“ versetzte der Doctor , gleichfalls in gedämpftem Tone und mit einem Blicke auf die Waffen , welche soeben von den Secundanten geladen wurden . „ Oberst Wilten ist bereits aufmerksam geworden , “ sagte Max bedeutsam . „ Soll er glauben , daß es die Furcht vor der Kugel ist , die Dich so erregt ? “ Brunnow machte eine heftige Bewegung des Unwillens . „ Du hast Recht . Die Fremden könne ja nicht ahnen , was in mir wühlt . Sie sollen mich wenigstens nicht für einen Feigling halten . “ Er raffte sich zusammen , und es gelang ihm auch wirklich , ruhiger zu erscheinen , aber er vermied es , nach der Stelle zu blicken , wo der Freiherr stand . In seiner gewohnten stolzen Haltung , mit der kalten Festigkeit in den Zügen , schien Raven völlig unbewegt von dem Kommenden . Der Nebel begann allmählich zu fallen ; schon traten die Berggipfel und die höher gelegenen Ortschaften daraus hervor , und die Sonne mußte soeben aufgegangen sein , denn der ganze östliche Horizont schimmerte in rothem Lichte , wenn die Strahlen es auch noch nicht vermochten , sich durchzukämpfen . Die Stadt lag noch in einen weißen Dunstschleier gehüllt , aber das Schloß auf der Höhe war bereits sichtbar , zwar noch undeutlich , wie ein Nebelbild , aber es trat mit jeder Minute klarer und deutlicher durch den Nebel hervor . Dort träumte Gabriele ahnungslos und glücklich dem Morgen entgegen , und hier fiel indessen die blutige Entscheidung auch über ihr Schicksal . [ 598 ] Oberst Wilten verkündete , daß jetzt Alles bereit sei , und die beiden Gegner traten auf den Kampfplatz . Raven stand hochaufgerichtet da , das Auge klar und voll aufgeschlagen und die Waffe lag so fest und sicher in seiner Hand , als könne sie ihr Ziel gar nicht verfehlen . Brunnow ’ s Fassung war augenscheinlich eine gewaltsam erzwungene . Wenn der Augenblick der Entscheidung und die Furcht vor Mißdeutungen ihm auch seine Haltung zurückgaben , seine Hand war doch unsicher und bebte leise , als er das tödtliche Geschoß auf die Brust des einst so leidenschaftlich geliebten Freundes richtete . Wilten gab das Zeichen . Die beiden Schüsse krachten gleichzeitig , und einen Augenblick lang standen beide Gegner noch fest auf ihrem Platze . Dann entfiel dem einen die Waffe ; er preßte die Hand auf die Brust , trat einen Schritt zurück und stürzte dann lautlos zusammen . Arno Raven lag am Boden , und der weiße Reif auf dem Rasen ringsum begann sich dunkel zu färben . Max überzeugte sich hastig , daß sein Vater unverletzt sei , und eilte dann zu dem Verwundeten , an dessen Seite sich bereits der Oberst befand . Brunnow stand regungslos da , die Pistole noch krampfhaft festhaltend ; er blickte mit starren Augen zu jener Gruppe hinüber . Sein Secundant trat an seine Seite . „ Was soll denn das bedeuten ? “ fragte er leise . „ War es denn nicht der Freiherr , der Sie forderte ? Er hat in die Luft geschossen . “ Das Wort schien die Erstarrung zu lösen , welche Brunnow gefesselt hielt . Er warf die Pistole weg und stürzte hinüber . „ Arno ! “ rief er aus – es war ein Schrei der wildesten Verzweiflung . Max machte soeben den Versuch , das Blut zu stillen , aber der Vater drängte ihn ungestüm zurück , als habe er allein ein Recht auf diesen Platz , entriß ihm das Tuch und drückte es auf die Wunde . Der junge Mann zog sich schweigend zurück , während er dem Oberst und dem anderen Secundanten , die betreten dieser Scene zuschauten , einen Wink gab , mit ihm seitwärts zu treten . „ Können Sie dem Freiherrn keine Hülfe leisten ? “ fragte der Oberst halblaut . „ Hülfe ist nicht mehr möglich . “ versetzte Max . „ Der erste Blick auf die Wunde zeigte mir , daß sie tödtlich ist . Es handelt sich nur noch um Minuten , und da wird mein Vater das Nöthige thun . Bitte , lassen Sie ihn allein mit dem Sterbenden ! “ „ Es fiel überhaupt nur ein Schuß , der tödlich werden konnte , “ sagte der Secundant Brunnow ’ s bedeutsam . Der Oberst nickte . „ Ich habe es gleichfalls gesehen . Raven wandte im letzten Moment die Pistole – seltsam ! “ Die drei Männer sahen sich schweigend an ; sie begannen zu ahnen , weshalb dieses Duell provocirt worden war , aber Keiner lieh seinen Gedanken Worte . Sie fühlten , daß dort drüben , wo der Gegner an der Seite des Gefallenen kniete , sich etwas vollzog , was von den gewöhnlichen Vorfällen bei einem Duell weit abwich , und die Bitte des jungen Arztes ehrend , blieben sie in einiger Entfernung stehen . Brunnow hielt mit dem linken Arme den Verwundeten umfaßt , dessen Haupt an seiner Brust ruhte , während er mit der Rechten das Tuch auf die Wunde preßte . War es der Schmerz dieser Berührung oder der Aufschrei : „ Arno ! “ der dem Ohnmächtigen das Bewußtsein zurückgab – er schlug die Augen auf und machte eine matte , abwehrende Bewegung . „ Laß das ! “ sagte er . „ Du hast gut getroffen – ich wußte es . “ „ Arno , warum hast Du mir das gethan ! ? “ stöhnte Brunnow . „ Warum mußte es gerade meine Hand sein ? O , ich weiß es jetzt , weshalb Du mich gezwungen hast . “ Es lag ein so qualvoller Schmerz in diesen Worten , daß sie selbst den tödtlich Verwundeten erschütterten ; er versuchte es , dem Sprechenden die Hand zu reichen . „ Verzeih ’ , Rudolph ! “ sagte er kaum hörbar . „ Mache Dir keine Vorwürfe ! Ich danke Dir . “ Die Stimme versagte ihm , aber er richtete