich das natürlich jetzt nicht mehr sagen . « » Sechs bis sieben Scheffel Dinkel und Haber « , sagte der Amtmann , den Kopf auf die Hand stützend . » Ja , ja , das müssen wir so praeter propter berechnen . Wo sind die pretia rerum ? « fragte er , in den auf dem Tische liegenden Akten kramend . » Ja so , meine Frau wird die Zeitung haben . Herr Senator , geh Er geschwind zu meiner Frau hinüber ; ich lasse sie auf einen Augenblick um die Wöchentlichen Anzeigen bitten . « Der Richter ging und brachte das amtliche Landesblatt , auf dessen Rückseite die Frucht- , Wein- , Holz-und Salzpreise verzeichnet waren . Der Amtmann nahm das Folioblatt , legte es vor sich auf den Tisch , stärkte sich zuvor durch eine Prise und suchte dann mit dem Finger im Schrannenzettel . » Da steht ' s « , sagte er , » Göppinger Schranne , Dinkel drei Gulden dreißig , Haber zwei Gulden dreißig . « » Ja « , sagte der andere Gerichtsbeisitzer verdrießlich , » seit der Ernt hat der Dinkel um dreißig Kreuzer abgeschlagen , im August hat er noch vier Gulden kost ' t. « Der Amtmann rechnete mit dem Bleistift auf einem Stück Sudelpapier . » Vier Scheffel Dinkel « , murmelte er , » tut vierzehn Gulden ; drei Scheffel Haber , tut sieben Gulden dreißig , beides nach jetzigem Preis . Zusammen also einundzwanzig Gulden und dreißig Kreuzer . Ist Er mit der Taxation zufrieden ? « » Herr Amtmann « , antwortete Friedrich , » ich hab zu meinem Vater gesagt , wenn der Fruchtpreis bis zur Abrechnung anziehe , so solle das sein Nutzen sein ; also sollt ' s eigentlich mir zugut kommen , wenn der Preis unter der Zeit gefallen ist , weil mein Vater ja doch damals nicht hat verkaufen wollen . Aber ich bin nicht so interessiert . Machen Sie nur das Ungerade voll und rechnen Sie zweiundzwanzig Gulden , daß die Zahl rund ist . « » Ich weiß nicht , was Er will « , sagte der Amtmann . » Ich habe ja nach dem heutigen Preis , also zu Seinen Gunsten gerechnet . « » Richtig , Herr Amtmann « , erwiderte Friedrich , » aber Sie haben vier Scheffel Dinkel und drei Scheffel Haber angenommen , und es können ebensogut vier Scheffel Haber und drei Scheffel Dinkel gewesen sein , oder auch gradaus halb und halb . « » Ist mir das eine Strohhalmspalterei ! « rief der Amtmann verdrießlich . Die beiden Gerichtsbeisitzer lachten . » Wenn ' s hoch kommt , so macht ' s ' n Gulden Unterschied , und ' n halben Gulden will er ja selber dreingeben « , sagte der eine . » Kommst endlich ins Rechnen ? « rief Friedrichs Vormund , » ' s wär wohl Zeit , daß du dran dächtest ; hätt ' st aber schon früher anfangen sollen . « » Damit Er sieht , daß Ihm kein Unrecht geschieht , so will ich ' s Ihm vorrechnen « , sagte der Amtmann und griff wieder zum Bleistift . » Ach , mir ist ' s ja nicht ums Geld ! « sagte Friedrich zugleich ärgerlich und beschämt . Ihn hatte bloß das verdrossen , daß man von den möglichen Grundlagen der Berechnung die ungünstigste angenommen hatte . Während der Amtmann noch rechnete , hörte man vor der Türe , die der Schütz aus Neugier ein wenig offen gelassen hatte , einen schweren Tritt , der von wiederholtem Räuspern des Kommenden begleitet war , dann einen Wortwechsel mit dem Schützen , welcher endlich sagte : » Wenn Er mit Gewalt nausgeschmissen sein will , so probier Er Sein Glück . « Darauf klopfte es an der Türe erst leise und demütig , dann etwas lauter . Der Amtmann ließ einen grimmigen Blick nach der Türe hinlaufen , rechnete aber stillschweigend fort . Es klopfte wieder . » Daß dich das Wetter ! « rief der Amtmann und warf den Bleistift hin , » was ist das für ein unverschämter Lumpenkerl ?