sich in ihrer wilden Lust gezeigt , rings herum hatte sie ihre Liebe verschenkt und niemand hatte sie richtig gewürdigt . Ich aber , der ich allein Verständnis für die Art ihrer Leidenschaft gehabt hätte , ich hatte sie niemals besessen . Ich war an ihr verdorben und verhungert . Denn jetzt war es Zeit , jetzt kam es zutage : dürr und unbefruchtet war meine Männlichkeit geblieben . Es war die alleinige Ursache aller meiner Schwächen gewesen . Meine Herren , Sie wissen , das bringt herunter - und ich hatte ja Zana nie gehabt ! Erfolglosigkeit untergräbt den besten Charakter , in der Liebe aber ist es eine unmögliche Position . Slim hat behauptet , unser Geschlecht kenne die Sehnsucht nicht mehr . Dies bleibe dahingestellt . Sicher ist , daß es tausend Gründe für einen Mann gibt , sich zu verlieren , und diese tausend Gründe sind oft nur ein Weib . Ich habe Zana nie bekommen . Das genügt , um alle diese Verwickelungen zu erklären und eine Geschichte zu schreiben . Es genügt , um sich in Träumen zu nehmen , was einem in der Wirklichkeit versagt ist . Die Zwiebackkaissons waren erbrochen , die Konservenbüchsen geleert und eingetreten . Niemand brachte Wildbret ins Lager . Aber je stärker der Hunger sich meldete und je dünner ich um die Hüften wurde , desto unwiderstehlicher wurde die gleichfalls magere Schönheit Zanas , diese Hungerschönheit , diese krankhafte asketische Zärtlichkeit , die in ihren Körperformen festgehalten war . Ich liebte Zana mit dem Geschmacke , ihr Anblick zerlief mir am Gaumen . In meinen Hungerdelirien beschäftigte ich mich mit den Reizen ihrer Knochen , über denen die Haut gespannt lag . In meiner eigenen Bauchhöhle wurden die edlen Organe muskulös , ich konnte sie gebrauchen wie dressierte Bestien , und ich gebrauchte sie , um mir auf Grund ihrer originellen Kräfte die unerhörtesten Zärtlichkeiten für Zana vorzustellen . Der Zusammenhang zwischen den primitiven Nöten der Menschheit war hergestellt . Jawohl , ich schmeckte damals den Liebreiz Zanas . Ich umarmte sie mit meinen Eingeweiden , ich bewegte mein Herz aus dem Brustkasten und legte es sanft an ihre Wange , ich ließ es eine Weile stillstehen vor Jubel und ließ es wieder tanzen zum Preise Zanas , ich zog meinen Körper in Demut zu einem einzigen sehnigen Splitter zusammen und sprengte ihn in die Luft durch einen einzigen heftigen Willensakt . Dies alles tat ich und viel andere Muskelkunststücke mehr um Zanas willen , und weil der Hunger mir die Männlichkeit zurückgab , die ungestillte Liebe mir genommen hatte . Träume kamen und Tage . Sie glichen sich und enthielten einander . Aber dann kam ein Tag , und an diesem Tage bekam ich Zana doch . Nichts hatte ich im Magen , ich war nüchtern bis auf die Knochen aber voll Glut , und ich erfaßte die scharfsinnigsten Dinge im Fluge . Es war die leere Wärme , mit der mein Mastdarm sich beschäftigte . Doch dieser Dunstumschlag von innen her tat gut , er bewirkte eine einigermaßen lebhafte Verdauung , so daß ich meine eigenen Gifte zu schlucken und zu fressen anhub . Am zweiten Tage , da ich nichts gegessen hatte , war ich soweit , daß ich mich inmitten der lustigen Hitze , die mich umgab , zu dehnen und zu strecken begann , Herz , Leber , Darm und Milz einzeln springen ließ , wie gesagt , und einen deutlichen Aufschwung meiner Energie wahrnahm . Dies war der Höhepunkt , mußte ich mir sagen . Die Hitze war gut aufgelegt , sie krachte , sie sprudelte vor Klapperdürre . In diesen Tagen hatte ich keine Empfindungen . Es war , als wäre ich an eine Vergrößerungsvorrichtung angeschnallt , so unermeßlich und ewig war der Ausschlag , den alle Reize in ihrer Art hervorriefen . In diesen Tagen fiel die Sonne vom Himmel zur Erde herab . Dort lag sie am Buckel wie eine ungeheure vollgesogene Wanze und zappelte mit tausend Beinen , stach mit tausend Rüsseln und konnte sich nicht mehr erheben . Ich fühlte nun genau , wie sie am Rücken lag und nicht mehr aufkonnte . Ich fühlte sie am eigenen Leibe , ihre Verlassenheit und Breitspurigkeit , es war eine ungeheuer wirkliche Mitempfindung trotz ihrer Seltsamkeit , die mir übrigens nicht weiter auffiel . Manchmal fühlte ich , ich selbst wäre die Sonne . Als aber während des Tages die bissige Riesenwanze sich doch einmal zusammenraffte und langsam in den Schatten hinter der grünen Laubwand kroch , kam eilig der Mond gefedert und wurde immer deutlicher und schwerer . Zuletzt spießte er sich an einen hervorragenden Ast und beutelte sich zu Tode wie ein kleiner Vogel . In ein paar Zuckungen war es getan . Der flockige Seidenballon platzte entzwei und daraus schlüpfte zart eine dünne weiße Frau , die sich bald in Zanas schmachtende Formen verwandelte . Sie wechselte die Farbe und wurde rot . Wolken dampfenden Sonnenunterganges brachen aus ihr hervor und hüllten sie ein . Ich entsinne mich dieser Vision genau . Plötzlich gingen diese Wolken auf und nieder . Sie trugen etwas dahin , sie waren Wasser , und was sie trugen , war der Körper eines bärtigen Mannes . Ich strengte mich an , das Bild zu verfolgen . Und da es Abend war und mein Kopf sich scharf und klar fühlte , gelang es mir , lückenlose Verläufe zu bilden von Dingen , die das unberauschte Gehirn nur als Fragmente und Rätsel erlebt . Atemlos folgte ich den Bewegungen des Körpers , indem ich mich mit Spannung wie in Erinnerungen verlor . Der Körper tauchte ein paarmal auf und nieder und kam dann wieder über Wasser . Man konnte sehen , daß er lebte . In mich gehend stellte ich mir vor , was nun geschehen müßte . Der Mann im Wasser streckte die eine Hand empor und ballte sie zu einem Griffe . An seiner linken Schläfe klaffte eine lange Wunde ,