Gewebes , das ihm ein unseliger Zufall in die Hand spielte , dadurch nur fester um mich zog ! Er bot mir seine Begleitung an - wie konnte ich sie ausschlagen ? Es lag mir auch zuviel daran , durch ihn etwas Bestimmteres von dieser Larissa zu erfahren . Er hatte sie in Nicäa , unter dem Namen Theophania kennen gelernt , und ich müßte mich sehr irren , wenn sie nicht einigen Eindruck auf ihn gemacht hat . Wie sie den Händen der Gothen und dem Tode entgangen ist , wußte er nicht zu sagen , oder wollte es nicht . Genug sie lebte , und trieb mit seiner Kunst ihr Spiel so lange und so geschickt , bis sie endlich , ohne sich blos zu geben , in Agathokles Nähe , und zu der Möglichkeit gekommen war , ihre alten Ansprüche geltend zu machen . Er hat ihr in Nicäa nachforschen lassen - sie spielte die Spröde , entfloh ihm , um ihn mehr zu reizen - und ließ sich endlich hier von ihm finden . Die Heuchlerin ! Ich schlief die Nacht wenig . Entgegengesetzte , quälende Empfindungen durchkreuzten mein Innerstes . Ich beschloß , meinem Vater die ganze Sache zu entdecken . Er nahm sie so auf , wie ich besorgt hatte - nicht hart , aber streng . Was mich am tiefsten verwundete , war die Wahrnehmung , daß nicht meine Neigung für Agathokles , nur mein gewagter Schritt seinen Tadel erregte . Eine unverhehlte Achtung , eine väterliche Zuneigung sprach sich unwillkührlich in seinen Aeußerungen aus , und ich fühlte mit tiefem Schmerz , daß ihm dieser Schwiegersohn vor allen Andern lieb gewesen wäre . Spät am Abend dieses Tages - du kannst denken , daß ich nicht mehr zu Agathokles ging - ließ sich Constantin melden . Sein Besuch ist eine solche Seltenheit in unserm Hause , daß mich unter den jetzigen Umständen eine schaurige Ahnung böser Neuigkeiten überlief . Sie hatte mich nicht getäuscht . Nach einer artigen Einladung kam er auf die Ursache seines Besuches . Die Gastfreundschaft , die so lange zwischen unserm und Agathokles Hause bestanden habe , lasse ihn vermuthen , daß wir Alle - merke wohl , Sulpicia , er war zartfühlend genug , um mich nicht allein zu nennen - wahren Antheil an dem Schicksal unsers Freundes nehmen würden , und er habe uns eine sehr günstige Wendung desselben zu berichten . Agathokles habe seine Larissa wieder gefunden , sie sey durch wunderbare Ereignisse , die er uns ganz vollständig erzählte , dem Tode und der Gefangenschaft entgangen , habe sich vor den Nachstellungen eines bösen Menschen hieher in das Wittwenhaus geflüchtet , ihrer Sorgfalt sey Agathokles , der keine Ahnung von ihrer Gegenwart , und kaum eine von ihrem Leben hatte , übergeben worden , sie habe drei Tage noch unerkannt mit ihm in demselben Hause zugebracht , und erst heute sich ihm entdeckt . Wer hatte nun die Unwahrheit erzählt , Marcius oder Constantin ? Und war nicht vielleicht Marcius selbst der Bösewicht , dessen Nachstellungen sie entgehen wollte ? Zu gut ist er nicht für diesen Verdacht . Wie dem immer seyn mag - genug , sie lebt , er hat sie wieder . Das Ende der Geschichte läßt sich an den Fingern abzählen . Einer der interessantesten Menschen seiner Zeit wird sich in dem alltäglichen Ehemann eines alltäglichen unbedeutenden Geschöpfes verlieren ! Ich hasse diese Theophania , oder Larissa , die wohl so viel Außenheiten als Namen haben mag . Ich halte sie für eine Heuchlerin . Was soll diese Komödie der Verborgenheit ? Wenn sie wahrhaft liebte - wie war es ihr möglich , sich ihm zu entziehen ? Aber sie will verwirren , reizen , anziehen , und da sie wohl fühlt , daß ihre höchst mittelmäßige Gestalt keinen bedeutenden Eindruck machen wird , nimmt sie ihre Zuflucht zu Künsten . Man muß sich in dichte Schleier hüllen , etwas Sonderbares , Geheimnißvolles um sich ziehen , man muß die Rolle der selbstverläugnenden , verkannten Zärtlichkeit spielen , bescheiden entfliehen , wenn die gefürchtete Nebenbuhlerin eintritt , aber durch ein wohlangebrachtes Schluchzen die Aufmerksamkeit auf die Entfliehende heften - man muß lange auf sich warten lassen , um dem Wenigen , was man zu geben hat , mehr Werth zu verleihen ! O ich kenne diese Ränke , diese Miene der duldenden Sanftmuth - sie verbirgt meist ein listiges tückisches Gemüth , das jene Zwecke heimlich zu erschleichen strebt , die es offenbar nie erreichen würde ; ich kenne die verfeinerte Buhlerei dieser Geschöpfe , die bei der Ohnmacht der Natur ihre Zuflucht zur Kunst nehmen ! Ich habe sie von jeher gehaßt , und diese Theophania am meisten ! Sie war mir widerlich , als ich sie zuerst in Synthium sah . Ich bin offen , froh und heiter , wie mich die Natur gebildet hat ; ich liebe und hasse , wie es mein Herz befiehlt , und verlange nicht eine Neigung zu verbergen , deren ich mich nicht zu schämen habe . Ich bin zu Agathokles geeilt , als ich ihn in Gefahr glaubte , ich habe ihm meine Freundschaft unverholen gezeigt , in allem meinem Werth oder Unwerth stand ich vor ihm , von seinem Herzen allein erwartete ich meine Würdigung , nicht von Schauspielkünsten , die ich verachte und verschmähe . Aber das wollen die Männer nicht - sie wollen getäuscht , gereizt , hingehalten seyn , und darum , wenn so ein von der Natur vernachlässigtes Geschöpf einmal sich die Herrschaft über ein Männerherz zu erobern gewußt hat , dann ist ihre Macht auch unzerstörbar , denn weder Zeit noch Alter , noch Krankheit kann den Zauber enden , der nicht auf den Einfluß der Sinne gestützt , der blos in der Einbildungskraft und dem Gemüthe gegründet ist . Das ist also das Ende aller jener Aussichten , Hoffnungen - Erwartungen ! Sulpicia ! Wer mir das gesagt hätte , als ich ihm bei