entgelten soll die Frevel seiner Erzeuger . Weise uns nicht hinaus in das wilde feindliche Treiben , das uns verschlingen würde ! Ich habe nie gelernt , allein zu wandeln die Bahn des Lebens , .... wie soll ich es jetzt beginnen , da mir alle Stützen brachen ? .. mit ihnen mein Muth ? « » Du fühlst es also , « zürnte Wallrade , - » Du fühlst es , daß der Strudel der Welt Dich hinabziehen würde , und zögerst noch , in den sichern Hafen zu schiffen ? Du bist Dir bewußt , schwächer zu seyn als ein Kind , und sträubst Dich , nach dem treusten Stab , nach dem Kreuze zu fassen ? Thörichte , in Sünde und eitle Sinnenlust Verstrickte ! Ich sollte Dich vergehen lassen im Verderben , .... aber noch einmal wendet sich Dir mein Herz zu . Gelobe , ehe es zu spät wird , meinem Willen zu gehorsamen . Rette Dich zu den weißen Frauen . Streng ist ihre Regel , aber herrlich und süß die Zukunft , die sie durch dieselbe erkaufen . Nicht Deine Strafe allein wendest Du vom schuldbewußten Haupte ab .... auch Deines verbrecherischen Buhlen Pein kannst du mildern , ihm ein sanfteres Loos in jener Welt erwirken ! .... « » O , welch einen Gedanken fachst Du in meinem Gehirn an ! « versetzte Katharine , erhoben durch die Vorspiegelung der Falschen : » Wenn mich eine Ursache bestimmt , - ein Verlagen , so ist es der Wunsch , das Begehren , ihm , der mich elend machte , durch Wohlthat und Liebe zu vergelten ! Ja , ja ! ich folge Dir - unbedingt - sein Seelenheil zu retten ! - Aber ... fügte sie erschüttert und schmerzlich hinzu : Aber ... mein Gott ! das zerreißt mein Herz ! ... was wird aus meinem Kinde ? « » Deine Demuth , Deinen Gehorsam belohnt der Herr auf der Stelle ! « sprach Wallrade prunkend : » Deine Tochter sey die Meine . Nie werde ich mich vermählen , und in Deinem Kinde die Mutterfreuden kennen lernen , die ich nicht durch die Umarmung eines Mannes erkaufen möchte . Von Zeit zu Zeit bringe ich Dir das Mägdlein in deine Abgeschiedenheit , um es zu küssen , um es zu segnen , und zu sehen , wie mild und gut ich ' s mit Dir meine . « Mit der Wonne höchster Dankbarkeit umschlang Katharine Wallraden . » Du bist eine Heilige ! « - jubelte die arme Mutter : » An Deine hohe Tugend reichen meine Sinne nicht ! Noch vor wenig Augenblicken sah ich eine Feindin in Dir , und nun zwingst Du mich , als meine größte Wohlthäterin Dich zu verehren ! « Wallrade , welcher der herzzerreißende Auftritt , trotz der Siegesfreude , die ihr daraus erwuchs , zu lange dauerte , beeilte sich , ihm rasch und durchgreifend ein Ende zu machen . Sie versicherte unter den kräftigsten Betheuerungen der Ärmsten ihre unwandelbare Zuneigung , ermahnte sie , dem mühsam abgerungenen Vorsatze treu zu bleiben , und versprach ihr zum folgenden Tag die Einführung in das Kloster der weißen Frauen , woselbst unter ihrer Vermittlung die Aufnahme vorbereitet werden sollte . Hierauf redete sie ihr zu , das Lager zu suchen , um durch Ruhe den Sturm ihres Gemüths zu beschwichtigen , und überließ sich , nach Katharinens Entfernung , einem tiefen Nachdenken , dessen Ergebnisse am nächsten Morgen sich offenbaren sollten . Zweites Kapitel . Reichthum heißt nicht , Gold und Silber zu besitzen , sondern was man liebt . Serbisches Lied . Frau Margarethe stand umwölkten Blicks vor dem Kästchen , in welchem auf schwarzem Sammtgrunde die goldne Kette lag , womit ihr Gemahl sie zur Feier ihres heutigen Geburtstages bedacht hatte . Sie hätte mit sich selber grollen mögen , die Beschenkte . Herr Diether hatte so herzliche Worte der Liebe zu ihr gesprochen , und trotz ihrem aufrichtigen Bemühen , solcher Liebe würdig zu seyn , konnte sie kein ähnlich Gefühl in ihrer Brust hervorzaubern . Ehrfurcht und Sorgfalt , den greisen Mann zu rächen , fand sie ihre Seele bereit , aber jene Empfindung , die so zart bewegt , so sanft erwärmt , so selig beglückt , war und blieb ihr fremd . In der prachtvollen Kette , diesem Zeichen von Diether ' s liebevollem Wohlgefallen , sah sie nicht den Schmuck sondern nur die neue Fessel . Eine befriedigende Selbsttäuschung hatte sie bis jetzt verblendet , und erröthend , widerstrebend mußte sie sich gestehen , daß sie sich betrogen , daß sie für Diether nur ein Herz habe , - kalt wie das Metall , aus welchem das vorliegende Festgeschmeide gefertigt . » Wie bin ich doch so unglücklich ! « sprach sie düster vor sich hin : » Ich möchte gerne redlich meine Pflicht erfüllen , wie es meines Eheherrn fromme Güte verdient , und dennoch - meinem Willen zuwieder - kommt mir wie Heuchelei vor , was ich thue und rede . Ach ! hätte doch mindestens der Himmel meinen Johann erhalten ; .... ich könnte alsdann in Diether den Vater meines Kindes lieben ! Aber das Unglück war nicht abzuwenden , ... nur zu verdoppeln durch eine verrätherische Lüge ... « setzte sie leise und unmuthig hinzu . Rasch warf sie den Deckel des Kästchens zu , und wollte dasselbe in ihre Spinde schieden , aber mit Staunen bemerkte sie nun , daß sie nicht allein gewesen . Der Schultheiß , ein schöngewachsener in den fünfziger Jahren noch stattlich aussehender Mann , dessen Gestalt ein geschmackvoller . Anzug noch erhob , war , ohne von Margarethe gehört worden zu seyn , in das Closett getreten . Diether ' s Gattin verneigte sich bestürzt , suchte in den Augen des edlen Herrn zu lesen , ob er etwa vernommen , was beinahe unwillkürlich ihren Lippen entwischte , ersah jedoch zu ihrem Vergnügen nichts anders darin , als