selbst deine Großmut rechnest du dir als Schuld an ; wie soll ich vor Gott bestehen ; laß mich einsam in einem Kloster meine Schuld büßen , vielleicht können die Jahre uns wieder ausgleichen ; Gott vergebe dem Herzoge , ich kann ihm nicht vergeben , vor dir aber vergehe ich in Scham und verzweifle in Reue . « - Bei diesen Worten schwankte sie aus dem Zimmer ; der Graf stand gegen das Verbot seines Wundarztes vom Lager auf , aber er fühlte einen großen Schmerz , er klingelte und der alte Bediente kam . - » Hör « , sagte er , » geh zu meiner Frau , sei nicht neugierig , sei verschwiegen , vielleicht erfährst du einmal alles ; jetzt hüte sie vor Unglück , ermahne sie zu allem Guten , du hast ihr Zutrauen . « Der Alte wußte nicht , was er sagen sollte , doch meinte er , daß schon lange nicht alles gewesen , wie es sein sollte . Er ging zu seiner gnädigen Frau , mußte aber vor der Türe warten ; sie hatte sich eingeschlossen . Nach einigen Minuten gab sie ihm einen Brief heraus , an ihren Mann , und so mehrere bis zum Abend - Briefe so zerreißend jammervoll , wie kein Schuldloser sie schreiben kann ; der Graf antwortete ihr ernst , aber trostreich . Den folgenden Tag war sie so ermattet , daß sie im Bette blieb , aber den Alten zu sich hereinrief ; sie war sonst doch gegen ihn etwas herrschend gewesen , er war es von Jugend an gewohnt ; jetzt kränkte es ihn tief , seine Gräfin so in sich zerknirscht zu finden , daß sie ihm wie einem Gerechten , dessen Urteil sie fürchtete , lange Entschuldigungen vorausmachte . Sie konnte es nicht lassen , ihm ihre Geschichte unter vielen Tränen zu erzählen ; sie mußte einen Vertrauten haben und seiner Verschwiegenheit war sie völlig gewiß . Der Alte ärgerte sich innerlich , daß er alles das mit seinem guten Eifer weder bemerket noch gehindert ; er tröstete sie nach seiner Art recht gut . Am Schlusse ihrer Beichte sagte sie : » Ist Gott gerecht , daß er dem frommen Manne , meinem Grafen , ein so lasterhaftes Weib gegeben und meiner frommen Schwester einen so lasterhaften Mann ? « - » Liebe gnädige Frau , wer so gefehlt hat , soll Gott nicht verurteilen ; mir fällt eine alte Erzählung bei diesem Vorfalle ein , die Gottes geheime Absichten recht eindringlich darstellt ; wenigstens vertreibt sie Ihnen die böse Zeit . - Als unser Herr Christus mit Petrus noch auf Erden wandelte , kam er einst an eine Wegscheide : da wußten alle beide nicht , welches ihre Straße ; denn unser Herr bei aller seiner Erkenntnis Gottes wollte doch in allen menschlichen Dingen wie ein anderer Mensch sein , damit ihn die Menschen verstehen könnten . Nun stand aber ein Baum allda , unter dessen Schatten ein Bauernknecht seine Mahlzeit hielt . Der Herr fragte ihn freundlich nach dem Wege gen Jericho ; der träge Bauer antwortete ihm aber kein Wort , sondern stopfte sich das Maul immer voller und aß fort , als stände niemand vor ihm . Wie sie da in Zweifel also lange genug gestanden und nach allen Weltgegenden hinausgesehen hatten , da kam eine Magd gelaufen von weither , die Sichel in der Hand , die Schürze halb voll von Gras , die hatte ihre Zweifelhaftigkeit wohl bemerkt , und fragte , wohin sie gedächten , und geleitete sie weit hinaus auf den rechten Weg , von dem sie abgeirret waren ; dann lief sie eilig zurück nach ihrem Acker zur Arbeit und nahm nicht ihr Trinkgeld , und hörte nicht einmal auf ihren Dank . Da sprach Petrus : Meister , die Guttat zu belohnen , mußt du ihr einen wackern Mann bescheren . Da sprach der Herr : Der faule Knecht , der dort im Schatten saß und zu träge zum Sprechen war , der wird ihr Mann . Und als sich Petrus darüber verwunderte , sprach unser Herr weiter : Der Mann würde gänzlich verderben ohne eine fromme gute Frau ; die Frau aber würde sich zu viel einbilden auf ihren Fleiß , auf ihr Geschick , denn Eitelkeit tritt der Tugend in die Fußstapfen ; also schließt Gott ungleiche Ehen , auf daß eines helfe des andern Bürde tragen , und also sie beide bleiben in Ehren . « Diese Erzählung , die der Alte aus unserm braven alten Hans Sachs gelernt hatte , schien die Gräfin ernstlich zu beruhigen . Als ihr Mann nach ein paar Stunden sich zu ihr hatte führen lassen , erklärte sie ihm mit festerer Stimme , sie habe keinen eignen Willen mehr , sie unterwerfe sich seiner Einsicht ganz , er möge ihr gebieten . Vergebens suchte er sie zu stärken , sie war innerlich in sich wie gebrochen , und ihre Reue war ihm ein steter Vorwurf . Oft wünschte er sich tot , um diesem zwangvollen Verhältnisse entnommen zu sein , denn selbst seinen Ernst und seine Trauer suchte er ihr schonend zu verbergen ; aber das Leben hört selten auf unsre Bitten , nur gewaltsam läßt es sich regieren , hemmen und erwecken , und wem ist dazu ein Recht gegeben ? Bald genas er völlig und durchstrich wieder dieses Schloß , diesen Garten , wo jede Stelle mit seinem Glücke , mit seinem Unglücke bezeichnet war , und alles das mußte er verschweigen . Wem solch ein Verhältnis nie begegnet , der hat es doch sicher in unsrer Zeit allgemeiner Teilnahme an politischen Ereignissen erlebt , daß Leute aus Rücksichten gerade von allem dem , womit ihre Seele einzig beschäftiget , kein Wort sprechen durften ; so ungefähr saßen der Graf und die Gräfin häufig einander gegenüber und blickten seitwärts , um einander nicht abzusehen , was sie einander nicht sagen mochten . Sein Wunsch wäre eine Reise gewesen ,