. Ich habe nicht gewußt , daß die Dschamikun so viel des edelsten Blutes besitzen , und kann die Gegner nicht begreifen , daß sie gewagt haben , mit uns anzubinden . « » Der Grund ist leicht einzusehen , « antwortete er . » Sie prahlen mit ihren Pferden , geben ihnen hochtrabende Namen , wie zum Beispiel das beste Pferd von Luristan , bringen die Stammbäume derselben unter das Publikum und verbreiten über ihren unschätzbaren Wert so viele und so vollmäulige Geschichten , daß es schließlich Niemand mehr wagt , daran zu zweifeln . Jeder , der doch vielleicht noch den Mut besitzt , eine Wette einzugehen , tut dies aber unter dem Drucke der Angst , höchst wahrscheinlich besiegt zu werden , und da die Angst niemals zum Guten führt , so stellt sich stets auch hier die Niederlage ein . Man verliert ; aber nicht das Pferd ist schuld , sondern die Furcht , welche die Energie und Geistesgegenwart des Reiters lähmte . Bei uns aber ist das anders . Wir sprechen nicht von unserer Zucht ; ja , wir halten sie sogar und ganz geflissentlich geheim . Und besondere Stammbäume ? Wozu diese , wenn überhaupt alles edel ist ? Und das ist es ja , was wir erreichen wollen und erreichen werden ! Auch wissen wir nur allzu gut , wie oft solche Stammbäume täuschen , zumal bei fortgesetzter Binnenzucht . Darum greifen wir fleißig nach außen hin , um zu verbessern , zu veredeln . Sodann hüten wir uns vor prunkenden Namen . Sie sind doch bloß nur Sand , den man schließlich sich selbst in die Augen streut . Kein vernünftiger Mensch glaubt mehr an Namen . Darum wählen wir zur Benennung grad unserer allerbesten Pferde nur Worte , welche möglichst schüchtern , ja oft sogar herabsetzend klingen , dabei aber eine bessere , tiefere Bedeutung haben , die nur von uns selbst , aber von keinem Fremden verstanden wird . Das wirst du noch sehen . Denn unsere Hauptrenner sind heut noch gar nicht hier , weil eine Prüfung bei ihnen nicht nötig ist . Aus allen diesen Gründen ist man über das , was wir besitzen , fast gar nicht orientiert . Frag draußen im ganzen Lande herum , ob wir imstande sind , ein großes Rennen gegen auswärtige Pferde zu gewinnen . Man wird lächeln , sogar über Sahm , deren Name übrigens der einzige ist , der nicht verschwiegen klingt , und dir sagen , daß man uns Ritt auf Ritt besiegen würde . Doch mögen sie nur kommen . Wir wissen , was wir haben , und verstehen , es zu reiten . Und was die Angst betrifft , nun , lähmen wird uns nichts . Weißt du , wer unser bester Reiter ist ? « » Wohl du ? « » O nein , o nein , sondern der Ustad selbst . In dem Augenblicke , an welchem er den Sattel berührt , ist er nicht mehr der Ustad der Dschamikun , sondern etwas ganz , ganz Anderes . Er gleicht dann einem plötzlich jung gewordenen Djinni54 , dem jede Faser des Pferdes untertänig ist , und wer es mit ihm aufnehmen will , der wagt mehr , als er denkt ! Hierbei fällt mir ein , dir zu sagen , daß der Scheik ul Islam einen Eilboten heim nach Chorremabad geschickt hat , natürlich nicht von hier , sondern von unterwegs aus , denn wir sollten höchst wahrscheinlich nichts davon erfahren . Aber dieser Bote traf auf einen unserer Pferdehirten , begann aus Rache für unser Verhalten hier ein Wortgefecht mit ihm und war dabei so unvorsichtig , sich zu verraten . Er rief dem Hirten höhnisch zu , daß wir verloren seien , weil Ghulam el Multasim zum Ustad der Takikurden erhoben werde . Hältst du das für möglich oder nur für eine Lüge , um uns zu ärgern , Effendi ? « » Ghulam el Multasim , der Bluträcher , der Ertappte und Ueberführte , der vollständig Ehr- und Gewissenlose - - - Ustad der frommen , kurangerechten Takikurden ? Warum soll das nicht möglich sein ? Ich halte es sogar für sehr wahrscheinlich , nachdem ich den Scheik ul Islam kennen gelernt habe . Dergleichen Leute sind zu Allem fähig . Warten wir es ruhig ab ! Geschieht es wirklich , so kann es uns nur nützlich sein . « » Nützlich ? Uns ? Dieser Mensch an der Spitze unserer neidischesten Feinde ? « » Ja . Denn wird man einmal zum Kampf gezwungen , so ist es besser , man hat den ganzen Pöbel hübsch beisammen , weil man die Hiebe dann umso dichter fallen lassen kann . Es sollte mich freuen , wenn es würde ! « Da begann es in den buschigen Brauen des Chodj-y-Dschuna zu spielen ; seine Augen leuchteten auf , und er sagte in frohem Tone : » Dank sei Chodeh ! Ich sehe immer mehr , daß wir uns keinesfalls zu sorgen brauchen . Ich habe dir bereits gesagt , daß ich hier verschiedene Stellen bekleide . In gewissem Sinne bin ich auch so etwas Aehnliches wie Sypahsalar55 und weiß also genau , was es bedeutet , wenn wir das Dschamikun in Waffen ! rufen . Ich wittre Krieg . Hast du vielleicht den Wunsch , einmal Heerschau zu halten ? « » Allerdings ; aber ich versage mir seine Erfüllung . Es würde Aufsehen erregen , und ich wünsche aber sehr , daß man uns für unvorbereitet halte . Man soll unbedingt der Meinung sein , uns vollständig zu überrumpeln . Sei noch verschwiegen ! Wir werden uns zur rechten Zeit besprechen , sobald ich meine , daß sie gekommen sei . Die Fäden sind bereits in meinen Händen . « Da kam der Pedehr , zur Schau leider zu spät , doch versicherte er , sich der Sache umso eifriger anzunehmen . Er war oben im Walde in seiner Jagdhütte gewesen und