und Herren mit Ordenssternen . Der Schloßherr sprach einige Worte des Dankes . Wiederum Hochs und Hurras und noch mehr Wein . Karl hatte nur noch das Gefühl unaussprechlich seligen Wohlbehagens . So etwas hatte er noch nie erlebt und würde er nie wieder erleben . Von da ab kam er nur noch augenblicksweise zum Bewußtsein . Auf einmal stand er mit anderen Leuten zusammen im Parke vor der steinernen Freitreppe , die jetzt leer war . Die hohen Fenster des ersten Stockes waren erleuchtet . Man hörte Musik von drinnen . An den Fenstern vorüber huschten Schatten ; sie tanzten . Nun saß er auf einmal in einem rauchigen Zimmer . Vor Tabaksqualm vermochte er seinen Nachbarn kaum zu erkennen . Auf dem Holztische vor ihm stand ein Schnapsglas , daneben ein Fläschchen . Rings um ihn her Gesichter , und vor jedem eben solch ein Gläschen und Fläschchen . » Büttner bezahlt de Zeche , der hat ' s gruße Gald , « hieß es . » Ich - ich - ha nischt ne mih , de Frau hat ' s ! « Ein lautes Gelächter erscholl . Karl stand auf , schlug auf den Tisch und wollte den Freunden erzählen , wie ihn Therese um sein Geld gebracht hätte ; da schwanden ihm die Sinne , er stürzte hin . Als er erwachte , lag er im Straßengraben , über und über mit Tau bedeckt . Am Himmel zeigten sich rötliche Streifen . War es Abend oder Morgen ? Er befühlte seine Glieder . Der Kopf schmerzte ihm . Einige Zeit darauf befand sich Karl Büttner auf dem Weg nach Haus . Die Mütze fehlte ihm , er hinkte , über die Backe lief ihm eine blutunterlaufene Strieme . So humpelte er weiter , die Zähne aufeinandergebissen , die Fäuste geballt . Sein Hirn war noch umnebelt ; kaum daß er begriff , wo er sei . Aber er hatte einen Gedanken , der sich seines gesamten Sinnens und Denkens bemächtigt hatte , ein Ziel , auf das er mit der stieren Wut des Betrunkenen losging : sein Geld ! Er wollte das Geld zurückhaben . Seine Frau hatte es ihm weggenommen . Es gehörte ihm . Heraus damit ! So kam er mit blutunterlaufenen Augen heran . Er schwankte und turkelte , aber er näherte sich seinem Ziele . Es war bereits heller Tag , als er vor das Haus kam . Die Tür war verschlossen . Er donnerte mit schwerer Faust dagegen . Therese steckte den Kopf zum Fenster hinaus . » Bist de ' s ? - Schwein ! « Damit warf sie den Flügel wieder zu . Er lehnte da eine ganze Weile , rüttelte an der Tür , brüllte um Einlaß . Endlich öffnete sie . Er stürzte ihr halb in die Arme . Sie fing seine schwere Last auf , bewahrte ihn so vor sicherem Sturze . » Wo hast de gesteckt de ganze Nacht ? - De stinkst nach Schnapse ! « Damit stieß sie ihn durch den Gang vor sich her . Er strebte , die Tür zum großen Zimmer zu gewinnen . » Nich hiernei giehst de ! Daß d ' ch de Kinder sahn , besussen , wie ' s de bist ! « Sie wollte ihn in die Kammer stoßen , aber er stemmte sich zwischen die Türpfosten . Es entstand ein Ringen zwischen den Ehegatten . Sie glaubte , seiner leicht Herr werden zu können wie bereits manch liebes Mal in früherer Zeit ; sich zur Wehr zu setzen , hatte er noch nie gewagt . Aber sie fand einen ganz anderen in ihm heute . Er drang auf sie ein . Den wuchtigen Hieben seiner schweren Fäuste vermochte sie nicht standzuhalten . Sie versuchte loszukommen von ihm , er hielt sie wie in eiserner Umklammerung . Sie schrie und wehrte sich , wie eine Verzweifelte . Aber es gab kein Entkommen . Er hielt sie mit einer Hand und gebrauchte die andere wie einen Hammer . » Mei Geld ! « gröhlte er zwischen den einzelnen Schlägen : » Mei Geld ! Gib mei Geld raus ? « » ' s Geld kriegst de ne ! « sagte sie mit weißem Gesicht . Der Kampf ging weiter . Therese war keine schwächliche Frau ; sie brachte ihn mehrfach zum Wanken . Aber gegen seine ungeschlachten Kräfte konnte sie auf die Dauer doch nichts ausrichten . Karl Büttner glich einem wilden Tiere in seiner Wut . Niemand hatte ihn je so gesehen : das Gesicht gänzlich verzerrt , mit geiferndem Mund und funkelnden Augen . Das war nicht mehr der vom Vater ererbte trotzige Bauerngrimm - zum Tiere war der alte Traugott Büttner nie geworden , auch im Zorne nicht . - Das mußte von weiterher kommen . Zurückgedämmte Wildheit brach hier durch , niedere Triebe stiegen aus einem dunklen , langverdeckten Abgrunde ursprünglicher Verwilderung auf . - Therese hielt sich tapfer . Bleich wie Leinewand , stöhnte sie mit versagender Stimme : » ' s Geld kriegst de ne ! Und wenn de mich tutschlägst ! « Er raufte ihr das Haar , riß ihr die Kleider in Stücke . Dann faßte er sie plötzlich mit beiden Armen um den Leib , hob sie aus und warf sie zu Boden wie ein Bündel . Er stolperte dabei , fiel über sie hin , lag auf ihr und schrie ihr ins Ohr : » Mei Geld ! gibst de mei Geld raus ? « Sie lag da mit geschlossenen Augen . Schon griff er nach ihrem Hals , um die Ohnmächtige zu würgen , als er sah , daß Blut unter dem Haar hervordrang : ein dünner , roter Faden , der über die Stirn , an der Nase hin , nach dem Munde zueilte . Da hielt er inne ; hiervor erschrak selbst die bestialische Wut . Er erhob sich , betrachtete sie . Die Frau sah schrecklich aus mit ihrem zerfetzten Haar und