diese Menschen mit dem edeln Geschlechte der Gnadewitze nichts gemein haben , beweisen sie am schlagendsten dadurch , daß sie den herrlichen , alten Namen nicht zu würdigen wissen , indem sie sich in unbegreiflicher Indolenz weigern , ihn zu führen . Der versprengte Tropfen nobles Blut ist im Laufe der Jahre verkommen in ihren Adern , und für meine Adelsbegriffe ist und bleibt das Mädchen unadlig ... Ich beklage aufrichtig den armen Hollfeld , der , wie Eure Durchlaucht doch gewiß gnädigst zugeben werden , ein Kavalier vom reinsten Wasser ist ; er verliert durch diese Mesalliance mindestens eine halbe Million , und die unglückliche Lessen , von der ich mit der Verlobungsanzeige zugleich einige trostlose Abschiedszeilen erhielt , verläßt heute noch Lindhof , jedenfalls um der skandalösen Geschichte aus dem Wege zu gehen . « » Das sind Dinge , die speziell Ihr freundschaftliches Gefühl berühren , und deshalb will ich nicht rechten mit Ihnen über die Art und Weise Ihrer Auffassung , « entgegnete der Fürst nicht ohne Schärfe . » Uebrigens will ich Sie hiermit ersucht haben , der Fürstin und mir sofort Anzeige zu machen , wenn Herr von Walde uns seine Braut vorzustellen wünscht . « Drin im Nebenzimmer , dessen Thür offen stand , drehte sich Cornelie lustig auf dem Absatz herum und schlug ein Schnippchen . » Ah , also deswegen wollte der Herr Eisbär der Zunge gewisser redseliger Damen entgehen ! « rief sie mit unterdrücktem Lachen . » Cornelie , wo blieb damals dein untrüglicher Scharfblick für das Verliebtsein der Männer ! ... Uebrigens macht mir die Geschichte unendlichen Spaß um der alten Falkenberg willen , « wandte sie sich flüsternd an eine andere junge Dame , die stickend am Fenster saß . » Jetzt werden wir mindestens vierzehn Tage lang das Vergnügen haben , zu sehen , wie die vielgetreue Royalistin unsere Durchlauchten am liebsten mit den Blicken spießen möchte , sobald sie ihr ahnungslos den Rücken zukehren , während sie den Honigseim des gelobten Landes über ihre welken Lippen fließen läßt , wenn der Sonnenschein der fürstlichen Augen auf sie fällt . Um dieses Genusses willen möchte man wirklich wünschen , daß unsere sämtlichen Herren solche dumme Streiche machten . « » Um Gotteswillen , Cornelie , bist du wahnsinnig ? « rief die Kollegin im Fenster und ließ entsetzt die Nadel fallen . - Und wiederum in der nämlichen Stunde , da sich selbst das kleinste Tröpflein Blut in den aristokratischen Adern der Frau Oberhofmeisterin von Falkenberg empörte , trat Doktor Fels heimkehrend in die Kinderstube , wo seine Frau eben das Kleinste badete und dabei die strickenden Fingerchen ihrer zwei kleinen Töchter beaufsichtigte . » Frau , freue dich mit mir ! « rief er mit strahlendem Gesichte schon vor der Thür . » Lindhof bekommt eine Herrin , und was für eine ! ... Goldelse , die schöne Goldelse wird ' s , hörst du , mein Schatz ? ... Nun wird ' s wieder hell und sonnig da draußen ! Der gesunde Gedanke siegt , und der finstere Geist , der auf die armen Menschenseelen einen wahren Mehltau geworfen hatte , entflieht - ich habe ihn eben im Reisewagen des Herrn von Walde vorbeirasseln sehen . Draußen in Lindhof mögen vor einer Stunde der unsichtbaren Kreuze genug in der Luft herumgeflogen sein ... Die Verlobungsanzeige ist wie eine Bombe in unsere gute Stadt gefallen . Ich sage dir , es ist eine wahre Lust , die langen , die ungläubigen und die neidischen Gesichter alle zu sehen ! ... Mich aber hat sie ganz und gar nicht überrascht , diese Nachricht . Ich wußte seit der Attentatgeschichte , was kommen würde . Als ich noch an demselben Abende an Herrn von Waldes Seite nach Lindhof rollte , um zu sehen , ob die Alteration für das kleine , kühne Mädchen keine nachteiligen Folgen gehabt habe , da merkte ich plötzlich , daß endlich auch seine Stunde geschlagen hatte , daß auch er ein Herz habe , und zwar eines voll tiefer , leidenschaftlicher Liebe . « Will der Leser einen Zeitraum von zwei Jahren überspringen und noch einmal an unserer Hand die Gnadecker Ruinen betreten , so führen wir ihn auf den Windungen einer breiten , schönen Fahrstraße den Berg hinauf vor das Schloßthor , das , neu angestrichen , seine rostigen Schlösser und Bänder mit neuem Eisenwerke vertauscht hat . Wir gedenken fröstelnd des kalten , feuchten Hofraumes hinter diesem Hauptthore , den düstere Kolonnaden an drei Seiten einschließen , während die oberen Stockwerke die mörderische Absicht zeigen , auf uns herabzustürzen . Wir erinnern uns des einsamen Wasserbeckens inmitten des Hofes , das , von den steinernen Löwen beherrscht , seit vielen Jahren vergebens auf die silberhellen Fluten hofft , die sein Rund ausfüllen sollen . Mit diesen Vorstellungen läuten wir . Auf den tiefen Klang der Glocke öffnet alsbald eine frische , kräftige Magd den schweren Thorflügel und bittet uns , einzutreten . Wir aber weichen wie geblendet zurück , denn aus der Thüröffnung quillt uns ein Licht- und Farbenstrom entgegen . Die Ruinen sind verschwunden , nur die hohe , eisenfeste Ringmauer steht noch und läßt uns jetzt erst recht erkennen , wie ausgedehnt der Raum ist , den sie umschließt . Wir treten nicht auf das hallende Steinpflaster des Hofes , unter dem Fuße weicht hoch aufgeschichteter Kies . Vor uns dehnt sich eine prächtige , wohlgepflegte Rasenfläche . In ihrer Mitte ruht die ungeheure Granitschale , und aus den dräuenden Löwenrachen rauschen vier gewaltige Wasserstrahlen . Die Kastanien stehen noch als treue Wächter um das Bassin , aber seit sie ihre Wipfel in dem freien , frischen Luftstrome baden , haben sie sich erholt und sind in diesem Augenblicke mit zahllosen weißen Blütenkerzen besteckt . Wir biegen in einen der Kieswege , die das Rasenrund umschließen , wandeln zwischen geschmackvoll angelegten , freilich noch schwach entwickelten Bosketts und weiden unsere Augen an blühenden Sträuchern und augenscheinlich zärtlich gepflegten