insbesondere von Annas Geduld und Sanftmut , aber mit einem gewissen Unbehagen fühlte er , daß er sich ein wenig zwingen mußte , um seinen Mitteilungen den Ton von Ernst und Gedrücktheit zu bewahren , der ihnen ziemte . Felician hörte mit Anteil zu , erhob sich dann und ging im Zimmer auf und ab . Indes stand Georg auf , begann Toilette zu machen und berichtete dem Bruder , wie merkwürdig sich der weitere Verlauf des Abends gestaltet hatte ; sprach von den Gängen und Fahrten mit Heinrich Bermann , und von der eigentümlichen Art , wie sie endlich von dem Selbstmord der Schauspielerin erfahren hatten . » Ah , das ist die « , sagte Felician . » Es steht nämlich schon in der Zeitung . « » Also wie ist es denn geschehen ? « fragte Georg neugierig . » Sie ist in den See hinausgefahren und hat sich vom Kahn aus ins Wasser gleiten lassen ... Na , du wirst ja lesen ... Jetzt fährst du wohl gleich wieder aufs Land hinaus ? « fügte er hinzu . » Natürlich « , erwiderte Georg . » Aber ich hab dir ja noch was zu sagen , Felician , was dich interessieren dürfte . « Und er berichtete dem Bruder von dem Detmolder Telegramm . Felician schien erstaunt . » Das wird ja ernst « , rief er aus . » Ja , es wird ernst « , wiederholte Georg . » Du hast noch nicht geantwortet ? « » Nein , wie hätt ich können ? « » Und was gedenkst du zu tun ? « » Aufrichtig gestanden , ich weiß nicht recht . Du begreifst , daß ich nicht auf der Stelle hinfahren kann , besonders unter diesen Umständen . « Felician schien nachdenklich . » Mit einem kleinen Aufschub wird ja wohl nichts verloren sein « , sagte er dann . » Das denk ich mir auch . Vor allem muß ich wissen , wie ' s draußen geht . Ich möchte mich natürlich auch gern mit Anna beraten . « » Wo hast du denn das Telegramm , darf man ' s lesen ? « » Drin auf dem Schreibtisch liegt ' s « , sagte Georg , der eben damit beschäftigt war , sich die Schuhe zuzuschnüren . Felician begab sich ins Nebenzimmer , nahm die Depesche zur Hand und las . » Das ist ja viel dringender « , bemerkte er , » als ich gedacht habe . « » Mir scheint , Felician , es kommt dir noch immer merkwürdig vor , daß ich nun bald einen wirklichen Beruf haben soll . « Felician stand wieder bei seinem Bruder , strich ihm übers Haar und sagte : » Es ist vielleicht eine gute Fügung , daß die Depesche gerade gestern gekommen ist . « » Gut ? Inwiefern ? « » Ich meine , nach so einem trüben Ereignis dürfte dir die Aussicht auf praktische Betätigung doppelt wohltun ... Aber ich muß dich jetzt leider verlassen . Ich hab noch eine ganze Menge zu tun ; Abschiedsbesuche unter anderm . « » Wann fährst du denn , Felician ? « » Heut in acht Tagen . Sag Georg , du kommst doch heut wahrscheinlich noch vom Land zurück ? « » Wenn draußen alles in Ordnung ist , ganz bestimmt . « » Wir könnten uns vielleicht am Abend noch treffen ? « » Das wär mir sehr lieb , Felician . « » Also wenn ' s dir recht ist ich bin von sieben Uhr an zu Hause . Wir können vielleicht zusammen soupieren , aber allein , nicht im Klub . « » Ja , gern . « » Und ich möcht dich was bitten « , begann Felician nach kurzem Schweigen wieder . » Bestell draußen einen Gruß von mir , einen herzlichen ... und sag ihr , daß ich den innigsten Anteil nehme . « » Ich danke dir , Felician , ich werde es ihr ausrichten . « » Wirklich , Georg , ich kann dir gar nicht sagen , wie sehr es mich berührt hat « , fuhr Felician mit Wärme fort . » Ich hoffe nur , sie kommt bald darüber hinweg ... ... Und du auch . « Georg nickte . » Weißt du « , sagte er leise , » wie er hätte heißen sollen ? Felician ! « Felician sah seinem Bruder ins Auge , sehr ernst , dann drückte er ihm die Hand . » Aufs nächstemal « , sagte er mit einem guten Lächeln . Noch einmal drückte er dem Bruder die Hand und ging . Georg sah ihm nach , zwiespältig bewegt . Ganz unangenehm ist es ihm ja doch nicht , dachte er , daß es so gekommen ist . Rasch machte er sich fertig und beschloß , heute wieder einmal zu Rad aufs Land zu fahren . Erst als er über die belebteren Straßen hinaus war , kam er zum Gefühl seiner selbst . Der Himmel hatte sich ein wenig getrübt , und von den Hügeln her wehte Georg ein kühler Wind wie Herbstgruß entgegen . Er wollte in der kleinen Ortschaft , wo das gestrige Ereignis jedenfalls schon bekannt geworden war , niemandem begegnen und nahm den obern Weg zwischen Wiesen und Gärten zum rückwärtigen Eingang . Je näher der Augenblick kam , da er Anna wiedersehen sollte , um so schwerer wurde ihm ums Herz . Am Gitter saß er vom Rad ab und zögerte ein wenig . Der Garten war leer ; unten lag das Haus , in Stille versunken . Georg atmetet tief und schmerzlich auf . Wie anders hätte es sein können ! dachte er , schritt hinab und hörte den Kies unter seinen Füßen knirschen . Er trat auf die Veranda , lehnte das Rad ans Geländer und schaute durch das offene Fenster ins Zimmer hinein . Anna lag mit offenen Augen . » Guten Morgen « ,