des Durchlauchtigsten Fürsten mit meiner Erzählung das Festprogramm störend unterbrechen wollte . « » Ach , Durchlaucht , eine interessante Geschichte aus Brasilien ! « wandten sich die junge Damen einstimmig bittend an den Fürsten . » Ei , meine Damen , ich glaubte , Ihre kleinen Füße ständen bereits auf Nadeln wegen des Tanzvergnügens ! « scherzte er . » Nun gut , ich nehme die Geschichte des Herrn von Oliveira sehr gern in das Festprogramm auf – wir streichen dafür eines der Männerquartette , die im Walde gesungen werden sollen . « 27 Welch eine unerwartete Wendung der Dinge ! Der verfemte Portugiese war der Löwe des Festabends geworden . Freilich stand er auf einem Boden , der auf und ab schwankte wie die Schiffsplanke , und die aufgescheuchten Wespen summten nur weniger laut und hörbar um sein Haupt . Das wußte niemand besser als die schöne Hofdame . Sie warf ihm einen langen , bedeutungsvollen Blick zu . » Lasse dich nicht beirren ! « warnten die dunklen Augen . Gisela , die bisher schweigend neben dem Fürsten gestanden und nicht ein einziges Mal gewagt hatte , den Portugiesen anzusehen , während er sprach , fing diesen Blick auf – er durchfuhr ihr Herz wie ein Dolchstoß ... Sie wollte ja nie heftig werden ; aber wie schoß ihr jetzt das empörte Blut nach den Schläfen ! Wie in der Kindheit , da sie selbst ohne weiteres ihrer Abneigung Ausdruck gegeben hatte , hob sie auch jetzt die Hand , um das Mädchen dort fortzustoßen . – Worte der tiefsten Erbitterung drängten sich auf ihre Lippen ... Wie töricht ! ... Was gab ihr denn das Recht , sich zwischen diese beiden Menschen zu drängen ? ... Sah er nicht selbst in diesem Moment hinüber nach der reizenden Zigeunerin und erwiderte den langen Blick so ausdrucksvoll , daß das liebliche Gesicht bis unter die dicken , braunen Locken errötete ? ... Die zwei waren wohl längst einig ! ... Wie konnte sie es überhaupt wagen , sich neben jenes Mädchen zu stellen ? An dem Namen der Hofdame haftete kein schlimmer Leumund , sie war sehr schön , galt für geistreich und handhabte die gesellschaftlichen Formen mit unvergleichlicher Grazie ... Pfui , wie häßlich ! ... Sie mit dem bleichen Gesicht , mit der tiefen Unwissenheit hinter der Stirn und dem ungelenken Benehmen , sie empfand Neid , blassen Neid gegen jene schöne , gefeierte Rose ! ... Das unschuldige Herz , das ja bis dahin nie geliebt , hatte keine andere Erklärung für das heiße Gefühl der Eifersucht . Sie wandte die Augen ab von dem schreiend roten Käppchen mit den Perlenbehängen , das sich so anmutig hin und her bewegte , und sah über das Lichtmeer hinweg in den dunklen Weg hinein , der nach Greinsfeld führte . Eine tiefe Sehnsucht nach dem finsteren , schweigenden Wald erfaßte sie ... Fort , fort , alle diese Larven im Rücken lassen und die unausgesprochenen Qualen , die ihr in Kopf und Herzen wühlten , in der Dunkelheit verbergen ! ... Eilige Flucht aus dieser sogenannten Welt , in die sie nur geblickt hatte , um sofort von grellen Blitzen getroffen und verwundet zu werden ! Tausendmal lieber in finsterer Nacht mit bedrohtem Leben an den schauerlichen Abgründen der Steinbrüche vorüberwandeln , als hier gleichsam an der Martersäule stehen , diese schmetternde , jubelnde Musik hören und die lächelnden Gesichter sehen zu müssen , während in den schmerzenden Augen die mühsam verhaltenen Tränen brannten ! ... Sie hatte mit Enthusiasmus den Gedanken ergriffen , die Menschen lieben zu wollen – wie schwer war es auszuführen ! Konnte sie diese eitle , gleisnerische Menge lieben , die , Falschheit im Herzen und auf den Lippen , ihr reines Wollen unmöglich verstand ? ... In den Steinbrüchen war es dunkel und todeseinsam , nicht einmal die kleinen Vogelaugen blickten tröstlich auf die heimwärts Fliehende , sie schliefen wohlgeborgen in den Nestern und Felsennarben . Drunten lagen die armen Blumenleichen , die er mit unbarmherziger Hand von sich geschleudert hatte , und am Wegrand zitterten die elastischen Nesselzweige , die ihr Kleid streifte – diese einzige Bewegung hauchte Leben in die Einöde ... Und der Fuß des jungen Mädchens schritt wieder über die Stelle hinweg , wo es eine so schmerzliche Demütigung erlitten hatte . Der Weg war schrecklich , aber er führte ja in das Heim zurück , dort konnte sie die Türen verschließen und sich für immer verbergen vor Menschenaugen und Menschenstimmen ... Fort ! Fort ! Quer über den Festplatz konnte sie freilich nicht gehen ; sie mußte im Waldesdunkel die Wiese umkreisen , wenn sie den gegenüberliegenden Greinsfelder Weg erreichen wollte . Langsam und scheu wandte sie sich um und forschte im Dickicht nach einer Stelle , wo sie unbemerkt entschlüpfen konnte . Da tauchte plötzlich ein Gesicht vor ihr auf , ein Gesicht mit harten , dunklen Zügen , das sie kannte und fürchtete – es war der alte , strenge Mann aus dem Waldhause . Er trug einen kleinen Koffer , den er auf die nächste Bank stellte ; sein finsterer Blick streifte an der jungen Dame vorüber und heftete sich sehr beredt auf den Portugiesen , vor dem bereits der zurückgekehrte Lakai stand und mit einer entsprechenden Handbewegung die Anwesenheit des alten Soldaten meldete . » Ah , die Brillanten ! « scholl es von allen Seiten . Sofort bildete sich ein dichter Kreis um den alten Soldaten und seine kostbare Bürde ... Für diesen Augenblick war Giselas Flucht vereitelt . Der Fürst stand neben ihr , und die Gräfin Schliersen ergriff schmeichelnd ihre Hand und zog sie dicht an sich heran . Oliveira schloß den Koffer auf . Der Inhalt war freilich angetan , Frauenherzen zu berauschen ; und der stille Gedanke aller , der Brasilianer wolle mit seinen Schätzen prunken , wurde zur Gewißheit ... Wer aber Gelegenheit hatte , in sein gesenktes Gesicht zu sehen , der wußte sofort ,