, ihr langes Ausbleiben mit dem plötzlichen Unwohlsein ihrer Mutter entschuldigte , und zugleich um Verzeihung bat , daß sie hier ihren Besuch annähme , und nicht in ihr eignes Zimmer sie führe . Hier darf ich erwarten ungestört mit Ihnen zu bleiben : sprach sie : und da ich jeden Augenblick wieder zu meiner Mutter abgerufen werden kann , so ist es mein sehr verzeihlicher Wunsch ohne Aufschub zu erfahren , auf welche Weise ich hoffen darf Ihnen nützlich zu werden . Ich will nicht erwähnen , daß ich seit längerer Zeit als Künstlerin Sie ehre und bewundere ; das ist etwas worin sich wenigstens die halbe Stadt Petersburg mit mir theilt ; aber unser beider Freund , Richard Wood , hat sie meinem Herzen weit näher gebracht , als Ihre Kunst es könnte , so bewundernswürdig sie auch ist ; und ich freue mich der Gelegenheit Ihnen dieses sagen , und hoffentlich auch beweisen zu können . Wie Frühlingsschnee vor der warmen Sonne , wie Spreu vor dem Winde , kurz wie alles leicht Vergängliche in der Welt , schwand vor Helenens hinreißender Liebenswürdigkeit nicht nur jede unbehagliche Empfindung aus Karolinens leicht beweglichem Gemüthe , sondern sie empfand auch bereuend das Unrecht welches sie , wenn gleich nur in Gedanken , ihr angethan und hätte es ihr laut abbitten mögen , wenn dieses thunlich gewesen wäre . Wenigstens ließ sie von ihrem regen Gefühle zu einem Ergusse von Vertraulichkeit gegen die schöne Freundin ihres Freundes sich hinreißen , der bis dahin gegen eine Dame von so hohem Range ihr unmöglich gedünkt hatte . Eine Ahnung des Verhältnisses zwischen jenen beiden stieg , ungeachtet seiner Unwahrscheinlichkeit , in ihr auf . Sie gestand , daß nur Sorge um Richard sie zu der Prinzessin getrieben , und helle Thränen , die sie kaum zurück zu halten vermochte , perlten dabei in den guten treuen Augen der kleinen Frau . Auch ich habe seit vielen Tagen nichts von ihm vernommen ; gesehen habe ich ihn zwar gestern früh , doch ohne ihn zu sprechen . Das darf uns aber weiter nicht beunruhigen , liebe Madame Lange : erwiederte Helena sehr weich und freundlich . Er ist Militair und die Pflichten seines Standes treten zwischen ihm und seinen Freunden oft sehr gebieterisch ein . Wie ich zufällig hörte , ist er in einem wichtigen Auftrage seines Chefs versendet . Mein Mann suchte ihn diesen Morgen in seiner Wohnung auf ; seit gestern Vormittag haben seine Diener nichts von ihm vernommen , nichts von einer Reise . Nicht den unbedeutendsten Befehl haben Sie von ihm erhalten , der auf eine solche Bezug haben könnte : sprach Karoline , ihre Stimme zitterte merklich ; Helena saß neben ihr , bleich wie ein Marmorbild . Sie wissen mehr als dieß : flüsterte sie in namenloser Angst : bedenken Sie es wohl , wir wuchsen mit einander auf , er ist der Bruder meines Herzens , meiner Wahl ; kann irgend ein lebendes Wesen auf Erden es besser mit ihm meinen als ich ? Theure , theure Freundin meines Freundes , zögern Sie nicht , sagen Sie mir Alles ! Sie haben einen Auftrag an mich , Sie sollen vielleicht auf etwas Entsetzliches mich vorbereiten ; o reden Sie , sprechen Sie es aus , fürchten Sie nichts , ich ertrage alles , nur nicht diese peinlich langsam zögernde Qual ! Helena hatte anfangs Karolinens Hände bittend ergriffen , dann ihren Nacken umschlungen , dann sie an sich gezogen , fest , immer fester ; Karoline fühlte das ängstlich pochende Herz an ihrem Busen schlagen , sah dicht vor sich das schöne bleiche Gesicht , das Auge voll heißer Liebesbitte , und war ohne weitere Erklärung die Vertraute des reinsten innigsten Liebesbundes geworden . Und so entsagte sie fortan jeder Bedenklichkeit , die sie bis dahin noch abgehalten , alles was sie auf dem Herzen hatte , frei und offen auszusprechen . Umständlich , und doch für ihre Zuhörerin noch immer nicht umständlich genug , trug sie jedes Wort ihrer letzten Unterredung mit Richard ihr vor , beschrieb sein seltsames ungewöhnliches Benehmen , wiederholte die fast verworrenen Reden , die ihm , gleichsam unwillkürlich entschlüpften . Helena hing indessen an ihren Lippen , an ihren Augen , als gälte es dem Glück ihres ganzen Lebens , daß kein Ton , kein Blick ihrer Aufmerksamkeit entginge . Und so verließ er uns , indem er die Besorgung seiner beiden Briefe uns nochmals dringend empfahl : endete Karoline : wohin er sich gewendet , ist uns unmöglich zu errathen . Sorge um ihn , die seltsamen Gerüchte , welche dumpf und beängstigend die Stadt heute durchziehen , vereint mit der Verhaftung des Mannes , an welchen einer dieser Briefe gerichtet ist , haben uns bewogen die Erfüllung seines Auftrages um einen Tag zu beschleunigen . Seit ich Sie gesehen , bin ich über diesen Schritt beruhigt , und lege alles vertrauensvoll in Ihre Hände , setzte sie noch hinzu , indem sie die beiden Briefe nebst dem Zettel , in welchem Richard an Helena sie gewiesen , ihr übergab . Wie jetzt alles steht , haben Sie das Beste erwählt : erwiederte Helena , schwer aufathmend , mit erzwungener Fassung : außerordentliche Ereignisse scheinen wirklich im Anzuge zu sein , und was uns Allen bevorsteht , kann Niemand vorhersehen . Doch kommt mein Vater hoffentlich noch heute ; dann lege ich gleich , in der ersten Stunde , alles in seine Hände , und Sie und ich sind jeder Verantwortlichkeit enthoben , was in solchen Fällen für unser Geschlecht immer das Rathsamste ist : setzte sie mit einem Lächeln hinzu , das wie ein Sonnenstrahl in das Herz ihrer Zuhörerin drang . Zoë erschien in diesem Augenblicke um zu melden , daß die Fürstin Eudoxia ihre Tochter mit Ungeduld erwarte . Sie hören es , liebe Madame Lange , andere Pflichten rufen mich jetzt , aber wir sehen uns wieder , und das bald . Sie haben Ihr