es im Stadel stand . Vielleicht gelang es ihm noch , wenigstens den Tabak und das Schießpulver auf die Seite zu bringen und die ungestempelten Kalender und den Kaffee und die Tuchballen und alles . Dann konnte er später , so zwischen Feuer und Licht , auch ganz behaglich daheim sitzen , so behaglich als einer . Das bisherige Leben war nur ein beständiger Krieg gewesen , nun aber mußte Frieden werden für die letzten Tage . Ein Heimweh , eine nie so empfundene Sehnsucht nach einem ruhigen , gottgefälligen Leben erfaßte ihn . Die Lichter da drunten sah er nur noch in den Tränen schwimmen , die seinen Augen entquollen . Er wollte gewiß ordentlich und fromm werden , recht fromm , und zur Messe gehen und Stiftungen machen und alles - nur noch heute , zum letztenmal , sollten List oder Gewalt ihm irgendwie durchhelfen . Hansjörg mußte noch ungefährlich gemacht und Zusel in Ehren versorgt werden auf dem Stighof , sonst war ' s ja gar nicht möglich , seinen guten Vorsätzen gehörig nachzukommen . Mit solchen Gedanken beschäftigt , war er , immer schneller gehend , endlich beim Stadel seines Töchtermanns angelangt . Derselbe stieß gegen die durchs Dorf gehende Gasse hinab hart an den hinteren Teil des der Gasse entlang stehenden Hauses , den die Stallungen und Heulager einnahmen , während die Wohngebäude sich jenseits des mitten auf dem hohen Dachfirst aus dem Schnee hervorragenden Kamins befanden . Aber wie fern auch der Stadel der Wohnstube stand , hörte der Krämer doch , wie Angelikas Margretle mit vor Weinen halberstickter Stimme der Mutter rief . Zuerst glaubte er , sich jetzt um Wichtigeres kümmern zu müssen als das Schreien eines Kindes , dessen Mutter gewiß in der Nähe war . Aber das Kind rief immer schmerzlicher , so daß er endlich , wenn auch mürrisch , hinüberfragte : » Wo ist denn die Mutter ? « » Beim Großvater . « » Das ist nicht wahr « , sagte er etwas freundlicher . Das Mädchen mit den goldigen Locken und dem schnellen Blicke hatte längst sein Herz gewonnen , und er spielte lieber mit ihm , als er früher mit seinen eigenen Kindern gespielt hatte . Margretle wußte das , und seine Stimme klang viel heiterer , als es dem schon Erkannten zurief : » Komm doch herein ! Ich geh ' gleich mit , wenn die Mutter auch wegbleibt . « Der Krämer vergaß , warum er herkam , und ging in die Stube . Das Mädchen war allein und erzählte , daß die Mutter schon vor dem Dunkelwerden das Haus verlassen habe . » Der Vater « , klagte dann das Kind , » ist nachmittag heimgekommen und hat nicht mehr gehen und kaum reden können . Dann ist er ins Bett . Die Mutter ist aufs Kanapee gefallen und liegen geblieben , aber sie hat nicht geschlafen . Geweint hat sie recht grausam , und ich hab ' auch weinen müssen . Die Kühe haben das Futter viel zu spät bekommen , dann ist die Mutter fort zu dir und hat gesagt , sie frage dich , ob es nicht auch für uns noch Platz gab ' in deinem Hause , weil es hier doch nicht mehr zum Aushalten sei . « Nun konnte der Krämer sich alles erklären . Es tat ihm wohl , daß jetzt auch Angelika , die sich bisher immer etwas scheu stellte , zu ihm die Zuflucht nehmen und so das Werk ihrer stolzen mütterlichen Verwandten öffentlich verdammen wollte . Nun waren noch schöne Tage zu erleben in seinem Hause . » Möchtest du zu mir ? « fragte er freundlich . Das Kind warf einen traurigen Blick nach dem Schlafzimmer des Vaters und antwortete : » Ich möchte nicht mehr dableiben , wenn die Mutter gehen tät . Wenn doch nur der Vater nicht krank wär ' ! Oh , du hättest ihn heute sehen sollen ! Er hat nicht einmal essen mögen , und der fremde Mann mit dem langen Rock und dem grünen Kragen und dem großen Messer ist allein bei dem Braten gewesen , den Mutter schon gestern abends für den Vater gerichtet und heute weinend wieder gewärmt hat . « Das erinnerte den Krämer wieder an den Stadel . Hastig langte er nach der Laterne auf dem buntbemalten Wandschrank , und indem er die darin stehende Lampe rasch anzündete , sagte er : » Die Mutter kommt schon , leg ' dich nur aufs Kanapee , bis sie kommt , und schlaf - oder bete . « Ohne sich noch um die Einwendungen des Kindes zu kümmern , verließ der Krämer die Stube und eilte dem Stadel zu . Seine Hast , die alle Vorsicht vergaß , mußte ihn verraten , wenn irgendein Beobachter in der Nähe war . Trug er doch sogar die Laterne ganz frei in der Hand , als ob es keinem Menschen auffallen könne , wenn er gesehen werden sollte . Von vorsichtigem Horchen vor Eröffnung des großen Tores war keine Rede mehr . Erst als er im Stadel war , dachte er daran , wie sehr er die beiden schon hier zu treffen fürchtete . » Gott Lob und Dank ! « hauchte er , als er alles in Ordnung fand . Auf dem Boden , unter welchem er seine Waren versteckt wußte , lagen eine Menge Hobelspäne , wie sie Hansjörg immer herumzustreuen pflegte . Die , in viele Teile zerlegt , hier an der Wand aufgebeigten Heuwagen warfen lange , gespensterhaft aussehende Schatten an Wand und Decke , deren sonderbares Nicken und Winken dem Krämer grausig vorkam , einem anderen aber sicher nur das Zittern der Hand verraten hätte , welche die Laterne krampfhaft festhielt . Endlich stellte er sie auf den Boden - und schrie vor Schrecken laut auf , als er dabei die Schatten länger werden und gegen ihn herausfahren sah . Seine Hand war zu unsicher , sein Arm zu kraftlos ,