sehr belesenen Römischen Dichters auf diesen Scherz des Aristipp gehalten werden , wenn man nicht zugeben will , daß zwei Personen auf eben denselben Gedanken und Ausdruck gerathen können , ohne daß die eine ihn nothwendig der andern abgestohlen haben muß . W. 23. Brief . 96 Landenge . Auf einem solchen schmalen Erdstreifen , der den Peloponnes mit Attika verbindet , lag Korinth , und dieß brachte wohl Lais darauf , mittelst seiner die Enge des Raumes auf die Zeit überzutragen . 97 Einem jeden , der den Phädrus des Plato im Original oder in der neuesten Uebersetzung ( von dem Herrn Grafen Friedrich Leopold zu Stolberg ) gelesen hat , muß sogleich in die Augen springen , daß hier von keinem andern Ahorn die Rede seyn könne , als von dem , der durch die in seinem Schatten vorgefallne Unterredung zwischen Sokrates und dem schönen Phädrus einer der berühmtesten Bäume in der Welt geworden ist ; und so hätte sich ' s durch ein sonderbares Spiel des Zufalls gefügt , daß die schöne Lais ihre erste Bekanntschaft mit Sokrates ( um dessentwillen sie die Reise nach Athen unternahm ) gerade unter diesem Ahorn an eben dem Abend , da jenes berühmte Gespräch vorgefallen , gemacht hätte . Unglücklicherweise stößt sich ' s ( wenn wir auch andere kleine Zweifel nicht achten wollen ) an einen topographischen Umstand , der diese Zusammenkunft unmöglich zu machen scheint . Der besagte Ahorn nämlich stand ganz nahe an dem kleinen Bach Ilissus , der aus dem Berg Hymettus ostwärts von Athen entspringt ; Lais aber kam von Megara und Eleusis auf dem entgegen gesetzten Wege her , und hätte , ohne irgend einen denkbaren Grund , einen Umweg von mehreren Meilen nehmen müssen , um bei dem Ahorn , unter welchem Sokrates zufälliger Weise saß , vorbei zu kommen . Daß entweder sie selbst oder Plato in der Angabe des Orts so gröblich sich geirrt haben sollte , läßt sich um so weniger annehmen , da beide in der Bezeichnung desselben genau zusammenstimmen . Ich sehe also weder wie dieser Knoten , wofern unsre Aristippische Briefsammlung ächt seyn sollte , aufgelöset , noch wie der Urheber derselben , falls sie erdichtet ist , von dem Vorwurf einer groben Unwissenheit oder Nachlässigkeit frei gesprochen werden könnte . Das einzige Mittel aus dieser Schwierigkeit herauszukommen , wäre , wenn der geneigte Leser sich gefallen lassen wollte , den Ahorn sammt dem Ilissus und dem Berg Hymettus in Gedanken auf die Westseite vor Athen an die Straße von Eleusis zu versetzen : eine Gefälligkeit , die man ihm freilich , wofern er sich nicht aus gutem Willen dazu bequemt , nicht wohl ansinnen kann , ob sie gleich im Grunde nicht mühsamer wäre , als wenn Mercur und Charon beim Lucian , durch die magische Kraft etlicher Homerischer Verse den Ossa auf den Olymp , den Pelion auf den Ossa , und zuletzt noch gar den Oeta und den Parnaß auf den Pelion thürmen , um sich einen tauglichen Standpunkt zur Uebersicht des Erdkreises zu verschaffen . W. 98 Tänaros , Vorgebirg an der äußersten Spitze des Peloponnes , Athos , Berg auf einer Halbinsel in Macedonien . Beide bezeichnen Griechenland von einem Ende zum andern . 25. Brief . 99 Eine phrygische Gottheit , die von verschiedenen Oertern verschiedene Namen hatte , Kybele , Berecynthia u.a. 100 Obrigkeitliche Personen zu Athen , denen die Polizei des weiblichen Theils der Einwohner dieser großen Stadt anbefohlen war . W. 101 Wird man wohl am besten kennen lernen durch Wielands Versuch über das Xenophontische Gastmahl im Attischen Museum Bd . 4. 102 ( Beschützerin der Stadt ) - Ein Beiname der Minerva , als der Schutzgöttin von Athen . Vor dem Tempel , den sie unter diesem Namen auf der Akropolis hatte , stand ein uralter Oelbaum , der Tradition nach eben derselbe , durch dessen Hervorbringung die Göttin den Sieg über den Neptun , der ihr das Schirmrecht über Athen streitig machte , erhalten hatte . W. 103 Die Göttin des glücklichen und unglücklichen Zufalls . W. 104 ( Flötenspielerinnen ) - Gewöhnlich wie die Tänzerinnen und Eitherspielerinnen , eine Classe von Hetären , welche bei Gastmählern gedungen wurden , die Gäste mit ihrer Kunst zu unterhalten . W. 105 Ein vornehmer Athener dieses Namens bewarb sich , zugleich mit Megakles , Alkmäons Sohn von Athen und vielen andern ansehnlichen Freiern , um Agerista , die Tochter des Klisthenes , Tyrannen von Sicyon . Der Vater wußte sich nicht besser zu helfen , als daß er seine Tochter demjenigen zusagte , der bei einem angestellten großen Gastmahl die vorzüglichsten Talente beweisen würde . Hippokleides trieb bei diesem Wettstreit seinen Eifer so weit , daß er , um eine Kunst , worin es ihm keiner seiner Mitwerber nachthun könnte , zu zeigen , auf dem Kopfe zu tanzen anfing . Das dünkte dem alten Herrn gar zu arg . Du hast dich um meine Tochter getanzt , sagte er zu dem jungen Springinsfeld ; ich gebe sie dem Sohne Alkmäons . Das läßt Hippokleides sich nicht kümmern , erwiederte dieser , und man fand die Antwort so merkwürdig , daß sie zu einem der gemeinsten Sprüchwörter ward . W. 26. Brief . 106 Welche Grundsätze Sokrates über diesen delicaten Punkt hatte , sieht man aus Xenophons Sokratischen Denkwürdigkeiten B. 1. Kap . 3. , und wie sich selbst Antisthenes danach richtete , aus Xenophons Gastmahl . 30. Brief . 107 Wenn man den Namen Lysippus hört , denkt man gewöhnlich nur an den großen Bildhauer , der diesen Namen zu einem der berühmtesten in der Kunstgeschichte gemacht hat . Es gab aber auch einen Komödiendichter dieses Namens , und von ihm sind die vom Aristipp hier angeführten Verse , die im Original also lauten : Ei mh teteasai tas Athnas , stelexos ei . Ei de teteasai , mh tethreysai dA , onos . Ei dA eysareston apotrexeis , kanthlion . S. Henr . Stephani Dicaearchi Geograph