sah ich eine weibliche Gestalt ganz zusammengesunken auf einem Stein sitzen , eine Andere , die neben ihr stand , schien um sie beschäftigt . » Elise ! Elise ! « rief ich , im Begriff , die Erstere zu umfassen . Eine fremde Stimme sagte Italienisch-Französisch : » Mein Herr , die Frau Aebtissin ist ohnmächtig vor Nässe und Kälte in meine Arme gesunken , können wir sie nicht bald von hier fortschaffen , so stirbt sie . « Die Andere lispelte in demselben Augenblick ein Paar Worte , die ich nicht verstehen konnte , so leise wurden sie gesprochen . Doch glaubte ich ein heftiges Zittern und krampfhaftes Klappern der Zähne an der Unbekannten wahrzunehmen . Ob ich nun gleich in meiner Erwartung getäuscht war , so durfte ich dies unter diesen Umständen doch nicht anders als ein Glück nennen . Mit einer Art Dankbarkeit im Herzen , Sie , geliebte Freundin ! nicht in solcher Gefahr zu wissen , erbot ich mich , die Dame in einem Fischerkahn , welchen ich , an einer umgestürzten Weide geknüpft , im Schilfe entdeckt hatte , hinüber zu fahren , wenn sie sich mir anvertrauen wolle . Jene stand mit seltsamer Heftigkeit von ihrem Platze auf , und ohne etwas zu sagen , versuchte sie , dahin zu folgen , wohin ich sie geleitete . Es zeigte sich aber bald , daß sie unfähig war , einen Schritt zu thun ; ich nahm sie daher auf meinen Arm , und setzte sie sanft in das flache Boot , das der Postillon und ein alter italienischer Diener mit Mäntel und Decken belegt hatten . Ich ergriff das Ruder , und stieß , mit der Versicherung , den Zurückbleibenden bald Hülfe zuzusenden , vom Ufer ab . Sonderbarer war nicht leicht eines Menschen Lage ! Mitten auf dem unwillig gehorchenden Elemente , allein mit einem unbekannten Wesen , das lautlos , dicht in Mantel und Schleier gehüllt , geisterartig da saß , und durch Nichts ein lebendiges Dasein verrieth , als durch jenes fieberhafte Zittern , und von Zeit zu Zeit durch einen tief aus dem Herzen gehenden Seufzer . Sie kennen meine Empfänglichkeit für grauenhafte , geheimnißvolle Eindrücke . Ich fühlte meine Brust beklemmt , und war doppelt froh , als ich sah , daß mein Beispiel Mehrere im Ort anfeuerte , und man mit Kähnen und Laternen herbeiruderte ; die Leute der Dame erreichten uns , als wir angelegt hatten . Beide Frauen dankten flüchtiger , als es meine Bemühungen wohl verdient hätten . Ich machte nichts daraus , zufrieden , sie gerettet , und in einem abgelegenen Kämmerchen in Sicherheit zu wissen . Des andern Morgens waren sie , ehe ich noch erwachte , auf und davon . Schmid und Stellmacher mußten die ganze Nacht arbeiten , um den Wagen wieder herzustellen . Sie dachten an nichts , als nur fortzukommen . So ist die Welt ! Jedweder in ihr sieht sich und was ihm eben wichtig dünkt . Elise ! ich dachte an Sie , und vergaß bald das Vorübergehende . lohnen Sie mich für die Prüfungen dieser Stunden durch Ihre baldige Ankunft an einem schönen , sonnenhellen Tage . Sophie an die Oberhofmeisterin Sie untersagen mir , liebe Freundin ! den verhaltenen Ton Ihrer Seele auch nur entfernt anzurühren . Und doch schreiben Sie mir , und wollen , daß ich Ihnen antworte ? Sie haben im Grunde recht , so widersprechend es scheint . Kenne ich Sie doch bis in die kleinste Bewegung Ihres Innern ! und Sie wissen , daß ich Sie so kenne . Der Ton bedarf keiner Berührung , um zu klingen . Jeder Laut , jeder Athemzug in Ihnen geht aus ihm hervor ! Doch wozu auch diese Worte ! Sie sind zurückgekehrt an den Hof ! Sie wollen dort bleiben ! Es überraschte mich , als ich es erfuhr . Sie wollen sein , wie Sie sind ? oder erscheinen , wie Sie sich geben ? Vielleicht beides . Dem sei nun , wie ihm wolle , so viel Selbstüberwindung ist erstaunenswerth . Was mich indeß noch mehr überrascht , ist Ihr Interesse an dem , was Sie nur schmerzlich bewegen , und in die Heiligkeit der Trauer , bittere , herbe Empfindungen zu mischen droht . Ich erschrack fast , da ich Ihre Fragen nach Hugo und Elise , nach dem Verhältniß beider , und ihren Plänen für die Zukunft , las . Ist das ein Gegenstand , der Sie beschäftigen kann ? Verzeihen Sie mir , wenn ich den Grund dieser Theilnahme nicht sanftern Gefühlen zuschreibe . Wenn ich vielmehr fürchte , es lebe darin noch ganz die leidenschaftliche Eifersucht fort , die keine schönere Sorge mehr rechtfertigt , und weniger der Liebe als dem Hasse angehört . Ja , gestehen Sie sichs nur immer selbst , es verlangt Sie , von dem peinlichen , ungünstigen Geschick der hart Gedemüthigten , von Elisens zerstörtem Frieden , ihrer früh gewelkten Jugend , von Hugo ' s schwankendem Umhergreifen , seinen Kämpfen und inneren Plagen zu hören . Was wollen Sie damit ? Die Ueberzeugung gewinnen , daß hier das Leben nichts ausgeglichen , nichts anders gemacht hätte ? und der Tod zu segnen sei , der das reinste Opfer auf einen Streich fallen ließ ? Die Ueberzeugung hatten Sie lange . Nein , Sie wollen nicht ruhiger werden , Sie stacheln die unbequemste aller Regungen , die Mißgunst in sich wach . Vergessen Sie , daß Niemand mehr , als Sie selbst darunter leiden ? Und wenn sich nun Alles anders fände , als Sie es finden möchten ? Wenn Hugo ' s unstäter Trieb nach äußerer Beschäftigung sich in geordneter Wirksamkeit befriedigte , er auf seinem Platze feststehend , die Pflichten übte , die Welt und Beruf von ihm fordern ? Wenn er dem Wohlthäter dankbar , jeden andern Wunsch opfernd , nun bemüht wäre , sein einsames Alter zu erheitern ? Wenn stille , ernste Trauer jene unfruchtbare