dieser so sonderbar und altertümlich ausgeschmückt hatte , als eben der freundliche , stets zierlich gekleidete Greis selber zu ihm trat . » Ich lasse es mir nicht nehmen « , rief er aus , » Ihnen packen zu helfen ; denn das übrige Volk hier ist zu solcher Arbeit zu ungeduldig und viel zu ungeschickt . So ein recht anständig gefüllter Koffer oder Mantelsack muß ganz wie ein vollständiger Mensch sein , jedes an seiner Stelle . Es ist nicht genug , daß die Sachen darin liegen , oder nicht verderben ; man muß auch leicht alles finden können , und Herz muß nicht mit Kopf , Magen mit Hand und Fuß in Widerstreit geraten . « Er lächelte , und bemächtigte sich sogleich , indem er keine Widerrede gestattete , des Mantelsacks . Auch zeigte er sich als Meister , indem er mit Sicherheit alles , ohne Kleidern und Wäsche Gewalt anzutun , einzufügen wußte . » Ja , lieber Herr Leonhard « , sagte er dann selbstgenügsam , » sehen Sie nur zu und merken Sie es sich , denn Sie können , so geschickt Sie auch sein mögen , hier noch etwas lernen . Seit funfzig Jahren und länger habe ich bei allen Reisen für die Baronin , den seligen Herrn und schon dessen Vater das Einpacken besorgt , weil man es mir am sichersten anvertrauen durfte . Bei keinem Geschäft in der Welt ist die Langsamkeit so sehr die wahre Eile , als bei diesem . Sie sehen , mein Plan ist vorher gemacht , und nun muß sich auch alles wie von selber schicken . « Leonhard mußte die Sicherheit bewundern , mit welcher der kleine behende Mann hantierte , ohne daß er je nötig hatte , ein Stück anders zu legen , als er es gleich bestimmt hatte . So schloß sich bequem der Mantelsack , und Joseph sagte dann : » So sollte es freilich mit allen Geschäften in der Welt sein ; aber das ist denn doch nicht möglich . In der Wissenschaft mag es sein wie im Staat , in der Regierung wie im Denken ; es ist allenthalben ein Überlei bei wichtigen Dingen , das sich nicht so bequem will einpressen und quetschen lassen . Ja , ja , die größte Kunst ist dann wohl Ausbeugen , Gutmachen , oft fünfe gerade sein lassen , wo die gerade Zahl doch auch nicht zum Ziele führt . « » Leben Sie denn wohl , lieber Herr Joseph « , sagte Leonhard ; » ich danke Ihnen für alles , auch für diese Ihre gütige , freiwillige Hülfe . « Der Alte gab ihm die Hand ; und sowie er jetzt in das feine redliche Gesicht des berührigen Greises schaute , in diese immer noch so klaren Augen , konnte er es nicht unterlassen , den alten Diener recht herzlich zu umarmen . Joseph schien gerührt und sagte dann : » Mann , Sie sind ein ganzer Mann ! Bleiben Sie so , in dieser edlen , noblen Manier , und lassen Sie sich in Zukunft nicht wieder für einen Professor ausgeben . « » Wie meinen Sie ? « fragte Leonhard erstaunt . » Was ist denn auch ein Professor so Großes « , schwatzte jener weiter ; » aber ich kenne darin unsern jungen leichtfertigen Herrn , der die Leute gar zu gern zum besten hat . Ich vermutete gleich so was , als Sie mir den tiefen Diener beim Aussteigen machten , wo Sie mich für meine Herrschaft hielten . Waren Sie vornehm als Professor , der schon viel mit Adeligen gelebt hatte , so warteten Sie , falls ich wirklich Graf oder Marquis war , geduldig , bis Sie sich mir vom Baron erst hatten vorstellen lassen . Und als ich Sie nun beim Theaterbau so rüstig und tätig sah , wie Sie bei allem selbst Hand anlegten , wie geschickt Sie , ohne erst mal zu probieren , den Hobel führten - was ein schweres Ding ist , wie ich es aus eigener Erfahrung und Stümperei weiß - wie Sie mir dann ein paarmal die Hand gaben : da hatte ich es mit aller Sicherheit weg , daß Sie ein Professionist , und zwar ein Tischler sind . Ja , Männchen , die Hände , die sonst hübsch sind und gut gebaut , müssen Sie einem jeden Kenner verraten . Denn Bein Wuchs , Kopf , Mund , alles kann Anstand und Feinheit gewinnen , aber die harten , um ein weniges zu großen Hände , können Sie so wenig , als ich die Hornhaut auf meinen Fingerkuppen , loswerden . Und wozu auch ? Ich habe mich um so mehr an Ihnen gefreut und keinem Menschen von meiner Entdeckung gesagt . Ach , die Vornehmen ! sie müssen ja immer mehr und mehr das Regiment in unserer verwirrten Welt verspielen . Nicht wahr , dieser Graf Bitterfeld , und gar diese Herren Dülmen , Bellmann , und wie sie alle heißen mögen , diese werden viel ausrichten ? Die Figuren hier auf dem Teppich , diese Sterne , nicht wahr , sie machen das Muster ? Gewiß , und jedes Auge sieht sie auch gleich dafür an . Der Grund wird nur beachtet , weil er diese Formationen , welche die größeren und kleineren Sterne bilden , hervortreibt . Aber ist es nicht derselbe Faden , der Grund und Stern macht , das Bemerkte und Unbemerkte ? Das hat die vornehme Welt schon seit zu lange vergessen . Nun veralten , verbleichen die Sterne , die Fäden reißen ab , und der dunkle Grund wird die Hauptsache . Glauben Sie mir , wir sind an der Zeit , und zwar ganz nahe , daß viele Handwerker so fein , klug und gebildet sein werden , wie eben Sie . So wie der gemeine Mann sich mehr fühlt , und seine unnütze Verlegenheit vor den Höheren ablegt , so ist er durch sich selbst schon gescheiter