beschuldigen , daß der Sohn den Vater in ' s Verderben gebracht ; ich beging noch ein zweites Verbrechen : der Baubruder entzog der geistlichen Gerechtigkeit ein Opfer und dem Kloster einen Mönch - ich habe Amadeus zur Flucht geholfen ! « » Weh ' Dir und ihm ! « rief der Propst und verhüllte sein Gesicht . » Ich bin bereit selbst das Opfer zu sein ! « sagte Ulrich ; » überliefert mich als einen Verbrecher dem geistlichen Gericht - laßt mich auch so still einmauern und von der Welt verschwinden ; es erspart mir dann ein Leben der Schande , das vielleicht auf mich wartet . « Der Propst rang die Hände , hatte Thränen in den Augen und seufzte : » Ach , warum mußte ich so schwach sein , seiner Bitte nachzugeben und Dich hinsenden ! Warum seinen Worten trauen - er versprach zu schweigen gegen Dich und gegen Alle . » Klaget ihn nicht an ! « sagte Ulrich ; » ich will Euch Alles beichten , wie es kam , was ich gehört und was ich gethan . « Und er beichtete getreulich Alles , nur Konrad verrieth er nicht , sondern sagte nur , daß ihm ein geistlicher Bruder beigestanden , den er nicht nennen werde und dem seine eigene Sicherheit gebiete für immer zu schweigen . » Und nun , « schloß er , » richte ich an Euch die Frage : » ist meine Mutter Euere Schwester und lebt sie noch ? Der Propst schloß den jungen Mann in seine Arme . » Ich bin Dein Ohm , « sagte er , » und liebe Dich vielleicht mehr als Dein Vater ! aber ich wollte nie , daß Du ein Geheimniß erfuhrest , dessen Entdeckung für Dich gefährlich werden kann . Aber ich hoffe , daß es dennoch bewahrt werde - Du wirst Dich nicht selbst verrathen und unglücklich machen . « » Lebt meine Mutter noch ? « wiederholte Ulrich . » Sie lebt , « antwortete der Propst nach einigem Bedenken , » und ganz in Deiner Nähe , aber für immer von Dir getrennt - sie ist hier und Nonne im Kloster der heiligen Clara ! « » O darum zog es mich so hierher nach Nürnberg ! « rief Ulrich . » Sie weiß nicht , daß Du hier bist ; sie weiß nur , daß Du ein tüchtiger und braver Baubruder geworden , und freut sich , daß Du der Kunst und Gott getreulich dienest , und daß so mehr aus Dir geworden , als wenn sie bei Dir und mit Dir in dem Dorfe geblieben wäre , das für Deine Heimath galt , « antwortete der Propst . » Und wie kam sie hierher ? « forschte Ulrich weiter , » und hat mir Amadeus in Allem die Wahrheit erzählt ? « » Die volle Wahrheit ! « bestätigte der Propst , » und damit Du nicht am unrechten Orte forschest , so will ich seine Geschichte vollenden . - Als er mit Deiner Mutter floh , hatte er nicht den Muth ihr zu gestehen , daß er daheim ein liebendes Weib und Kinder besitze . Ulrike folgte ihm vertrauend nach Frankfurt , wohin er damals im Kriegsdienst mußte , und nur das schmerzte sie und ihn , daß sie Dich nicht bei sich hatten ; allein es tröstete sie , daß sie Dich im Kloster sicher und in guten Händen wußten , bis sie Dich würden können zu sich kommen lassen . Amadeus versprach ihr , sich mit ihr trauen zu lassen , sobald die kirchliche Scheidung von ihrem Mann erfolgt sei - indeß hoffte er auch die seine zu bewerkstelligen . So vergingen Monate . Ein Kriegsbefehl rief ihn nach Würzburg , er nahm sie auch dahin mit ; aber während er sie dort , um im Felde zu dienen , allein zurücklassen mußte , erschien plötzlich seine Gemahlin bei ihr . Ein Gefährte ihres Gatten hatte ihr hinterbracht , daß dieser um eines gemeinen Weibes Willen , das er auf der Landstraße aufgelesen , die Scheidung von ihr fordere , und die liebende Frau wollte jenes selbst sehen und durch Geldanerbietungen von ihm trennen . Für Deine edle Mutter war es genug , den Beweis zu erhalten , daß Amadeus durch andere heilige Pflichten gebunden sei , um zu wissen , was sie zu thun hatte . Mit Stolz wies sie alle Anerbietungen zurück und erklärte , daß sie Amadeus fliehen und für ihn todt sein wolle , ehe er um ihretwillen die Seinen unglücklich mache . Sie hatte inzwischen gehört , daß ich Geistlicher in Nürnberg sei - in der Verzweiflung erschien es ihr als Trost , sich dem Bruder zu vertrauen , bei ihm eine Zuflucht und Schutz zu suchen . So kam sie zu mir . Ich hatte sie als todt beweint , und mit der wiedererstandenen Unglücklichen , die schon so viel gebüßt , rechtete ich nicht über ihre Verirrungen - ich empfing sie als liebender Bruder . Aber bei mir konnte sie nicht bleiben , ich brachte sie in ' s Kloster der heiligen Clara , eine Zufluchtsstätte , die sie selbst ersehnte . Dort ist ihr Leben ein dem Himmel geweihtes und ein stillglückliches gegen das , welches sie einst bei dem rohen Gatten führte . Todt zu sein für die Welt und für Alle , erschien ihr als der beste Trost . In dem Kloster , das Dich aufgenommen , nannte sie mir den Bruder Anselm als den , welchem ich vertrauen könne . Mit ihm setzte ich mich in Verbindung , er allein erfuhr ihr Geschick und berichtete uns über Dich , so lange Du im Kloster warst . Du galtest dort als ehrlicher Sohn des dörflichen Paares , und so hielt man Dich auch nicht ab , als Du in die Bauhütte von Straßburg wolltest , und gab Dir für den Maurerhof mit anderen Zeugnissen auch das Deiner ehrlichen Geburt . Amadeus