Seele , des Gemüthes - das ist nicht allein die schöne Hülle ! « » So ist es in Wahrheit , « sagte Fenelon - » und wie beklagenswerth ihr Verhältniß auch ist , ermangelt es nicht einer rührenden und versöhnenden Seite , die doch eben nur in diesem schönen Gemüthe liegen kann , das , zur Tugend geschaffen , selbst in seiner Verirrung noch ihr angehört . « » Fast Alle urtheilen so über diese reizende Frau , « rief Leonin - » und darin liegt auch die Entschuldigung des Königs . Wer giebt uns das Recht , die zu richten , die diesem Gefühle unterliegen , für dessen Stärke allein Gott die Prüfung hat - das Jeder einmal zu kennen glaubt , ohne doch für den Andern ein Maaßstab zu sein ! « » Das ist zwar wahr , « sagte Fenelon - » aber es giebt immer noch etwas Schöneres , als sich ihm hingeben ; ihm entsagen nämlich - wenigstens entsagen für die Welt - dann dürfen wir es wieder behalten . Die Liebe ist an sich Etwas - es ist nicht der Besitz , das Hervortreten unserer Empfindung . Es ist das Glück , es zu kennen - seinen höheren , wärmeren Pulsschlag zu fühlen und uns daran zu zeitigen mit allen unseren Kräften . « - In diesem Augenblicke rief die Königin die Herzogin von Bellefonds , die mit ihrem weißen Stabe wie ein drohender Riese an den Stufen des Thrones Wache hielt ; und als diese ihren Befehl empfangen , schritt sie mit unbarmherziger Breite und Feierlichkeit durch den Saal gerade auf die Herzogin von Lavallière zu , welche , einer Ohnmacht nahe , an einem Pfeiler lehnte . » Frau Herzogin von Lavallière , « sprach sie , » Ihre Majestät die Königin ladet Sie ein , sich des Tabourets zu bedienen , welches Ihnen zusteht - legen Sie Ihre Hand auf meinen Arm - ich werde Sie führen . « Alles machte Platz , und die unglückliche Herzogin folgte stumm der Oberhofmeisterin ; und nachdem sie sich tief vor der Königin verneigt , setzte sie sich auf das den Ehrgeiz so Vieler reizende Tabouret , wodurch wenigstens einer Ohnmacht vorgebeugt wurde . - Der König hatte von dem Augenblick an , daß Madame de Lavallière sich nahte , sie nicht mehr aus dem Gesichte verloren , wie er auch , anscheinend ohne Theilnahme , seine verschiedenen Anreden fortsetzte . Auch wußten die Hofleute mit vielem Geschicke Bewegungen zu machen , die dem Könige die volle Ansicht der von ihm angebeteten Frau verschafften . Er zitterte für beide Frauen , denn er sah , wie die Königin kämpfte und die Farbe änderte , wie die Lavallière ihren Empfindungen zu unterliegen drohte , und er liebte sie Beide in diesem Augenblick fast gleich stark , da sie Beide seinetwegen leiden mußten . Doch dies Mal sollte die Königin in seinem Herzen den Sieg davontragen ! Denn , als sie die Herzogin von Bellefonds abschickte , der sinkenden Geliebten einen Platz anzuweisen , dessen Recht sie sich nicht anzueignen wagte , da legte er ihr wenigstens für diesen Abend sein Herz zu Füßen und ehrte sie mit dem besten Danke , den er ihr bieten konnte , indem er ihr selbst ein zärtlich dienender Cavalier ward . Seine theilnehmenden Fragen , wie sie die Anstrengung der Cour vertrüge , belebten augenblicklich ihr mattes Auge mit der Hoffnung , seine Zufriedenheit erreicht zu haben ; und diese reine und uneigennützige Seele , die Nichts ertrotzen wollte , war völlig beglückt und dachte ohne Groll , ja fast mit Liebe an ihre demüthige Nebenbuhlerin . Der König blieb , für sie allein Auge habend , wie es schien , an ihrer Seite , bis sie sich an den Spieltisch begab , und er in einem freien Augenblicke erfuhr , die Herzogin von Lavallière habe sich weg begeben . » Ich hasse Euch Beide ! « rief Mademoiselle de Lesdiguères , indem sie an Fenelon und Leonin vorbei streifen wollte . » Halt , « rief Leonin , » so dürfen Sie den Fehdehandschuh nicht hinwerfen und dann die Flucht ergreifen ! - Womit haben wir das verdient , was Sie um jeden Preis widerrufen müssen ? « » Glaubt Ihr , ich habe Euch nicht beobachtet , « sagte sie - » wie Ihr mit all den Thoren hier denselben Weg taumeltet ? Hattet Ihr etwas Anderes zu sehen , als diese neue Herzogin , an deren Blicken Ihr hinget , wie alberne Kinder am St. Niclas ? O , was das Alles ist , « fuhr sie ungeduldig fort - » wie nicht Einer den Muth hat , es beim rechten Namen zu nennen - wie sie ihm Alle verziehen - und ihm einreden , es sei , weil er es thut , etwas Anderes ! Fahrt nur fort ! Das Beispiel wird wirken ! Hier wandelt schon so viel übertünchte Tugend , als Ludwig sich wünschen kann ; denn Alle , die ihn loben und bewundern und bemänteln , was er thut , haben Lust , es ihm nachzumachen . Wie verächtlich sind sie mir Alle ! Und Ihr Beide , auf demselben Wege Betroffene , Euch hasse ich , und darum hasse ich Euch ! « » Und darum gerade haben Sie Unrecht ! « rief Leonin ; » denn Sie sind der Hauptinhalt unseres Abendgespräches gewesen - diese unglückliche Frau und ihre demüthige Erscheinung hat nur eine kurze , wehmüthige Episode in unserer Unterredung gemacht . « » Und wer hat Euch erlaubt , von mir zu reden ? « erwiederte sie , indem sie Beide mit milderen Augen anblickte . » Das wenigstens können Sie uns nicht wehren , wenn Sie da sind und wir den Vorzug genießen , Sie zu kennen ! - Denken Sie , mein Fräulein , daß Sie Gedanken unterdrücken können , die einmal Ihr Bild aufgenommen haben ? « - Sie blickte ihn an , als