beut mir das Papier : » Hie stehet es geschrieben von ihrer eigenen Hand ! « - Zitternd nehme ich den Brief : » Rede doch , Christian ! Wer denn , wer lebt ? « Da kommt die Antwort , nach der meine Sehnsucht oft flehend verlangt hat : » Sie - Eure Eheliebste - die Gräfin Thekla lebt ! « - Das war zu viel des Glückes so auf einmal ; gelähmt stund ich , wie vom Blitze getroffen , es wankten die Tannen rings und die Berge , es drehte sich alles , ich taumelte . » Halt ihn ! « rief Christianus . Dann saß ich im Beerenkraut , die beiden Männer waren um mich bemüht , aus einer Flasche sollte ich trinken . Ich strich mir über die Stirn . Sie lebt ! ging es mir durch den Sinn . Sagt nicht Christianus also ? Von ihrer eigenen Hand stehe es im Briefe geschrieben ? Da ist ja der Brief ! Hastig entfaltete ich ihn , während Christianus sprach : » Dieser Bote hat ihn vor kurzem meiner Mutter gebracht . « Ich erkannte die Schriftzüge , Theklas Hand , und las : » Liebwerte Preislerin ! Ehrsame Witfraue ! Nachdem ich meinen Johannes verloren und vor wenig Wochen auch noch meine zweite Mutter , die edle Frau Zetteritz , weiß ich niemand sonsten in der kalten Welt , bei dem ich Zuflucht suchen könnte , als meine gütige Preislerin , wofern , sie überhaupt noch am Leben . Denn der Oheim Tobias ist ja wohl verstorben . Wenigstens sind zween Briefel , so ich vor drei und vier Jahren durch Soldaten an Tobias Tielsch gesandt , ohne Antwort geblieben , und mein zweiter Bote hat mir die Kunde gebracht , der alte Tielsch sei tot . Damit Sie aber weiß , liebwerte Preislerin , welche Lebensumstände mich treiben , in Schreiberhau Zuflucht zu suchen , so vermelde ich , daß jetzo , nachdem meine Beschützerin , die edle Frau Zetteritz , verstorben , ihr Sohn , ein kaiserlicher Obrist , mich heuren will , wiewohl ich ihn nicht mag . Da will ich nun heimlich entweichen . Darf ich nach Schreiberhau kommen ? Sollten diese Zeilen an einen andern guten Menschen gelangen , mag der sich mein erbarmen . Wiewohl als Gräfin geboren , bin ich kein müßig Fräulein . Arbeit ist meine Lust ; ich will mich nützlich machen , wie ich kann . Ich weile in Altenhof , einem festen Hause des Ritters Zetteritz , gelegen bei Melnik in Böheim . Mit Zähren trauernder Liebe gedenk ich der Stunden , da ich von meinem Johannes aus der Gefangenschaft zu Euch gebracht ward und an seiner Seite im Schreiberhauer Bergwald hausete . O daß ich wiederkehren dürfte ! Meine Grüße sind so innig wie dieser Wunsch , und ich verbleibe treulich Eure Witfrau Thekla Tilesia , geborene Gräfin Schlick . « Auf sprang ich und lachte laut , den Brief an mein Herze gepreßt . » Sie lebt , sie kehrt wieder , sie ist mein ! « rief ich und überflog von neuem die köstliche Botschaft . Dann griff ich den Boten , der den Brief gebracht hatte , bei den Armen : » Lebt sie wirklich ? Sprich , wie fandest du meine Thekla ! Ich meine sie , die den Brief dir gab . « - » Nun ja doch , « nickte er , » freilich lebt die Witwe Tilesia und ist wohlauf , wie mir scheint . Sonsten weiß ich nichts ; ich sah sie nur das eine Mal . Bin ein Roßhändler , so auf der Reise im Wirtshaus zu Melnik herbergte . Da nun die Witwe Tilesia vernommen , daß ich nach Schlesingen reise , hat sie mir ein gut Stück Geld geboten , wenn ich den Brief besorge . « Ich drückte dem Manne die Hand . » Gehet zum Feste , lasset mich allein ! Christian , gib dem Mann zu essen , zu trinken ! Feiert , freuet euch ! Ich komme bald nach . « Sie gingen , und tief atmend starrte ich ins grüne Dämmern der Tannen . Vor mir schwebte ein Traumgesicht . Wie Flackern war ' s und gaukelte und lockte , daß ich der Flamme folgte . Doch da ich nach ihr haschte , sank mein Fuß in Schlamm und Moder . Zugleich verblaßte die Flamme und zuckte matt , derweilen das Morgenlicht geflutet kam . Kommst du , Sonnenbraut , reine , strahlende ? Bist endlich da , meine Thekla ? Auf die Knie warf ich mich ins Moos und rang vor Jubel die Hände . Dann sprang ich auf und kehrte zum festlichen Treiben froh zurück , begrüßt von einer Gruppe , die soeben von Christian vernommen hatte , welch Heil mir widerfahren . Die meisten Feiernden merkten auf eine Prozession weißgekleideter Jungfern , die jetzo singend von Schreiberhau her aus dem Walde kam . Voran schritt Berthulde , um deren Gewand sich eine Purpurschärpe schlang , während das Haupt mit dem aufgelösten Goldhaar Fichtenzweige krönten . Die anderen Festjungfern waren ebenfalls bekränzt . Ein Schwarm von Kindern , älterem Weibsvolk und Männern gab das Geleite , auch Beate und der Oheim waren dabei . Die Junggesellen auf dem Festplatz krähten vor Lust , lachend bildeten die Jungfern einen Halbkreis , und in dessen Mitte trat Berthulde . Durch einen Baumstumpf erhöht , gebot sie mit winkender Hand Stille und sprach : » Will Mannsvolk Freude ha ' n , so darf das Weibsvolk nicht fehlen . Wir Jungfern sind kommen , mit euch zu feiern . Zur Lust hat uns Allvater geschaffen , und das Lichtreich , das unser Herr der Berge mit uns gründet , es sei ein Garten der Lust . Lasset dieses Gartens Blümelein euch gefallen , ihr Kriegsmannen ! Heiloh ! « Jauchzend stimmte das Mannsvolk zu , Berthulde aber sprach weiter : » Bringet Wein her ! « Sogleich tat