so sei ihm doch die Verkleidung weiter nicht aufgefallen , da er von dem Anschlage des Grafen , im Schlosse des Barons in Mönchshabit zu erscheinen , denselben ein ganzes Jahr zu tragen und so auch wohl noch höhere Dinge auszuführen , unterrichtet gewesen . Geahnt habe er wohl , wo der Graf zum Kapuzinerrock gekommen sei , da er den Tag vorher gesagt , wie er einen Kapuziner im Dorfe gesehen und von ihm , wandere er durch den Wald , seinen Rock auf diese oder jene Weise zu bekommen hoffe . Gesehen habe er den Kapuziner nicht , wohl aber einen Schrei gehört , bald darauf sei auch im Dorf von einem im Walde ermordeten Kapuziner die Rede gewesen . Zu genau habe er seinen Herrn gekannt , zu viel mit ihm noch auf der Flucht aus dem Schlosse gesprochen , als daß hier eine Verwechselung stattfinden könne . - Diese Aussage des Reitknechts entkräftete Reinholds Meinung , und nur Viktorins gänzliches Verschwinden blieb unbegreiflich . Die Fürstin stellte die Hypothese auf , daß der vorgebliche Herr von Krczynski aus Kwiecziczewo eben der Graf Viktorin gewesen sei , und stützte sich auf seine merkwürdige , ganz auffallende Ähnlichkeit mit Francesko , an dessen Schuld längst niemand zweifelte , sowie auf die Motion , die ihr jedesmal sein Anblick verursacht habe . Viele traten ihr bei und wollten , im Grunde genommen , viel gräflichen Anstand an jenem Abenteurer bemerkt haben , den man lächerlicherweise für einen verkappten Mönch gehalten . Die Erzählung des Försters von dem wahnsinnigen Mönch , der im Walde hausete und zuletzt von ihm aufgenommen wurde , fand nun auch ihren Zusammenhang mit der Untat Viktorins , sobald man nur einige Umstände als wahr voraussetzte . - Ein Bruder des Klosters , in dem Medardus gewesen , hatte den wahnsinnigen Mönch ausdrücklich für den Medardus erkannt , er mußte es also wohl sein . Viktorin hatte ihn in den Abgrund gestürzt ; durch irgend einen Zufall , der gar nicht unerhört sein durfte , wurde er errettet . Aus der Betäubung erwacht , aber schwer am Kopfe verwundet , gelang es ihm , aus dem Grabe heraufzukriechen . Der Schmerz der Wunde , Hunger und Durst machten ihn wahnsinnig - rasend ! - So lief er durch das Gebirge , vielleicht von einem mitleidigen Bauer hin und wieder gespeiset und mit Lumpen behangen , bis er in die Gegend der Försterwohnung kam . Zwei Dinge bleiben hier aber unerklärbar , nämlich wie Medardus eine solche Strecke aus dem Gebirge laufen konnte , ohne angehalten zu werden , und wie er , selbst in den von Ärzten bezeugten Augenblicken des vollkommensten ruhigsten Bewußtseins , sich zu Untaten bekennen konnte , die er nie begangen . Die , welche die Wahrscheinlichkeit jenes Zusammenhangs der Sache verteidigten , bemerkten , daß man ja von den Schicksalen des aus dem Teufelsgrunde erretteten Medardus gar nichts wisse ; es sei ja möglich , daß sein Wahnsinn erst ausgebrochen , als er auf der Pilgerreise in der Gegend der Försterwohnung sich befand . Was aber das Zugeständnis der Verbrechen , deren er beschuldigt , belange , so sei eben daraus abzunehmen , daß er niemals geheilt gewesen , sondern , anscheinend bei Verstande , doch immer wahnsinnig geblieben wäre . Daß er die ihm angeschuldigten Mordtaten wirklich begangen , dieser Gedanke habe sich zur fixen Idee umgestaltet . - Der Kriminalrichter , auf dessen Sagazität man sehr baute , sprach , als man ihn um seine Meinung frug : Der vorgebliche Herr von Krczynski war kein Pole und auch kein Graf , der Graf Viktorin gewiß nicht , aber unschuldig auch keinesweges - der Mönch blieb wahnsinnig und unzurechnungsfähig in jedem Fall , deshalb das Kriminalgericht auch nur auf seine Einsperrung als Sicherheitsmaßregel erkennen konnte . - Dieses Urteil durfte der Fürst nicht hören , denn er war es allein , der , tief ergriffen von den Freveln auf dem Schlosse des Barons , jene von dem Kriminalgericht in Vorschlag gebrachte Einsperrung in die Strafe des Schwerts umwandelte . - Wie aber alles in diesem elenden vergänglichen Leben , sei es Begebenheit oder Tat , noch so ungeheuer im ersten Augenblick erscheinend , sehr bald Glanz und Farbe verliert , so geschah es auch , daß das , was in der Residenz und vorzüglich am Hofe Schauer und Entsetzen erregt hatte , herabsank bis zur ärgerlichen Klatscherei . Jene Hypothese , daß Aureliens entflohener Bräutigam Graf Viktorin gewesen , brachte die Geschichte der Italienerin in frisches Andenken , selbst die früher nicht Unterrichteten wurden von denen , die nun nicht mehr schweigen zu dürfen glaubten , aufgeklärt , und jeder , der den Medardus gesehen , fand es natürlich , daß seine Gesichtszüge vollkommen denen des Grafen Viktorin glichen , da sie Söhne eines Vaters waren . Der Leibarzt war überzeugt , daß die Sache sich so verhalten mußte , und sprach zum Fürsten : Wir wollen froh sein , gnädigster Herr , daß beide unheimliche Gesellen fort sind , und es bei der ersten vergeblich gebliebenen Verfolgung bewenden lassen . - Dieser Meinung trat der Fürst aus dem Grunde seines Herzens bei , denn er fühlte wohl , wie der doppelte Medardus ihn von einem Mißgriff zum andern verleitet hatte . Die Sache wird geheimnisvoll bleiben , sagte der Fürst , wir wollen nicht mehr an dem Schleier zupfen , den ein wunderbares Geschick wohltätig darüber geworfen hat . - Nur Aurelie ... « - » Aurelie , « unterbrach ich den Prior mit Heftigkeit , » um Gott , mein ehrwürdiger Vater , sagt mir , wie ward es mit Aurelien ? « - » Ei , Bruder Medardus , « sprach der Prior sanft lächelnd , » noch ist das gefährliche Feuer in deinem Innern nicht verdampft ? - noch lodert die Flamme empor bei leiser Berührung ? - So bist du noch nicht frei von den sündlichen Trieben , denen du dich hingabst . - Und ich