die dann dem strengsten Richter genügen müssen . Sie geht ruhig , arglos wie ein Kind , unter all diesen verschiedenen Gestalten hier umher und weiß sich überall zu finden ; aber ein unedles Wort reizt schnell dies sorglose Kind , sie hat ein kräftiges Herz , des edeln Zornes fähig , und wunderbar tritt dann ein ächter Stolz aus ihr hervor . Dann fühlt man erst , wie völlig wahr und natürlich sie gebildet ist , und denkt mit Freuden der schönen Natur , die sie so mäßig , klar und ruhig in allen Verhältnissen bleiben läßt . Nein , ich kann den Glauben an ihre reine Abkunft nicht aufgeben ; es wird noch Licht über sie kommen ; diese Ungerechtigkeit , sie der Mißdeutung preis zu geben , begeht der Himmel nicht an seinem Liebling ! Richmond drückte , bewegt von dem warmen Eifer des edeln Freundes , seine Hand , er hatte das schöne Bild , welches aus seinen beredten Worten vor ihm aufgestiegen , mit einem unaussprechlichen Gefühl als ein bekanntes , zum Leben auferstandenes in seinem tiefsten Gemüthe aufgefaßt und fühlte sich davon zu sehr gerührt , um ruhig plaudernd , wie es die Absicht dieses Beisammenseins verlangte , auszuharren . Auch schien Lord Ormond davon wie von etwas Ausgesprochenem überzeugt . Freundlich , innig preßten sie sich , Abschied nehmend , an einander und Jeder eilte , reich mit eigenen Gedanken ausgestattet , zur willkommenen Einsamkeit . Erst als Ormonds Blicke hier in seinem Zimmer auf eine kleine Zeichnung von Ollonie ' s Hand fielen , gedachte er , wie so ganz er bei jenem Zusammensein mit Richmond seine Absicht außer Acht gelassen , ihn aufmerksam auf Ollonie zu machen . Er blieb betroffen stehn , dann schien ihn plötzlich Schreck und Schmerz zu überwältigen , er hob die Hände gepreßt gegen die Stirn , und wir verlassen ihn , um Richmond zu belauschen , der , sein Zimmer durchmessend , seufzend mehr als ein Mal zu sich sprach : Du armer Bruder ! Längst war das Ereigniß , das ihrer Feindin und ihren Freunden so auffallend ward , aus den Gedanken Maria ' s entschwunden ; wir finden sie in ihrem Zimmer , halb entkleidet , auf einem Tabouret , vor dem mit ihrem Schmuck belegten Nachttisch sitzen , und die alte , ihr zugetheilte und sie zärtlich liebende Kammerfrau beschäftigt , das schöne braune Haar , das wie ein seidner Mantel um ihre Schultern hing , zur Nacht zu kämmen und in Flechten aufzubinden . Doch immer zog sie kopfschüttelnd den Kamm zurück ; denn immer berührte er fünf weiße , schlanke Finger , die trotz der wiederholten Verletzung stets bemüht waren , das zarte Haupt zu stützen , das , schwer von Gedanken , einem unergründlichen Geheimniß nachzusinnen schien . Vergeblich hatte die gute alte Errol gehustet , bei Berührung des Kammes um Verzeihung gebeten , ihre sonst stets heitere , auf die alte Pflegerin aufmerksame Gebieterin blieb heute den kleinen , sonst so leicht verstandenen Bemühungen , eine Unterredung anzuknüpfen , unzugänglich . Ihr seid müde , theure Lady , hob sie nun endlich lauter an , und wenn Ihr Eure liebe Hand zurückziehn wollt , will ich Euch bald zur Ruhe helfen , aber ich muß doch Eure Haare aufbinden . Ein holdes , aber stummes Lächeln war die ganze Antwort , aber die schöne Hand ruhte nun friedlich neben der andern im Schooß und die alte Errol eilte ungestört ihr Werk zu vollenden . Kein Wunder , fuhr sie fort , noch immer bemüht , ihr Rede abzugewinnen , daß Ihr so müde seid ; habt Ihr doch heute Nachmittag gar viel Bewegung Euch gemacht . Wahrlich , Euch kann Niemand übertreffen . Die jungen Damen , so zierlich sie sind , keine weiß bei allen Spielen das zu leisten , was Ihr vermögt , und wäre Lord Richmond nicht gekommen , auch die Kavaliere hättet Ihr besiegt , aber der , das liebe Kind , von Jugend auf war er der Klügste , Beste und Geschickteste ! Lord Richmond , so tönte es jetzt über die Lippen der schweigsamen Lady , Lord Richmond , ja wohl , Du mußt ihn kennen , Du warst ja von Jugend auf in Godwie-Castle . - Ja , Mylady , zu Befehl ; und Anne , meine liebe jüngste Schwester , die an den Master Jepson verheirathet ist , die war seine Amme . Es war von Geburt an ein schönes begabtes Kind , und heute , wie er mit Euch um die Wette durch das seidne Tau lief , da war es mir , als sähe ich ihn wieder als Knaben vor mir . - Aber wo warst Du , Errol , ich sah Dich nicht , als wir heute spielten ? - Euer Gnaden , der Master Lovelace hatte uns erlaubt , die obere Gallerie , die an den Speisesaal stößt und gerade auf den Platz sieht , zu besuchen , denn Alle wollten gern den jungen Herrn sehen . - Während dem war die alte Errol mit ihrer Arbeit zu Ende gekommen . Sie küßte jetzt die schönen Hände , da die junge Dame stets ohne Hülfe ihr Bett bestieg , und entfernte sich , froh , daß sie ganz so freundlich , wie gewöhnlich , von ihrer jungen Herrschaft entlassen worden war . Maria fand sich nun allein . Sie dachte , daß der Augenblick zu beten gekommen sei , und hoffte dann durch den Schlaf ihrer sonderbaren Stimmung enthoben zu werden . Sie kniete in hoffnungsvoller Erwartung des Gebets vor ihrem kleinen Pulte nieder ; aber es blieb Alles stumm in ihr , ihr ganzes Innere schien still zu stehen , und sie selbst stand , wie vor etwas Fremdem , in erstaunensvolle Selbstbeschauung aufgelöst . Wie die Hallen an einem Feierabend vor dem Feste , so war ihr Herz mit dem vollsten Schmucke angethan , aber die lautlose Stille darin zeigte an , daß der