wie möglich , selbst beaufsichtigen ... Weißt du , Herzchen , wo dir diesmal der Weihnachtsbaum brennen wird ? Im weißen Saale zu Rudisdorf , auf der Stelle , wo Papa uns immer bescherte . Mainau hat von den Gläubigern Schloß und Park auf Jahre hinaus gemietet ; dort sollst du völlig genesen . Ich gehe vor euch zurück , um alles einzurichten ; die neuen Möbel sind bereits bestellt . Magnus schreibt mir , die alte Lene renne wie toll vor Freude im Schlosse umher , und juble , daß die schöne , › vornehme ‹ Zeit wiederkomme ... Mama werden wir freilich nicht in unserer Mitte haben . Sie ist ebenso glücklich wir Lene , aber darüber , daß ihr Mainau ihr die Wahl gelassen hat zwischen Rudisdorf und einem andauernden Aufenthalte in Dresden , den er bestreiten will . Selbstverständlich ist sie nicht einen Augenblick im Zweifel gewesen und wird nur noch so lange in Rudisdorf verbleiben , um dich und deinen Mann anständigerweise zu begrüßen , dann geht endlich , wie sie mir schreibt , ein Strahl der Lebenssonne für eine einsame , unverdient leidende Frau auf – das sind eben Ansichtssachen , Kind ... Frau Löhn geht mit uns . Mainau will sie stets in deiner Nähe wissen , weil sie so goldtreu ist . Er möchte sie auch noch nicht von Gabriel trennen , der noch einige Zeit den vortrefflichen Unterricht des Hofmeisters genießen , dann aber als junger Herr von Mainau behufs seiner künstlerischen Ausbildung nach Düsseldorf gehen soll . Dein Retter aber , der Jäger Dammer , ist wohlbestallter Förster in Wolkershausen geworden und wird schon in zwei Monaten seine kleine , tapfere Försterin heimführen ... Das wäre so ziemlich alles , was ich dir auf Wunsch deines Herrn und Gemahls mitzuteilen habe ; er schmeichelt sich , es sei alles auf diese Weise nach deinem Sinne eingerichtet ... Sieh , liebes Herz , ich gehöre nicht zu den überschwenglichen Seelen , aber mir ist es stets , als müsse ich eine Dankeshymne anstimmen , wenn ich sehe , wie mein Liebling geliebt wird . Und was meinst denn du dazu , daß ich , Ulrike Gräfin von Trachenberg , in eigener Person das große Wirtschaftsgebäude in Rudisdorf von den Gläubigern gemietet habe , um eine ausgedehnte Blumenfabrik zu errichten ? Mainau billigt meinen Entschluß vollkommen ; er gibt mir – selbstverständlich leihweise – das Einrichtungskapital und hofft zuversichtlich mit mir , daß es mir glücken wird , durch Thätigkeit und Arbeit allmählich etwas von dem wieder frei zu machen , was Uebermut und Verschwendung in die Haft der Sequestration gebracht haben . Gott gebe mir Kraft dazu ! « Sie schwieg , während die junge Frau , die verschränkten Hände auf die Brust gedrückt , mit geschlossenen Augen und einem entzückten Lächeln dalag , kaum atmend , als könne ein einziger Hauch alle diese lieblichen Gebilde der Zukunft verwehen ; nur ein Schatten flog darüber hin . » Der Schwarze , Ulrike ! « fuhr sie empor . » Er ist spurlos verschwunden , « versetzte die Schwester . » Man glaubt allgemein , daß er sich unter klösterlichen Schutz geflüchtet hat . Er kann dir nichts mehr anhaben ; sei ruhig ! In die Oeffentlichkeit darf er sich nie wieder wagen ; der Vorfall macht ein derartiges Aufsehen , und die gesamte protestantische Bevölkerung ist so aufgebracht , daß selbst seine Beschützerin , die Herzogin , es für nötig befunden hat , sich für längere Zeit nach Meran › zur Heilung ihrer angegriffenen Brust ‹ zurückzuziehen – « Mainau trat ein . Die beiden Knaben folgten ihm . » Raoul , wie soll ich dir danken ? « rief die junge Frau . Er lachte und setzte sich neben sie . » Du mir danken ? Lächerlich ! Ich habe mir als rechtschaffener , unverbesserlicher Egoist alles wohlüberlegt zu einer glücklichen Zukunft eingefädelt ; daß es aber auch so himmlisch schön werden wird , wie ich mir träume , das liegt allein in den Händen meiner – zweiten Frau . «