jenes Band am Schleier , zur Beschämung Annens , aufzuschneiden . Faust aber schlug so begeistert den Takt des Tanzes umher , daß er dieses Messer tief in Antons Arm an eben der Stelle einschlug , wo er damals die Ader öffnete , um die Transfusion des Blutes zu bewirken . Ein Blutstrahl sprang aus der Ader über den Brunnen nach Frau Annen hin , Mantel und Schleier sank von der Schulter Antons , alle erstarrten und Konrad rief : » Ich bin unschuldig an dem Blute ! « - Frau Anna sank erblaßt am Brunnen nieder , ihr letztes Wort war : » Fluch und Rache über euch ! « Anton sah und hörte nur sie und sein Zorn machte sich frei . Mit einem Faustschlage traf er Faust , daß er an die Seite taumelte , mit dem andern Konrad , der ihn halten wollte . Das Geschrei der Frauen verkündete gleich außerhalb Mord und Totschlag , Konrad stürzte blutend aus dem Brunnenhause . Die Reisigen waren gleich beisammen , sie sahen ihres Führers Blut , sie nahmen ihn in ihre Mitte , zogen ihre Schwerter und machten sich Luft , um nicht im engen Gartenraume von den Bürgern , die sie dazu eben vorbereitet und im Werk glaubten , gegen die Mauern gedrängt und erschlagen zu werden . Haring rief nahe den Reisigen die Bürger zusammen , aber ehe er noch seinen Degen aus der Posaune ziehen konnte , stürzte ihn ein Reisiger auf die Posaune , diese schob sich zusammen und die Spitze des Degens in seine Kehle , so daß er als der erste Tote fiel . Die Bürger konnten in Überraschung erst allmählich zu ihren versteckten Waffen kommen , sie konnten den Auszug der Reisigen aus dem Garten und dem Hof auf den Rathausplatz nicht hindern , wo diese sogleich die Hauptstraße besetzten , um zu ihren Pferden zu gelangen und im Notfall abziehen zu können . An Harings Blute erhitzte sich das Blut aller Bürger . Umsonst suchten verständige Frauen und Töchter ihre Männer und Brüder von dem Kampfplatze in ihre Häuser zu ziehen , weil die Straßen in diesem Augenblicke noch größtenteils frei waren , während törichte Frauen aus Harings Verwandtschaft ihre Männer zur Rache aufriefen , indem sie ihnen schworen , daß sie ihnen jeden Schimpf antun wollten , wenn sie das von den übermütigen Reisigen litten . Der Bürgermeister Kranz vermehre das wilde Geschrei mit seinen Klagen um den Faust , den er blutig fortführte ; er hatte keine Seele , um auf die Leute in gutem zu wirken , und kein Herz , sie in den Streit zu führen . Sein Schwager , der dürre Jäger , vereinigte dagegen alle Bürger , die sich allmählich bewaffnet einfanden , mit dem Geschrei : » Blut will Blut , wir sind zehne gegen einen . « So tobte die Menge der Bürger ihm nach auf den Marktplatz , die Reisigen anzugreifen : während dort das Geschrei , das Rasseln der Rüstungen , das Schlagen der Waffen , das Trotzen und Aufmuntern der Mutigen , mit allem Jammer und Hülferufen der Bedrängten und der Frauen aufloderte , das Getrappel der Pferde , das Bellen der Hunde mit Feuerlärm sich mischte , versank der Garten in eine tiefe Totenstille . Anna erwachte erst in dieser Stille , eine niedergefallene Kerze hatte ihr Haar ergriffen , sie glaubte in Feuer zu stehen , aber in dem Augenblicke , wo sie sich bewegte , sank das Haar knisternd in das Brunnenbecken , neben welchem sie lag . Das Haar war verloren , wie bei einer Nonne , ihr Leben war gerettet , sie besann sich und ergriff die Kerze , welche am Boden lag , und richtete sich auf . Da erkannte sie , daß sie nicht geträumt habe , und sah Anton entseelt ausgestreckt über die Stufen des Brunnens ; mit seinem Zorne war auch seine Kraft um so schneller durch die geöffnete Ader entströmt . Sie sah ihr Kleid von seinem Blute gerötet , es rief in ihr mit einer fremden Stimme , als wäre es Berthold , der es ihr zuriefe : » Armer Anton , junges Blut ! « Und sie mußte mit Verzweifelung sich zurufen : » Anna , Alma , du trägst sein Blut , du trägst die Schuld seines Todes , der Brunnen der Gnade hat aufgehört zu fließen , du kannst deine Seele nicht rein baden . « Wer möchte ein zweites Erdenleben um die Verzweifelung eines so reinen Herzens erkaufen ! Guter Berthold , du warst betrogen , armer Anton , dir kostet ' s dein junges Blut ! Die Verzweifelung trieb Annen , jedes Mittel zu versuchen , das ausströmende Blut von Antons Wunde zu stillen , sie schrie umsonst nach Hülfe , die Raserei und die Furcht des Kampfes betäubte alle Bewohner der Häuser . Sie zerriß Schleier und Mantel , um das Blut zu stillen , aber es war zu mächtig in seinem Andrange . Endlich kniete sie nieder , als ihre Kraft , ihre Einsicht erschöpft waren , flehte zu allen Heiligen , denen sie sich je empfohlen , und heftete ihre Lippen auf die Wunde , ohne zu wissen , was sie tat . So still betend hoffte sie zu vergehen , und zugleich mit dem , dessen Tod sie in falscher Klugheit verschuldet , vor dem Richter der Welt zu stehen . Wird sich die Wunde nicht schließen bei dem Gebete , bei dem Drucke so schöner Lippen ! Der Lärmen des Kampfs stillt sich , die Reisigen drängen sich fliehend zum Tore hinaus , die Bürger ihnen nach : die Verwundeten sind heimgetragen , die Toten schweigen und die Nacht wird still , daß Anna die Mühlenräder in der Rems und die Räder der Turmuhr in ihrem festen , gleichen Gange zusammen hören kann mit ihrem heftig schlagenden Herzen . Ein Glaube dringt mit dem Glanz der Sterne in ihr Herz , sie werde vergehen , oder Anton werde