begehren « - setzt ' er dazu und sah an die Wand des - Generals . Zablockis Zimmer war seinem durch eine zweimal verriegelte Wand- und Transito-Türe versperrt und verknüpft . Er konnte gehend - denn stehend zuzuhören , hielt er für Unrecht - auspacken und jedes heftige Wort des Vaters an Bediente und den süßen Ton , worein Wina sie , wie eine Äolsharfe den Sturmwind , auf der Stelle übersetzte , leicht vernehmen . Ob er gleich hoffte , unten in der breiten Gaststube Jakobinen wieder und viel bekannter anzutreffen : so hielt er es doch für seliger , neben der nahen Nonne Wina als Wandnachbar auf und ab zu spazieren und sie unaufhörlich sich vorzustellen , besonders das große beschattete Auge und die Freundlichkeit und Stimme und das Abendessen neben ihr . Er hörte endlich , daß der General sagte , er gehe ins Schauspiel , und daß Wina bat , zurückbleiben zu dürfen , und daß sie darauf ihrer Kammerdienerin - der gottlosen Sängerin Luzie - die Erlaubnis gab , sich im Städtchen umzusehen . Alsdann wurde alles still . Er sah zum Fenster hinaus an ihres . Winas beide Fenster-Flügel ( sie schlugen sich nach der Gasse auf ) waren offen und ein Licht im Zimmer und am Wirtshausschild ein Schattenriß , der sich regte . Da er aber nichts weiter sah , so kehrte er wieder mit dem Kopf in seine Stube zurück , worin er - so gehend , trinkend , dichtend - ein aus Rosenzucker gebackenes Zuckerbrot , ja Zucker-Eiland nach dem andern aus dem Backofen auf der Schaufel behutsam herausholte ; - » O ich bin so glücklich ! « dacht ' er und sah nach , ob man keine Armenbüchse an die Papiertapeten geschraubt , weil er in keinem Wirtshause vergaß , in diese Stimm-Ritze unbekannter Klagstimmen , soviel er konnte , zu legen ; aber das Zimmer war zu nett zu Wohltaten . Es wurde sehr dunkel . Der frühe Herbstmond stand schon als ein halbes Silber-Diadem auf einem Gebirgshaupt . Der Kellner kam mit Licht , Walt sagte : » Ich brauche keines , ich esse bei dem Hrn . General . « Er wollte das stubenlange Mondlicht behalten . An der Fensterwand wurde ihm endlich dadurch eine und die andere Reise-Sentenz von frühern Passagieren erleuchtet . Er las die ganze Wand durch , nicht ohne Zufriedenheit mit den jugendlichen Sentenzen , welche sämtlich Liebe und Freundschaft und Erden-Verachtung mit der Bleifeder anpriesen . - » Ich weiß so gut als jemand « , schreibt er im Tagebuch , » daß es fast lächerlich , wenn nicht gar unbillig ist , sich an fremde Zimmerwand anzuschreiben ; dennoch ergötzet den Nachfahrer ein Vorgänger sehr dadurch , daß er auch dagewesen und die leichte Spur eines Unbekannten einem Unbekannten nachgelassen . Freilich schreiben einige nur den Namen und Jahrszahl an ; aber einem wohlwollenden Menschen ist auch ein leerer Name lieb , ohne welchen eine entrückte verreisete Gestalt doch mehr ein Begriff bliebe als ein Begriffenes , weniger ein Mensch als eine luftige , auch wohl ätherische Menschheit . Und warum soll man denn einen leeren Gedanken lieber haben und vergeben als einen leeren Namen ? « - Ich nehm ' es gar nicht übel , daß einer bloßhin anschrieb J. P. F. R. Wonsidel : Martii anno 1793 - oder ein anderer Vivat die A. etc. , die B. etc. , die C. etc. , die J. etc. - oder das Französische , Griechische , Lateinische , auch Hebräische . - Und es stehen ja oft kostbare Sentenzen daran wie folgende : » Im physischen Himmel glauben wir stets in der Mitte zu sein ; aber in Rücksicht des innerlichen glauben wir immer am Horizont zu stehen ; im östlichen , wenn wir frohlocken , im westlichen , wenn wir jammern . « Er wagte zuletzt selber Winas und Walts Namen samt Datum ans Stammbuch so zu schreiben : W - W. Sept . 179- . Er schauete wieder auf die mondhelle Gasse hinaus nach Winen und erblickte drei herausgelegte Finger und ein wenig weiße Hutspitze ; dabei und davon ließ sich leben und träumen . Er schwebte und spielte wie ein Sonnenstäubchen in den langen Mondstrahlen der Stube , er ergänzte sich das stille Mädchen aus den drei Fingern ; er schöpfte aus der nie versiegenden Zukunft , die beim Abendessen als Gegenwart erschien . Freuden flogen ihm als purpurne Schmetterlinge nach , und die beleuchteten Stubenbretter wurden Beete von Papillonsblumen - drei Viertelstunden lang wünscht ' er herzlich , so einige Monate auf und nieder zu gehen , um sich Wina zu denken und das Essen . Aber der Mensch dürstet am größten Freudenbecher nach einem größern und zuletzt nach Fässern ; Walt fing an , auf den Gedanken zu kommen , er könne nach der väterlichen Einladung ohne Übelstand sich jetzt gar selber einstellen bei der einsamen Wina . Er erschrak genug - wurde scham- und freudenrot - ging leiser auf und ab - hörte jetzt Wina auch auf und nieder gehen der Vorsatz trieb immer mehr Wurzeln und Blüten zugleich nach einer Stunde Streit und Glut war das Wagstück seiner Erscheinung und alle zartesten Entschuldigungen derselben fest beschlossen und abgemacht : als er den General kommen und sich rufen hörte . Er riegelte , mit dem Hut-Stock in der Hand , seine Wandtüre auf ; » diese ist zu , Freund ! « rief der General , und er ging , den Mißgriff nachfühlend , erst aus seiner durch die fremde ein . Blühend von Träumen trat er ins helle Zimmer ; halb geblendet sah er die weiße schlanke Wina mit dem leichten weißen Hute wie eine Blumengöttin neben dem schönen Bacchus stehen . Der letztere hatte ein heiteres Feuer in jeder Miene . Die Tochter sah ihn unaufhörlich vor Freude über die seinige an . Bediente mußten ihm auf Flügeln das Essen bringen . Der Notar wog auf den seinigen , verschwebt in