weich und sanft , daß der Blick unersättlich an diesen zarten Tönen hängt wie an einem zauberhaften Reiz . Das Tal mit seinen Gärten , Häusern und Wiesen liegt von schleierfeinem Duft überflossen . Halb ist es dünner Nebel , der aus dem See hervorquoll , halb bläulicher Rauch , der aus den Dächern stieg und sich zerteilte in der ruhigen Luft . Sie atmet sich gut und würzig - es ist , als würde das Blut mit jedem Atemzuge leichter . Es prickelt in allen Nerven . Man wandert , ohne den Körper zu fühlen , und ein gedankenloses Wohlbehagen , die Freudigkeit eines traumhaften Genießens überkommt die Sinne . In solcher Stimmung schlenderte Willy , der bei dem erste Schritt auf die Straße die Tragödie des Adlerkäfigs schon wieder vergessen hatte , dem Dorf entgegen . Da tauchte an einer Biegung der Straße das feine Lieserl auf . Die Kleine schien übler Laune zu sein und ließ das kokett frisierte Köpfchen hängen . Die rechte Hand hielt sie in die Hüfte gestützt , mit der linken schlenkerte sie in müdem Phlegma eine gehenkelte Blechkanne , die erraten ließ , daß das Lieserl zum Mooshofer wanderte , von dem die Zaunerin ihre Milch bezog . Bei Willys Anblick wurde Lieserl rot . Schmollend verzog sie das Mäulchen , und dem Feind das Feld überlassend , schlug sie sich seitwärts in die Büsche . Der zürnende Fluchtversuch schien Willy zu erheitern . Mit ein paar flinken Sprüngen holte er die Ausreißerin ein . » Na , na , na ! Das sieht ja aus , als wäre man beleidigt ? « Er faßte Lieserl um die Hüfte . » Du niedlicher Käfer ! Was hab ' ich dir denn getan ? « » Da können der Herr Graf noch fragen ! « stieß das Lieserl in einem Hochdeutsch hervor , dessen gespreizter Wortlaut sich bei dieser zornigen Schärfe drollig anhörte . » Lassen Sie mich aus , Herr Graf ! Ich bin keine solchene , die man das eine Mal abbusseln kann und das andere Mal beleidigen . « In Tränen ausbrechend , ließ sie die Blechkanne fallen . » Aber Lieserl , « stotterte Willy erschrocken und gab die Weinende frei . Sie machte ein paar taumelnde Schritte , sank auf eine Steinplatte und schluchzte wie vom Bock gestoßen . Ein Mädel weinen zu sehen - dazu noch ein so schmuckes Mädel wie das feine Lieserl - das ging über Willys Kräfte . Er dachte in diesem Augenblick an nichts anderes , nur an diese Tränen . Es waren so hübsche Tränen ! und die Wangen , über die sie rollten , waren so rund und frisch ! Und der Mund , über den sie flossen , so weich und rot . Bei jeder neuen Träne schienen die Lippen noch heißer zu glühen . » Aber Lieserl ! « Willy setzte sich auf die Steinplatte und schlang den Arm um den Hals des Mädels . » So hör ' doch zu weinen auf ! Ich hab ' dir doch nichts zuleid ' getan , ganz im Gegenteil ! Und wenn ich dich kränkte , ohne daß ich es wußte , so will ich es gerne wieder gutmachen ! « Lieserl klagte , ihr Hochdeutsch plötzlich vergessend : » Na , Herr Graf , da is nix mehr gut z ' machen ! Heut haben S ' mich ins Herz troffen . So was tut weh ! Sie wissen ja net , wie gut ich Ihnen gwesen bin ! « Willy quittierte diese kurzgefaßte Liebeserklärung , indem er das Mädel fest an seine Brust drückte . Lieserl sträubte sich nicht , doch allen Ernstes wiederholte sie : » Na , dös wissen S ' net ! Ich hätt mein Leben für Ihnen hergeben können . Die ganzen Täg hab ich allweil an Ihnen denken müssen und hab mir schier d ' Augen ausgschaut auf die Berg auffi ! « » Wirklich ? « Willys Rührung wuchs . » Du liebes , liebes Kerlchen du ! « » Und heut z ' Mittag - ' s allerschönste Nagerl hab ich abgrissen und hab ' s Ihnen zugworfen . Und Sie - « Lieserls Tränen kamen wieder ins Rollen . » Dös arme Nagerl haben S ' mit ' m Fuß davongstössen , als tät Ihnen grausen vor dem Blümerl und - vor mir ! « » Aber Schatz ! « Willy küßte das Lieserl auf die von Tränen nassen Lippen . » Wie kannst du nur auf den Einfall kommen , daß ich die Nelke mit dem Fuß fortgestoßen hätte ? Ein unglücklicher Zufall . Wie ich die Blume haschen wollte , bin ich gestolpert . « Er herzte die Weinende , recht wie ein Verliebter , der in Wärme kommt . » Geh , du Närrlein ! Welche Ursache könnt ' ich denn haben , um dich zu kränken ? Ich hab ' dich ja lieb und - « Er küßte und küßte . Lieserl sträubte sich nicht , sondern schmiegte sich immer enger in Willys Arme . Dabei weinte sie immerzu , als wäre der Zustand dieser fließenden Kümmernis für sie ein Behagen . » Ich bitt dich , Schatz , hör ' doch zu weinen auf ! Ich kann das nicht sehen ! Wenn ich nur wüßte , wie ich dich beruhigen könnte ! « Da fiel ihm der Rubin ein , den er beim Verlassen seines Zimmers mit den beiden Hirschgranen in die Hosentasche geschoben hatte . » Schatz ! Ich hab ' was für dich ! « Hurtig holte er den Stein hervor und hielt ihn vor Lieserls Augen ; trotz der sinkenden Dämmerung glühte der Rubin , als wäre in seinem Innern ein Funke roten Sonnenlichtes eingeschlossen . » Nimm , Lieserl ! Den Stein schenk ' ich dir . Und wenn du willst , laß ich ihn für dich zu einer Nadel fassen oder in einen Ring . Aber hör ' zu weinen auf