durch keine warnende Vergangenheit und durch keine schwankende Zukunft aus ihrem Opiumtraum von allgemeinem Frieden und Fortschritt aufwecken und versenkte sich immer tiefer in die öden Freuden eines krankhaft gesteigerten Luxus und in die schwindelnden Reigen einer Civilisation , die auf Dampfmaschinen beruht . Damit der allmächtige Faktor der Zeit , Dampf - in seiner Tätigkeit und Wirksamkeit nur beileibe nicht gestört werde , schrie die Welt nach Frieden und überredete sich , daß das Brodeln der Dampfkessel und das Schwirren der Maschinen Grundlage und Unterpfand eines Friedens wären , dessen Dauer die hohe und allgemeine Bildung der Menschheit verbürge . Und so hatte denn die Welt ihre Art von Frieden , d.h. es gab keinen Krieg . Mit großer Selbstgefälligkeit führte der Graf seine beiden schönen Töchter in die Gesellschaft ein . Regina ' s erstes flüchtiges Auftreten war im Laufe der Jahre und der Ereignisse vergessen . Sie war eine ebenso neue Erscheinung als Corona , ja neuer , insofern ihre Eigentümlichkeit entschiedener und nicht salonmäßig war . Sie ging und stand und sprach und tanzte zwar mit allen übrigen , aber sie tat es nicht wie sie . Sie trug zwar die Farbe der Welt , aber in einer besonderen Nüance . Man hielt sie allgemein für Uriels Braut und man zerbrach sich den Kopf , weshalb wohl noch immer nicht die Dispense aus Rom gekommen sei , welche die Verehelichung gestatte . Corona aber wurde die gefeierte Schönheit des Tages . Sie war auch schön wie der Tag , mit ihren bezaubernden goldbraunen Augen , die schwärmerisch und schalkhaft zugleich , halbverschleiert hinter schwarzen Wimpern lagen - und mit ihrer feinen nymphenhaften Gestalt , die sich so edel bewegte und so graziös das liebliche , braungelockte Haupt trug . Sie unterhielt sich vortrefflich ; alles machte ihr Verngügen : der Tanz , die Musik , die verbindlichen Menschen , die geschmackvollen Kleider , die glänzenden Feste ; auch die Huldigungen , deren Gegenstand sie war ; auch die dadurch erhöhte Zärtlichkeit ihres Vaters , bei dem die Wertschätzung seiner Töchter in dem Maße stieg , als die Welt ihnen huldigte . Wie ein Blumengarten lag das Leben vor Corona und sie wähnte , sie brauche nur die Hand auszustrecken , um sich tausend duftende Blüten zum Strauß zusammenzubinden . Zu anderer Zeit würde Regina sorgenvoll Corona ' s Richtung beobachtet haben ; allein Regina ' s innerstes Wesen stand selbst in den Flammen eines Scheiterhaufens , und sie wußte nicht , ob ihr Herz darin zu Asche verbrennen oder zu jenem Gold von vierundzwanzig Karat ausglühen werde , über welches keine Flamme mehr Gewalt hat . Sie litt und schwieg - und kämpfte ihren Kampf nach ihrer Art , still vor Gott , ohne zu klagen und zu fragen . Aber sie litt so sehr , daß die frische Blüte ihrer Gesundheit davon angehaucht wurde . Sie suchte es zu verbergen ; je bleicher sie wurde , um desto freundlicher lächelte sie , und daß sie sichtlich abmagere , schob sie den durchtanzten Nächten zu . Aber Corona hörte sie zuweilen in stillen Nächten beten und weinen und sagte es der Tante Isabelle mit dem Zusatz : » Sie vergeht vor Sehnsucht nach dem Kloster . « Und die Tante sagte es dem Grafen und bat ihn , einen Arzt zu Rat zu ziehen , ob der Gram nicht wirklich Regina ' s Gesundheit zernage . Der Graf hatte seinerseits nicht ohne Sorgen Regina ' s Zustand wahrgenommen , aber sich , nach Art der Egoisten , darüber zu täuschen versucht , indem er alles für bare Münze nehmen wollte , was sie von den Anstrengungen des Faschings vorschob . Nun aber brach er gegen die Baronin aus : » Beste Isabelle ! bin ich nicht ein beklagenswerter Vater ! Alles tue ich für meine Kinder - alles ! In die schottische Romantik begebe ich mich mit ihnen und in die Faschingslustbarkeiten - und was ist mein Lohn ? Regina vergrämt sich in wahrhaft stupider Sehnsucht nach dumpfen Klostermauern , und Uriel - statt herzukommen und frischweg Corona zu heiraten , sitzt auf Stamberg und bebrütet Gott weiß was für Pläne . Ehe er sich aber nicht entschieden hat , kann ich doch unmöglich Regina ziehen lassen . Das wäre zu früh , da ich ihr eine zehnjährige Frist gestellt habe . Das hieße meinem Ansehen als Vater etwas vergeben . Ließe ich mir meine Einwilligung von ihr abtrotzen - wer weiß , was der Kleinen einfiele . « » Davon reden wir ja nicht , « entgegnete die Baronin , ängstlich wie immer . » Lassen Sie nur einen Arzt für Regina rufen . Es wäre doch besser , sie ihrem Klosterberuf folgen - als sie sterben zu sehen . « » Sterben ! meine prächtige Regina sterben ! « rief der Graf aufgeregt ; » das darf nicht sein . Es soll auf der Stelle ein Arzt gerufen werden . « Er ging in das Zimmer seiner Töchter . Beide saßen am Flügel und spielten vierhändig Beethovens Symphonie aus C moll . Sie wollten ihr Spiel unterbrechen , als er eintrat ; aber er hieß sie fortfahren und setzte sich ihnen gegenüber , um sie zu beobachten und zu vergleichen . Corona ' s Gesichtchen glühte von Eifer und Aufmerksamkeit ; sie spielte die erste Partie , und ihre hellrosigen Wangen , ihre leicht geöffneten Lippen , der feste Blick , womit sie auf ihre Noten sah , verrieten , wie vertieft sie in ihrer Aufgabe war . Regina spielte mit viel größerer Leichtigkeit , gab gewandt hie und da der Schwester nach , schlug die Notenblätter um , verriet gar keine Anstrengung ; warum brannte denn aber ein so scharfes abgezirkeltes Rot auf ihren Wangen ? und warum hatten ihre Augen solchen auffallenden Glanz ? Sie wird doch nicht hektisch sein ! murmelte der Graf beängstigt . Nach dem Schlußakkord rief er : » Bravo , Kinder ! Corona muß sich noch tüchtig