seinem Bade , aber in der Ferne standen die Wälder wie gerüstete Heere fest und ihre Gipfel wie Lanzen . - Majestätisch schwammen durch das Blau die silbernen Inseln , die Wolken , und auf der Erde schritten Schatten riesenhaft über Ströme und über Berge - im Tale blitzte die Rosana und rollte in den Eichenhain . - Er trat ins warme Tal hinab , die Weiden schäumten , und ihr Same spielte in seiner Wolken-Flocke , eh ' ihn die Erde befestigte - der Schwan dehnte wollüstig den langen Flügel , gepaarte Tauben ätzten sich vor Liebe , und überall lagen die Beete und Zweige voll heißer Mutterbrüste und Eier . - Wie ein herrlicher blauer Blumenstrauß schillerte in hohen Gräsern der Hals des ruhenden Pfaues . - Er trat unter die Eichen , die mit knotigen Armen den Himmel anfaßten und mit knotigen Wurzeln die Erde . - Die Rosana sprach allein mit dem brausenden Wald und fraß schäumend an Felsenstücken und am morschen Ufer - Nacht und Abend und Tag verfolgten einander im mystischen Hain . - Er trat in den Fluß und ging mit ihm hinaus vor eine rege warme Ebene voll Dörfer und aus ihnen klang der Sonntag und aus den Ährenfeldern fuhren Lerchen und an den Bergen krochen Menschen-Steige hinauf , die Bäume regten sich als Lebendige und die fernen Menschen schienen festzuwurzeln und wurden nur Schößlinge an der tiefen Rinde des ungeheuern Lebensbaumes . - - Die Seele des Jünglings wurde in das heilige Feuer geworfen , wie Asbestpapier zog er sie ausgelöscht und unbeschrieben heraus , ihm war , als wiss ' er nichts , als sei er ein Gedanke , und hier trat ihn auf eine wunderbar neue Weise das Gefühl an : das ist die Welt , du bist auf der Welt - er war ein Wesen mit ihr - alles war ein Leben , Wolken und Menschen und Bäume . - Er fühlte sich von unzähligen Polypenarmen ergriffen und zugleich mit ihnen verschlungen und doch fortrinnend im unendlichen Herz . Trunken kam er vor seine Wohnung , von welcher sich ihm der kleine Pollux den Berg herab entgegenrollte , um ihn zum Essen zu rufen . Im Häuschen wurde das , was er meinte , ausgesprochen von der Äolsharfe am offnen Fenster . Indes das Kind mit den Fäustchen auf dem Klaviere nachdonnerte und die Vögel aus den Bäumen freudig dareinschrien : so fuhr der Weltgeist durch die Äols-Saiten jauchzend und seufzend , regellos und regelmäßig , spielend mit den Stürmen und sie mit ihm ; und Albano hörte , wie die Ströme des Lebens rauschten zwischen den Ufern der Länder - und durch die Blumen- und Eichenadern - und durch die Herzen - um die Erde , Wolken tragend - und den Strom , der durch die Ewigkeit donnert , goß ein Gott aus unter dem Schleier - - Albano kam mit dem unschuldigen vortanzenden Knaben zur fortlächelnden Mutter . Sogar hier zwischen den vier Wänden zogen ihn noch die Segel fort , die der große Morgen aufgebläht . Nichts fiel ihm auf , nichts schien ihm gemein , nichts fern , die Woge und der Tropfe im unendlichen Meere des Lebens verflossen unteilbar mit den Strömen und Strudeln , welche darin gingen . Vor Chariton stand er wie ein glänzender Gott , und sie hätte gern entweder ihn verschleiert oder sich . Nie war die Menschheit in reinere Formen , die kein Wulst irgendeines Geburtslandes verkrüppelte , gesondert als in diesem Freudenkreise , worin die Kindheit , die Weiblichkeit und die Männlichkeit , von Blumen durchwunden , sich begegneten und sanft anfaßten . Chariton sprach immer von Liane , nicht bloß aus Liebe zur Fernen , sondern auch zum Nahen ; denn ob sie gleich mit jenen offnen Augen schaute , die mehr still abzuspiegeln als anzublicken , mehr einzulassen als einzuziehen scheinen , so war sie doch wie Kinder , Jungfrauen , Landleute und Wilde zugleich offenherzigwahr und schlau . Sie hatte Albanos Liebe leicht erlauscht , weil überall den Weibern alles leichter zu verdecken ist , sogar der Haß , als sein Gegenteil . Sie lobte Lianen unendlich , besonders die unvergleichliche Güte , und » ihr Herr habe gesagt , wenige Männer hätten so viel Herz als sie , denn sie sei oft ohne alle Furcht nachts mit ihr im Tartarus gewesen « . Allerdings war das auch dem Grafen nicht erklärlich . Das Wunderbare ist der Heiligenschein eines geliebten Hauptes ; eine Sonne , zum Menschenantlitz besänftigt ergreift weniger als ein geliebtes , zum Sonnenbild verklärt . Sie , immer heißer erfreuet durch seine Freude , bot ihm an , ihn in Lianens Zimmer zu führen . Ein einfaches Zimmerchen - vom Weinlaube gründämmernd - einige Bücher von Fenelon und Herder-alte Blumen noch in ihren Wassergläsern - kleine sinesische Tassen - Juliennens Porträt und ein anderes von einer verstorbenen Jugendfreundin , welche Karoline hieß - ein unbeflecktes Schreibzeug mit englischem gepreßten Papier - - das fand er . Die heiligen Frühlingsstunden der Jungfrau zogen vor ihm wie sonniges Gewölke tauend vorüber . Zufällig berührte er ein Federmesser , als ihm Chariton Kiele zum Schneiden brachte , » weil man « ( sagte sie ) » so viel Not damit hätte , seit ihr Herr weg sei « . Denn eine Frau kann leichter jede Feder führen - sogar die epische und kantische - als eine schneiden ; und hier muß wie in mehr Fällen das stärkere Geschlecht dem schwachen unter die Arme greifen . Albano wünschte noch das Arbeits-Zimmer seines Lehrers zu sehen ; aber dieses schlug sie - ob sie gleich durch ein stundenlanges Zusammenessen nicht mutiger geworden - doch entschieden ab , weil es ihr Herr verboten habe . Er bat noch einmal ; aber sie lächelte immer schmerzlicher und blieb bei dem freundlichen Nein . Er verträumte nun den Rausch des Morgens im magischen Garten , auf dessen Wasser und Steige der Mond- und Widerschein der Erinnerung spielte . Wie