er grimmig , » daß Ihr herrliches Haar geopfert werden soll ! « - sie lohnte es in gleicher Weise . Er war natürlich nie darüber erfreut gewesen , hatte sich aber getröstet : » Sie fühlt sich eben schon als Mosches Verlobte und hat sich in ihr Schicksal gefunden . « Erst jetzt fiel ' s ihm ein , daß diese Ergebung sie nicht hinderte , im Beisein ihrer künftigen Schwägerin so scharf über derlei ungleiche Ehen herzuziehen und von Mosche als von einem verzogenen Knaben zu sprechen . Hatte es einen anderen Grund ? Etwa dieser Bernhard , den sie so oft zitierte ... ? Unmöglich , er mußte ja weit , weit älter sein als sie , sie hatten sich seit Jahren nicht mehr gesehen . Es war doch wohl nur der Gedanke : » Wenn ich Jossef Grün gefalle , bin ich die Braut seines Sohnes . « Aber es war fast unmöglich , daß er , einer der Frömmsten im Ghetto , eine solche Schwiegertochter wählte . Darum gestattete er wohl auch den Verkehr mit Sender : von Jossef also war kein Einspruch zu befürchten . Und ebensowenig von ihrem Vater , er gab wohl nach , wenn er sah , daß es auch mit Mosche nichts war . Sie selbst aber ? » Wenn sie Mosche gewollt hat « , dachte er , » so wird sie doch auch mich nehmen . « Nur an ihm selbst lag das Hindernis ! - er mußte ja Schauspieler werden . - » Ich muß « , murmelte er . » Ich muß « , wiederholte er lauter . » Schon heut ' abend geh ' ich nicht mehr hin . Das Herz wird mir weh tun , ich kann ihm nicht helfen ... Und jetzt wird wieder gearbeitet . « Er schritt an seinen Platz zurück . » Mit aller Kraft ! « rief er laut und streckte die Arme . » Jesus Maria ! ... O du armer Senderko ! « Er sah sich erschreckt um . An der Tür des Ladens stand Fedko und blickte ihn scheu , aber mitleidsvoll an . » Du , Fedko ? Komm ' näher . « Aber der Alte blieb an der Tür stehen , und als Sender auf ihn zutrat , wich er einen Schritt zurück . » Also du sprichst jetzt schon immer mit dir selbst ? « sagte er bang und musterte ihn scharf . » Ich hab ' dir immer gesagt , Senderko , das nimmt kein gutes Ende .... Läßt du dich deshalb nicht mehr blicken ? « » Nein , Fedko , ich bin noch bei Vernunft . Ich bin seit der Wahl ausgeblieben , weil ich nicht gewußt habe , ob Pater Marian wieder Zeit für mich hat . « » So , so ? « Der Pförtner schüttelte den Kopf . » Und Augen macht er heute auch « , murmelte er , » wie ich sie noch nicht an ihm gesehen habe . Aber was geht das mich an ? Also « , fuhr er laut fort , » der Hochwürdige läßt dir sagen , daß du von heut ' mittag ab wieder in die Bibliothek kommen kannst , obwohl er seit vorgestern nicht mehr daneben wohnt . « » So ? Warum ? « » Weil er kein ganzer Sünder mehr ist , sondern nur noch zur Hälfte , oder zu einem Viertel oder vielleicht gar nicht . Nämlich ein neuer Prior , eine neue Frömmigkeit . Dieser hochwürdige Valerian « - er seufzte tief auf - » stellt alles auf den Kopf . Ein bißchen Trinken ist eine Sünde , aber den Juden Baugründe verkaufen , das darf ein Christ . Die Mönche brauchen zu viel , sagt er , aber bei einer Malerin in Lemberg ein neues Altarbild für die Klosterkirche bestellen , dazu hat er das Geld . Den Pater Ökonom hat er in eine Nonnenzelle gesetzt , weil er ihm nicht glaubt , daß die Försterin , die Frau Putkowska , seine Nichte ist , und sie ist es doch schon seit acht Jahren . Aber der Pater Marian , der einem Juden eine , Kommedia ' lehrt , bekommt ein schönes Zimmer im ersten Stock . Das heißt , das weiß der Prior freilich nicht und soll ' s auch nicht erfahren . Also kommst du heute an die Tartarenpforte ? « » Ja , und ich lasse dem Pater schön danken . « Da fiel sein Blick auf die Eingabe ; die mußte ja sofort geschrieben sein . » Erst morgen , lieber Fedko , da aber gewiß . « » Gewiß ? « fragte der Alte und schüttelte traurig den Kopf . » Was ist in solchen Zeiten gewiß ? Am Ende verlier ' ich auch diesen Slibowitz . Aber wie Gott will . « Sender machte sich an die Arbeit . Vorerst besah er sich noch die verhängnisvolle Stelle . Nun fiel ihm bei , wie der Schaden entstanden . Der mächtige Tintenfleck war zuerst auf den Bogen gekommen . Er hatte gewartet , bis er etwas getrocknet sei , um ihn wegradieren zu können . Dabei waren ihm die Gedanken von Chaim Fragezeichens blauem Auge zum Marktplatz gewandert . Dann hatte er den Bogen umschreiben wollen , aber am nächsten Morgen das Blatt gewendet und den Schluß beigefügt . » Heute soll mir so was nicht passieren « , dachte er . Er faltete einen neuen Foliobogen und begann das Rubrum zu schreiben . » Replik in Sachen « ... Dovidl sollte diesmal zufrieden sein , das Wort » Replik « ein Muster kalligraphischer Kunst werden , wie er es liebte . An dem » R « malte er allein einige Minuten . » Arbeiten « , dachte er dabei . » Und die Sach ' muß ein End ' nehmen . Aber heut ' schon soll ich nicht mehr hingehen ? « Er blickte hinaus , der Regen