musste sehr heiß sein , sie schöpfte tief Athem , riß Tuch und Kleidungsstücke auf und warf sich auf das Sopha , den Kopf in den Arm gestützt . Sie wollte nichts von dem Geräusch hören , und hörte doch alles , das Aufheben jedes Stuhls , das Klappern der Teller , so leise Mägde und Diener ihr Geschäft verrichteten . Sie gab sich Mühe , tue Tritte jedes Einzelnen zu erkennen , und indem sie sich darüber ärgerte , horchte sie nur immer schärfer . Sie haderte innerlich , diese Magd sollte einen Verweis erhalten , jene entlassen werden . Was glühte in ihren Adern , was war die trockne Hitze , die ihr alle Spannkraft raubte , was die Unruhe , die jede Anwandlung von Schlaf verscheuchte ? Ein verlorener Tag ? Es war nur ein Tag unter vielen . Eine verlorene Schlacht in einem Kriege , in einem langen , trostlosen mit dem Leben . - Und von wem war sie geschlagen ? - Von Allen . Heut , wo sie so sicher auf einen Sieg gerechnet ! - Sie kannte die Gesellschaft , die bösen Zungen , Macht des Lächerlichen . Ihre Niederlage war eine auf lange Jahre hinaus . Sie hörte schon die Fragen mit spöttischem Lächeln : » Waren Sie auch bei dem Zauberfest der Geheimräthin ? « Die ebenso lächelnden Antworten : » Sie hat es sich etwas kosten lassen . Recht schade , wozu das ? « - » Sie hat einmal kein Geschick dazu . « - » Die Apotheose Jean Pauls war doch au comble du ridicule . « - » Und dazu das Unglück noch ! Die arme Frau . Warum wird sie aber nicht klug ! « Oder die bittersten : » Es ist ihr schon recht , daß sie mal die Lektion bekommen ! « Sie war unerschöpflich in der Selbstmarterung , sie vertheilte diese Sarkasmen und Bonmots , zu deren Zielscheibe sie sich selbst machte , unter ihre Bekannten , ihre besten Freunde . Und hatte sie es denn von ihnen anders erwartet ? Sie lachte auf . Ach , das Lachen half nichts . Sie empfand einen ungeheuren Durst , aber nicht Wasser , nicht Wein konnte den stillen . Aber an wem diesen Durst kühlen ? - Laforest , warum musste er das erste Zeichen zum Aufbruch geben , er , der nur gekommen schien , um Audienz zu geben , Huldigungen zu empfangen . Der General , der feige davon lief ? Mochte er laufen . Jean Paul , der , erstickt von Eitelkeit , nur im Lobe sich berauscht , nur mit den jungen Mädchen getändelt , ohne ihr , die sie mit so raffinirter Sinnigkeit das ganze Fest für ihn bereitet , nur ein Wort des Dankes zu sagen , nur die gewöhnlichste Aufmerksamkeit zu erweisen . Alle , alle hatten sich nur um sich bekümmert , um andere Gestirne , sie war eine Einsiedlerin gewesen in ihrer Gesellschaft . Die Dienerschaft draußen musste mit ihrer Verrichtung zu Ende sein . In der Stille hörte man nur noch vereinzeltes Thürenklappen und Hin- und Herlaufen . Sie lauschte aufmerksamer . Den Tritt kannte sie . Der Legationsrath war noch im Hause geblieben ? Er kam grade auf ihre Thür zu . Endlich ein Mensch , ein Geist , der sich ihrer annehmen , mit dem sie ihre Gedanken austauschen könnte . Sie wollte die Thür aufreißen . - Nein , es war an ihm . Gleichviel , wollte er sich melden lassen , klopfen , eintreten . Er blieb stehen . Sie glaubte ihn gähnen zu hören . Er zog sich den Ueberrock an . Er sprach leise mit Lisetten . Es war von Tropfen und andern Hausmitteln die Rede , für eine Magd , die der Schreck niedergeworfen , von einem Thee , den sie dem Geheimrath kochen sollte . Auch dem Johann sollte sie davon eine Tasse geben - von ihr kein Wort ! - Er fragte nicht nach ihr . War sie kein menschlich Wesen ? Hatte der Schreck auf sie keine Einwirkung ? Hatte er sie vergessen ? Er war fort , sie lag wieder auf dem Sopha . Ihre Stirn war so heiß , so heiß - ein kühlender Tropfen nur ! Aber vor dieser Stirn tanzten Bilder in erschreckender Klarheit . Sie wusste jetzt , wer ihre Feindin war . Wen hatte Wandel hinausgeführt , wem seinen Cavalierdienst erwiesen , die gewöhnlichsten Regeln der Artigkeit gegen die Wirthin , wer diese auch gewesen , verletzend . Weil sie die Vornehmere , die Vornehmste war ? O dahinter steckte mehr . Die Fürstin war es , welche unter der Maske der anspruchslosesten Holdseligkeit ihr den Abend verdorben , welche ihr auf ihrem eigenen Grund und Boden eine totale Niederlage beigebracht . Sie hatte das Fest beherrscht , sich Huldigungen darbringen lassen , durch ihr Gespräch sie selbst gefesselt , daß sie ihr Auge der Gesellschaft entzog . Dann , nachdem sie ihr durch die böse Nachricht den Todesschlag versetzt , war sie triumphirend fortgegangen . Aber nicht Zufall war es , - nein , Plan ; ein weit hinausreichender Plan . Der Fürstin , die einen Kreis um sich zaubern wollte , waren die angenehmen Cirkel der Geheimräthin im Wege . Hatte sie nicht in einem langen Gespräch sie nach allen Verhältnissen , Personen ausgefragt ? Wozu das ? Sie wollte auskundschaften , was den Zauber dieses Kreises bilde . Was konnten die fremde , vornehme Frau sonst die Verhältnisse eines bürgerlichen Hauses in Berlin interessiren ! Und jetzt wusste , kannte sie alles , und hatte vielleicht alles zerstört . - Wer würde denn noch ihre Gesellschaft besuchen ? Nicht weil der König sich gegen den Dichter ausgesprochen . O nein , das konnte ihrer Societät gerade einen neuen Reiz geben , die freien muthigen Geister locken , aber vor dem Fluch des Lächerlichen flieht die Geisterwelt . Und er - sollte , könnte ihr dabei