hübsche Mädchen bemerkt . « Joseph erzählte ihm von Marien und Annonciaten , und der Italiäner versprach , ihn nächstens zu besuchen . Den folgenden Tag war er schon morgens bei Wellner , und abends aß er dort . Wellnern gefiel er sehr wohl , denn er hatte ein großes Talent , alte Leute zu unterhalten . Er ward bald der tägliche Besuch , und man freute sich immer recht auf ihn . Abends kam er meistens während dem Essen , setzte sich nieder und plauderte , erzählte italiänische Komödien , und machte die Touren des Harlekins , Pantalons und Scaramuz . Marien lehrte er auch ein wenig die Colombine zu machen , und sie spielten manchmal kleine Szenen aus dem Stegreif , um Josephen zu necken , dessen Liebe er immer hineinzumischen wußte . Marie gewann manche Reize durch ihn , er lehrte sie tanzen , und all ' amore spielen , doch mochte sie ihn nicht leiden , denn er hatte oft im Spiele zu ernste Bewegungen . Wellner glaubte nun , das sei der rechte Mann für Annonciaten , bei ihm werde sie den Tiefsinn schon verlieren , und wünschte sehr , sie möge hier sein . Er hatte soeben mit Joseph davon gesprochen , ob man sie nicht rufen sollte , als Marie einen Brief von Annonciaten brachte . Dreiundzwanzigstes Kapitel Annonciata an Marien Was machst du , liebe Marie ? Mir muß es nicht gut gehen , denn ich frage , was du machst , und weiß es doch . Du bist glücklich und liebst Josephen ; o ! schreibe mir doch und frage , wie mir ist , recht mit Liebe frage , vielleicht wende ich mich dann in mich , und erfahre , wie mir ist . Jeder Tag wie der andere , Wallpurgis geht dem Grabe entgegen . Ach sie ist so liebenswürdig in ihrem Sterben , das Leben will sie nicht lassen , denn sie ist allem so freundlich . Es ist , als stände der Frühling zu Füßen ihres Lagers , und wolle sie nicht sterben lassen . Sie ist krank wie ein Weib , und wird auch so sterben , sie fühlt es und ist ruhig ; aber was sie zerreißt , ist das Leben , denn sie liebt ohne Hoffnung . Ich erzählte ihr gestern von dir und Josephen , wie ihr so glücklich seid ; sie bat mich dringend darum , und der Arzt will , daß man ihr allen Willen tue . Als ich fertig war , gab sie mir die goldne Halsnadel für Josephen , und die Ohrringe für dich , die hier beiliegen ; sie nahm beides von sich , und weinte dann sehr . Sie liebt einen jungen Edelmann , der es auch verdienen soll ; aber wer verdient , daß die Jugend um ihn sterbe ? O ! es ist ein Jammer , Marie , wie Wallpurgis aussieht , bleich und abgezehrt , die schönen langen Haare verwirrt , und die herrlichen Augen erloschen . Die Gräfin möchte verrückt werden vor Kummer . Mir tut es nichts , es ist mir nur fremd zu Mute ; wenn ich es selbst wäre , würde ich noch ruhiger sein . Das Schrecklichste ist , wenn sie oft plötzlich auflebt , und der Gedanke an den Tod ihr fürchterlich wird . Sonst weilt sie oft halbe Tage in einer ruhigen Betrachtung des Todes , und spricht mit einer schönen Rührung von ihm , so daß man gern sterben möchte , wenn es so ist ; aber dann faßt sie plötzlich der Gedanke , wie das Leben lächelte , da ihre Liebe noch jung und er mit ihr war . In einer solchen Minute sagte sie jüngst zu mir : » Ach ich kann doch nicht sterben , so sterben ohne Freude , ohne Liebe ; wenn du wüßtest , Annonciata ! wie ich meine Kinder lieben könnte , wie sie schön sein würden und freundlich , und sich die ganze Welt ihrer freuen müßte - aber das ist alles nicht , und ich muß wohl sterben , nicht wahr , Annonciata ! « Was soll ich dann sagen ? ich , die unbekannt ist mit Leben und Tod , und mit Liebe - » Alles ist schön in einem solchen Herzen , Wallpurgis , « sage ich dann , » nur die Trennung ist Schmerz , und alles Erreichte ist Glückseligkeit und Schönheit . « Da erwiderte sie : » Schweige , Annonciata , ich werde nichts erreichen , auch über dem Grabe nichts , ich werde auch dort herumgehen , und so fort immer sterben . « Jüngst sagte sie auch : » Ich quäle dich recht mit meinem Elend , aber wenn du jenen Mann kenntest , du wärest auch so . Gott gebe , daß ich nach dem Tode hier sein könne , so will ich dir alles vergelten , ich will dich mit sanfter Stille erfüllen , und dich stärken gegen die Liebe ; denn sieh , wir Mädchen sind recht arm in der Liebe , wenn wir lieben können . Wir sind wie die Blumen , die nimmer sagen können , wie es ihnen ist ; wir blicken den Himmel mit schönen Farben an , und sterben . « Solchen Worten soll ich Trost geben ? solchen Worten ? die mein Trost sind - » Du hast recht , Wallpurgis , « sage ich , » auch ich fühle , wie es sich in meinem Herzen regt , und wie sich meine Gedanken ausbreiten in einer andern Welt , auf welche die Blume nur hinweist , und dann verwelkt . Doch ist mein Herz stolz auf dieses Zeugnis eines höhern Zusammenhangs , und ich will mich seiner als eines edleren Gedankens erfreuen , wenn mich keiner lieben sollte . « Gestern war sie mit mir im Garten , sie sprach kein Wort , und setzte sich mit mir mitten unter die Blumen . Es war rührend zu sehen , wie