der Vater auch manchen Fehler , den ich in den Arbeiten gemacht hätte , und setzte mir auseinander , wie ich selbe , falls ich wieder ähnliche Dinge entwerfen sollte , vermeiden könnte . Da er Gemälde hatte , da er sich seit Jahren mit denselben beschäftigt hatte , so durfte ihm wohl ein Urteil in dieser Hinsicht zugewachsen sein , und ich erkannte das , was er sagte , als vollkommen richtig an , und glaubte mich aber auch befähigt zu fühlen , es in Zukunft besser zu machen . Nach den Fehlern ging der Vater auch auf die Vorzüge der Arbeit über und sagte , daß er nach den Zeichnungen von Köpfen , die ich vor einiger Zeit gemacht hätte , zu schließen , von mir nicht erwartet hätte , daß ich etwas so Sachgemäßes in Ölfarben würde ausführen können . Dieser Sonntagsnachmittag war eine sehr liebe , angenehme Zeit . Die Freundlichkeit der Schwester , die sie besonders an diesem Nachmittage an den Tag legte , war mir ein schönerer Lohn , als wenn ein Kenner gesagt hätte , daß meine Blätter ausgezeichnet seien , das Lob der Mutter , daß ich auf den Vater und das väterliche Haus gedacht habe und aus Liebe zu beiden , um Freude zu bereiten , eine beschwerliche Arbeit unternommen habe , erregte mir die angenehmsten Gefühle , und da auch der Vater mit einigen gewählten Worten seinen Dank aussprach und sagte , daß er dieses Zartgefühl nicht vergessen werde , konnte ich nur mit großer Gewalt die Tränen bemeistern . Ich gab ihm alle Blätter als Eigentum , und er reihte sie seiner Sammlung von Merkwürdigkeiten ein . Am nächsten Tage packte ich die Zithern aus , legte beide der Schwester vor , und ließ ihr die Wahl , ob sie die meinige oder die neuangekaufte als für sie gehörig annehmen wolle . Sie wählte die neue und freute sich darüber sehr . Ich zeigte ihr auch die Stücke , welche ich mir nach dem Spiele meines Gebirgslehrmeisters geschrieben hatte , und ließ sie ihr in ihrem Zimmer , daß sie sie abschreiben lassen könne , und daß sie ihre Übungen darnach begönne . Ich versprach ihr , in diesem Winter ihr Lehrer in dieser Kunst zu sein . Nach einiger Zeit brachte ich auch meine Malereien von Gebirgslandschaften zum Vorscheine . Ich hatte bis dahin immer nicht den Mut dazu gehabt ; aber endlich machte mir mein Gewissen zu bittere Vorwürfe , daß ich gegen meine Angehörigen Heimlichkeiten habe . Ich zeigte meinem Vater die Blätter auch an einem Sonntagsnachmittage . Ich blickte ihm erstaunt in das Angesicht , als er dieselben gesehen hatte und das nämliche sagte , was mein Gastfreund im Rosenhause und was Eustach gesagt hatten . Bei diesen letzten beiden hatte es mich nicht gewundert , da ich sie für Kenner hielt , und da sie Gebirgsbewohner waren . Der Vater aber , der zwar Bilder besaß , war ein Kaufherr und war nie lange in dem Gebirge gewesen . Es erhöhte dies meine Ehrfurcht gegen ihn noch mehr . Er zeigte mir , wo ich unwahr gewesen war , und setzte mir auseinander , wie es hätte sein sollen , was ich augenblicklich begriff . Das , was er lobte und richtig fand , gefiel mir selber nachher doppelt so wohl . Klotilden mußte ich die Blätter noch einmal und allein in ihrem Zimmer zeigen . Sie verlangte , daß ich ihr beinahe alles erkläre . Sie war nie in höherem oder im Urgebirge gewesen , sie wollte sehen , wie diese Dinge beschaffen seien , und sie reizten ihre Aufmerksamkeit sehr . Obgleich meine Malereien keine Kunstwerke waren , wie ich jetzt immer mehr einsah , so hatten sie doch einen Vorzug , den ich erst später recht erkannte , und der darin bestand , daß ich nicht wie ein Künstler nach Abrundung noch zusammenstimmender Wirkung oder Anwendung von Schulregeln rang , sondern mich ohne vorgefaßter Einübung den Dingen hingab und sie so darzustellen suchte , wie ich sie sah . Dadurch gewannen sie , was sie auch an Schmelz und Einheit verloren , an Naturwahrheit in einzelnen Stücken , und gaben dem Nichtkenner und dem , der nie die Gebirge gesehen hatte , eine bessere Vorstellung als schöne und künstlerisch vollendete Gemälde , wenn sie nicht die vollendetsten waren , die dann freilich auch die Wahrheit im höchsten Maße trugen . Aus diesem Grunde sagte mir Klotilde durch eine Art unbewußter Ahnung , sie wisse jetzt , wie die Berge aussehen , was sie aus vielen und guten Bildern nicht gewußt hätte . Sie äußerte auch den Wunsch , einmal die hohen Berge selber sehen zu können , und meinte , wenn der Vater die Reise in das Rosenhaus und in den Sternenhof mache und bei dieser Gelegenheit auch die Gebirge besuche , werde sie ihn bitten , sie mitreisen zu lassen . Ich erzählte ihr nun recht viel von den Bergen , beschrieb ihr ihre Herrlichkeit und Größe , machte sie mit manchen Eigentümlichkeiten derselben bekannt , und setzte ihr meine verschiedenen Reisen in denselben und meine Bestrebungen ausführlicher als sonst auseinander . Ich hatte nie so viel von den Gebirgen mit ihr geredet . Nach diesen Worten verlangte sie auch , daß ich sie unterrichte , eben solche Abbildungen verfertigen zu können , wie sie hier vor ihr liegen . Sie wolle sich Farben und alle andere dazu notwendigen Gerätschaften verschaffen . Da sie ohnehin ziemlich gut zeichnen konnte , so war die Sache nicht so schwierig , als sie beim ersten Anscheine ausgesehen hatte . Ich versprach ihr meinen Beistand , wenn die Eltern einwilligen würden . Wir fragten nach einiger Zeit die Eltern . Sie hatten im ganzen nichts dagegen , nur die Mutter verlangte ausdrücklich , daß diese Arbeiten nur Nebendinge sein sollen , Dinge zum Vergnügen , nicht Hauptbeschäftigungen ; denn die Hauptpflicht des Weibes sei ihr Haus , diese Dinge können zwar auch recht wohl