sie ihm ihren Entschluß ankündigte , und nicht den geringsten Versuch gemacht , sie zu halten ; er wußte , daß sie weder den Aufenthalt in seinem Schlosse , noch seinen täglichen Anblick mehr ertrug , war er ja doch die Ursache jener unglückseligen That Leos gewesen , die diesem den Tod und den Seinigen das Verderben brachte . Vielleicht war es für Nordeck auch eine Erleichterung , daß die Fürstin ging , jetzt , wo er gezwungen war , sie täglich und stündlich zu verletzen durch die Art , wie er die Zügel der Herrschaft in Wilicza führte . Seine Hand , die sie mit so eiserner Willenskraft ergriffen hatte , wußte sie auch eisern zu regieren , und das war in der That notwendig . Er hatte recht , es war ein Chaos , was die zwanzigjährige Beamtenwirtschaft unter seinem ehemaligen Vormunde und die vier letzten Jahre unter dem Baratowskischen Regimente ihm auf seinen Gütern geschaffen hatte , aber er ging mit einer unglaublichen Energie daran , Ordnung in dieses Chaos zu bringen . Im Anfange hatte Waldemar freilich genug zu thun , wenn er sich mit allen Kräften der auch auf seinem Gebiete drohenden Rebellion entgegenstemmte , aber sobald er sich nur wieder frei regen konnte , sobald der Aufstand , der mit tausend geheimen Beziehungen auch nach Wilicza hinübergriff , zu erlöschen anfing , begann dort ein Umwälzungsprozeß , der seinesgleichen suchte . Was sich von den Beamten nicht unbedingt fügte , wurde entlassen und jeder Zurückgebliebene der schärfsten Kontrolle unterworfen . Die Forstverwaltung wurde durchweg mit neuen Persönlichkeiten besetzt , die Pachtgüter , zum Teil mit bedeutenden Geldopfern , aus den Händen der bisherigen Pächter befreit und der Herrschaft selbst zugeteilt , an deren Spitze der junge Gutsherr ganz allein stand . Es war eine Riesenaufgabe für einen einzelnen , das alles zu bewältigen , jetzt , wo all das Alte zusammenstürzte und das Neue erst geschaffen werden sollte , wo noch nichts sich fügte , nichts ineinander griff , aber Waldemar zeigte sich dieser Aufgabe gewachsen . Er war doch schließlich Sieger geblieben im Kampfe mit seinen Untergebenen ; zwar die eigentliche Bevölkerung von Wilicza blieb ihm nach wie vor feindlich gesinnt ; sie haßte fortgesetzt in ihm den Deutschen , aber auch sie hatte die Hand des Herrn fühlen und sich ihr beugen gelernt . Mit der Entfernung der Fürstin verlor der Ungehorsam seine stärkste Stütze , und mit dem Erlöschen des Aufstandes drüben im Nachbarlande sanken auch hier Trotz und Widerstand zusammen . Von ruhigen , geordneten Verhältnissen , wie sie auf den Gütern in andern Provinzen herrschten , war freilich noch keine Rede , dazu hätte es andrer Zeiten und Umgebungen bedurft , aber der Anfang war doch wenigstens gemacht , die Bahn gebrochen , und das übrige mußte der Zukunft aufbehalten bleiben . Der Administrator Frank befand sich noch in Wilicza und hatte seine beabsichtigte Entfernung um ein Jahr hinausgeschoben . Er gab darin hauptsächlich dem Wunsche des Gutsherrn nach , dem viel daran lag , den tüchtigen , erfahrenen Mann noch eine Zeit lang zur Seite zu haben . Erst jetzt , wo das Notwendigste geordnet war , hatte Frank seine Entlassung genommen und zugleich den langgehegten Plan ausgeführt , sich selber anzukaufen . Das hübsche , gar nicht so unbedeutende Gut , das er erworben , lag in einer andern Provinz des Landes , in angenehmer Gegend und befand sich , im Gegensatz zu der » polnischen Wirtschaft « , die der Administrator zwanzig Jahre lang bekämpft hatte und die er so gründlich verabscheute , in durchaus geordneten , friedlichen Verhältnissen . Es sollte erst in zwei Monaten in die Hände des neuen Besitzers übergehen , und so lange blieb dieser noch in seiner alten Stellung . Was Gretchen betraf , so hatte der Vater bei ihrer Verheiratung bewiesen , daß sie in der That sein Liebling war , ihre Mitgift übertraf all die Berechnungen , die Assessor Hubert so genau und gründlich für einen andern angestellt hatte . Die Hochzeit war schon im letzten Herbste gefeiert worden , und das neue Ehepaar lebte in I. , wo Professor Fabian nun wirklich die ihm angebotene Stellung angenommen hatte , und wo » wir ganz außerordentliche Erfolge haben « , wie die Frau Professorin ihrem Vater schrieb . In der That überwand Fabian seine Scheu vor der Oeffentlichkeit weit schneller und besser , als er glaubte , und rechtfertigte all die Erwartungen , die man von dem so schnell berühmt gewordenen Verfasser der » Geschichte des Germanentums « hegte . Sein bescheidenes , liebenswürdiges Wesen , das im schärfsten Gegensatze zu der schroffen Selbstüberhebung seines Vorgängers stand , gewann ihm die allgemeine Sympathie , und seine junge hübsche Frau , die in ihrer reizenden , durch die Großmut des Vaters mit allen nur möglichen Annehmlichkeiten ausgestatteten Häuslichkeit so anmutig die Honneurs zu machen wußte , trug das Ihrige dazu bei , auch seine gesellschaftliche Stellung zu einer höchst angenehmen zu machen . Gegenwärtig wurde das junge Paar zu dem ersten Besuche im Vaterhause erwartet und sollte in den nächsten Wochen eintreffen . Nicht so gut war es dem Assessor Hubert ergangen , obgleich ihm im Laufe des Jahres eine ganz unerwartete und ziemlich bedeutende Erbschaft zugefallen war , aber sie kostete ihm leider die Familienberühmtheit . Professor Schwarz war vor einigen Monaten gestorben , und da er unverheiratet war , ging sein Vermögen auf die nächsten Verwandten über . Die äußeren Verhältnisse Huberts hoben sich dadurch bedeutend , aber was half ihm das ? Die Braut , auf deren Besitz er mit solcher Sicherheit gerechnet hatte , gehörte einem andern , und er selbst war noch immer nicht Regierungsrat und hatte auch vorläufig keine Aussicht , es zu werden , obwohl er sich im Amtseifer überstürzte , obwohl er jede Minute das Polizeidepartement von L. mit seinen sogenannten Entdeckungen alarmierte und alles aufgeboten hatte , um in diesem Revolutionsjahr auch für seinen eigenen Staat ein paar Hochverräter aufzugreifen ,