wollte , faßte Runotter den Buben am Arm . » Sei fürsichtig ! Der schaut aus wie ein arg Müder . Gönn ihm die Ruh ! Er schlaft . « Lautlos kauerte der Bub sich auf den Boden hin und schmiegte seine Wange an die Faust des Malimmes . Der zuckte leis . Doch er ließ die Faust so liegen , wie sie lag . Mit großen Augen sah Runotter die sonderbare Gewandung des Söldners an und betrachtete die neuen Waffen , die da umherlagen . Draußen bei den Gäulen war ihm das fremde Roß mit dem prächtigen Sattelzeug aufgefallen . Was er mit eigenen Augen sah , und das wirre Geschwätz , das der Heiner gemacht hatte , und das verdrehte Gerede der blonden Leuthausmagd - das alles stimmte nicht zueinander . Über das braune Gesicht des Bauern glitt plötzlich ein fahles Erblassen . Der schwere Küraß , der zu Häupten des Malimme auf dem Boden stand ? War das nicht der Küraß , den der Gadnische Vogt in jener Nacht getragen hatte , als der Jakob auf dem Totenbrett hatte liegen müssen ? Und war ' s nicht der gleiche Küraß , über den bei der Hallturmer Mauer das Blut des Erschlagenen heruntersprudelte , der unter den Streichen des Runotter zusammenbrach ? Wie kam dieser Küraß in das Zelt ? War Malimmes auf dem Greuelfeld des Hallturmer Burghofes zum Raubmann geworden ? Oder gab es Wege , auf denen die Toten ihre bösen Mahnungen zu den Lebenden schicken ? Wortlos , wie von einer drückenden Last gebeugt , ging der Bauer aus dem Zelt . Und draußen befahl er mit rauher Stimme dem Altknecht : » Lauf , Mensch - da liegt ein Krug - bring , was du kriegen kannst ! Mich dürstet nach Ruh . « Der heitere Lärm des Gelägers - diese kreischenden Stimmen , das Gelächter , die johlenden Lieder , das Dullenklopfen auf den Harnischen und Eisenhüten , das Gewieher und Stampfen der Pferde - das alles tönte gleich dem wirren Geplätscher eines Sturzbaches in die dämmerige Stille des Zeltes . Unbeweglich saß der Bub auf der Erde , mit dem Kopf an die Schulter des Malimmes gelehnt . Der lag wie ein toter Klotz . In dem Schlafe , den er geheuchelt hatte , war ihm aus Erschöpfung und Weindunst ein ehrlicher Schlummer auf die Lider gefallen . Manchmal ließ er ein kurzes , drolliges Schnarchen hören - es war wie der röchelnde Laut einer Kehle , der es ein bißchen an Luft gebricht . - - Vor der Mahlstunde des Gelägers , als die Waldluft erfüllt war von den Schmorgerüchen der vielen Feuerstätten , vernahm man immer wieder von der Hallturmer Höhe her ein kurzes , dumpfes Trommelgerassel . Das war der kriegerische Segen , mit dem der heilige Peter seine Toten verspätet dem Schoß der Erde übergab . Jeder von den Troßbuben , die beim Hallturm als Totengräber dienen mußten , hatte sich ein mit Essig getränktes Tuch um Mund und Nase gebunden . Und hohe Feuer loderten , die man mit Stößen von Wacholder nährte . Man trieb da den Teufel mit dem Teufel aus und übertäubte den üblen Geruch des Todes mit einem Gestank des Lebens . Das gemeine Volk , das die Pflichten der Pietät erfüllen und durch die zerbröselte Mauer die für den Sturm auf die feindliche Sperrschanze nötigen Tore brechen mußte , hielt den bayrischen Hauptmann Seipelstorfer für einen großen Esel , weil er sein Pulver sparte , statt die Arbeit bei der Hallturmer Mauer durch einen Hagel von Stein und Blei zu stören . Die Büchsenschanzen auf dem Fuchsenstein waren deutlich zu sehen ; doch über achthundert Schritte konnten die Getreuen des heiligen Peter nicht mehr erkennen , daß die bayrischen Geschütze bereits aus den Schanzen zurückgezogen waren . Unter Bespannung standen die Landshuterin die Hornaussin und die Trommelkanone schon im Wald auf der Straße , wo ihre Räder fest mit Sacklumpen und Filz umwickelt wurden . - Der wehrhafte Häuf des heiligen Peter , dessen Nachhut noch mit einem langen Schwanz die von Berchtesgaden herziehende Straße füllte , wurde außerhalb des Duftbereichs der Hallturmer Mauer aufgestellt . Hinter den vier Hauptbüchsen hatte Hauptmann Hochenecher mit seinen Geleitsherren auf einem grünen Hügel Stand genommen , um die Anordnung des Sturmes zu beraten . Der durfte vor der fünften Morgenstunde nicht beginnen . Es war wohl verabredet , daß der Hinterhalt der Salzburger mit dem Kriegshaufen des Bischofs von Chiemsee und des Kaspar Törring das Saalachtal vor Anbruch der Nacht bei Piding und Marzoll , hinter dem Untersberge , sperren würde . Aber man brauchte den sichtigen Morgen dazu , um den Seipelstorfer von Plaien abzuschneiden und den Feind hinunterzupeitschen in die unentrinnbare Mausfalle an der Saalach . Sooft die Salzburgischen Herren während ihres Kriegsrates zum Fuchsenstein hinüberguckten , fingen sie zu lachen an . Wie ahnungslos die winzigen Käfer da drüben auf und nieder krabbelten an der Sperrschanze ! Und Erde karrten und Bäume schleppten . Um sich einzusperren in einen mörderischen Sack ! Neben den Lachenden stand ein Ernster , der in diesem Kriegsrat kein Wort gesprochen hatte . Die feste Sonnenluft , die über den Hügel hinblies , bewegte die Fasanenflügel auf seinem schimmernden Helm . Als die Herren des Rates auseinandergingen , jeder zu seinem Fähnlein , legte Fürst Pienzenauer seine gepanzerte Hand auf die Schulter dieses Schweigsamen . » Komm ! Ich will reden mit dir . « In Lamperts Augen war eine dürstende Hoffnung . Die beiden gingen zu einer alten Ulme , in deren Schatten der Fürst sich niederließ . Lächelnd betrachtete er den Jungherrn . » Ich habe mir überlegt , was du mir am Morgen sagtest . Auch hast du dir durch den gefahrvollen Ritt nach Ingolstadt einen Dank verdient . « » Ich tat nur meine Pflicht . « » Grund genug für deinen Fürsten , um dir zu danken . Der Menschen , die immer ihre Pflicht tun , gibt es wenige . Sonst