und zwei Söhnen , und verwischte so das angedeutete traurige Bild . Der Steuerrath begnügte sich nicht mit einem stummen Kopfnicken , sondern er versicherte , daß er sich schon den ganzen Morgen ungeheuer auf die Probe gefreut habe , daß er mitwirken werde , es aber unter einem Adonis oder Apollo schon gar nicht thue , und daß er ferner hoffe , es komme auch irgend eine Rolle in einem Genrebild vor , wo er sich als Fiedler auf dem Fasse auf ' s Prächtigste ausnehmen würde . Er würde noch mehr dergleichen vergnügtes Zeug geschwatzt haben , doch erschien jetzt sein Chef , der Obersteuerdirektor , ein noch nicht alter , vornehmer Herr mit mehreren Ordensbändern und zwei blühenden Töchtern , bei deren Anblick der Maler , der wieder ziemlich verdrossen nach seiner Fensterecke zurückgekehrt war , ein freundlicheres Gesicht machte . Diesen beiden Mädchen waren natürlicherweise Hauptrollen zugedacht , und sie wußten wohl , daß sie hiezu berechtigt waren . Sie begrüßten die Kommerzienräthin herablassend , Marianne freundlich , die andern jungen Damen sehr oben hinüber , und der junge Jagdhund , sowie der blutdürstige Criminalist , die ein freundliches Wort anbringen wollten , wurden gar nicht beachtet . Nach und nach kamen jetzt immer mehr der Eingeladenen , unter Anderem auch der Bankpräsident , ein bleicher , dicker Mann mit außerordentlich spärlichem Haarwuchs , das heißt auf dem Kopfe . Auf den Zähnen hatte er aber desto mehr , und er war mehr wegen seiner außerordentlichen Grobheit als seiner Umsicht bei den Geschäften der Bank berühmt . Als vornehmerer Kollege des Kommerzienraths wurde er von der Dame des Hauses durch ein Aufstehen vom Sopha geehrt und ihm gleich ein Fauteuil untergeschoben , auf dem er sich auch niederließ , ohne in seinem durch Nichts berechtigten unergründlichen Hochmuthe die übrige Gesellschaft weiter eines Blickes zu würdigen . Als die Kommerzienräthin vorhin aufstand , verband sie als kluge Frau dabei das Angenehme mit dem Nützlichen ; denn nach dem Empfang des Bankdirektors begab sie sich in das anstoßende eigentliche Vorzimmer , um dort jene Klasse von Gästen zu empfangen , die es nicht so recht wagten , in das Gemach vorzudringen , wo sich die höchsten und allerhöchsten Herrschaften des Honoratiorenstandes befanden . Auch Arthur folgte seiner Mutter in dieses Nebenzimmer , denn er wußte , daß dort eine größere und angenehmere Auswahl für die lebenden Bilder sein werde . Hier fand sich denn auch bald eine zahlreiche Gesellschaft zusammen , und wuchsen auf dieser Schichte der menschlichen Gesellschaft , die um einige Grade tiefer stand , schon anmuthigere Blumen als droben auf der Höhe bei der dürren Vegetation . Hier waren jüngere Kaufleute mit ihren Frauen , versprechende Beamtentöchter , jüngere Räthe und Räthinnen , und Alle lachten , plauderten und summten vergnügt durcheinander , während drinnen nur hie und da ein ernstes und gemessenes Wort fiel . Dort füllte es sich aber auch nach und nach , denn es wanden sich immer noch dürre Tannen in Gestalt von Regierungs- und Oberregierungsräthinnen , und kümmerliche Fichten , sowie mageres Gestrüpp aller Art , ältliche Gemahlinnen von Finanzdirektoren , geheimen Hofräthen und dergleichen mehr durch das frische und noch grün belaubte Unterholz des Vorzimmers , um die Höhe des Lebens zu erreichen , wo sie eigentlich hingehörten . Arthur spähte nach seinem Freunde , dem Doktor F. , der noch immer nicht erschienen war ; aber er hatte als Arzt viel zu thun und mußte vorerst seine Geschäfte besorgen , ehe er an das Vergnügen denken konnte . Da es übrigens drei Uhr geworden war , so ließ die Kommerzienräthin die Flügelthüre zu dem besprochenen grünen Salon öffnen und die Menge strömte dort hinein . Das jüngere Volk eilte alsbald zu den Staffeleien und betrachtete die aufgestellten Bilder , wobei sich beinahe Jedes eine Rolle aussuchte , die , so sagte man , für seine Persönlichkeit wie gemacht sei . Einige waren dabei bescheiden und meinten , sie würden sich mit Diesem und Jenem begnügen , Andere aber hielten sich für jede Rolle passend ; und leider befanden sich Letztere in der Mehrzahl . Arthur wurde von allen Seiten bestürmt , geschwinde anzugeben , auf welche Art er die Figuren vertheilt habe ; doch er war klug genug , dieß nicht zu thun und versicherte , er müsse nach der Ordnung verfahren und zu einem Tableau nach dem andern die betreffenden Namen aufrufen . Das ging nun ziemlich gut von statten , doch nicht ohne leise Reklamationen der Kommerzienräthin und sehr laute Einreden der betreffenden Damen . Der Maler mußte schon in einen sauern Apfel beißen , und manche gelbe und magere Räthin als jugendliche Erscheinung vorschieben , während frische Mädchengesichter hinten zu stehen kamen . Dabei überließ sich Arthur auch zuweilen einer lustigen Laune ; so übergab er zum Beispiel die Rolle des Holofernes dem Obertribunal-Präsidenten mit dem wilden Gesichtsausdruck , stellte den Bankdirektor als Judas Ischariot und bildete aus drei der vornehmsten und stolzesten Damen eine Gruppe , die er als Nymphen bezeichnete , die aber in Wahrheit Furien vorstellten , was ihm dieselben außerordentlich übel nahmen , als sie es später erfuhren . Jetzt wurde das Decamerone von Winterhalter vorgeschoben , das duftige , schöne Bild , welches dem geneigten Leser gewiß bekannt ist . Es ist jener herrliche Garten bei Florenz , wo an einem Springbrunnen die sieben schönen Paare junger Mädchen und Männer in anmuthigen Gruppen ruhen und der erwählten Königin zulauschen , die erhaben zwischen ihnen sitzt , das schöne Haupt mit Blumen bekränzt . » Ah ! « machten sämmtliche Damen , umringten in einem weiten Kreise das Bild , und auch viele der jungen Herren streckten die Hälse vor , um sich einen passenden Platz auszusuchen . Wenn es allen Wünschen der Anwesenden gemäß gegangen wäre , so hätte man das Bild wenigstens achtmal besetzen können , denn da war fast Keine , die sich nicht für berechtigt hielt , mindestens als Königin da zu sitzen . Einige Ausnahmen fanden